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Kino Text: Melanie Gerges

Willkommen in Marwen: Die Kraft der Fantasie

Mit „Willkommen in Marwen“ zeigt Regisseur Robert Zemeckis die tragische Lebensgeschichte des Künstlers Mark Hogancamp. Nach einem brutalen Überfall verliert er sein Gedächtnis und flüchtet sich in eine Fantasiewelt. Nicht nur visuell eine sehr innovative Arbeit.

Willkommen in Marwen Filmstill
© Universal Pictures | Hogancamp flüchtet sich in eine Fantasiewelt voller Puppen

Willkommen in Marwen Kritik

Es war ein Schicksalsschlag im Leben des Künstlers Mark Hogancamp. Nach einer trunkenen Nacht in seiner Stammbar wird er aufgrund seiner Stöckelschuh-Sammlung, von der er sehr offen erzählt, brutal von einer Gruppe Neo-Nazis zusammengeschlagen. Nur knapp entgeht er dem Tod, muss anschließend wieder sprechen, essen und gehen lernen. Für immer verloren sind jedoch all seine Erinnerungen und künstlerischen Fähigkeiten: War Hogancamp zuvor ein großartiger Comiczeichner, kann er jetzt kaum mehr seinen eigenen Namen schreiben.

Verzweifelt und traumatisiert flüchtet er sich in eine Fantasiewelt, eine Welt, in der er nicht das Opfer, sondern ein Kriegsheld ist, der Nazis jagt und tötet. Es bleibt nicht bei Fantasien und Traumwelten. Hogancamp erweckt seine alternative Welt „Marwen“ mit Puppen, Miniaturhäusern und Fahrzeugen in seinem Garten zum Leben und macht sehr erfolgreiche Fotos dieser Welt. Die Frauen aus seinem Alltag, von der Kollegin bis hin zur Verkäuferin, sind dabei seine Soldatenkolleginnen, die ihm auf Schritt und Tritt folgen und sein Vorhaben unterstützen. Doch als der Gerichtstermin gegen Marks Angreifer immer näher rückt, muss er lernen, sich der realen Welt und seiner traumatischen Vergangenheit zu stellen.

Lust auf Kino aber noch nicht den richtigen Film parat? Dann lesen Sie auch unsere Kritiken zu „Beale Street“ und „Destroyer“.

Toy-Story-Puppen für ernste Themen

Mit „Willkommen in Marwen“ schafft Regisseur Robert Zemeckis ein neues Werk rund um das Thema der Fantasie. Orientiert an der wahren Lebensgeschichte des Künstlers Hogancamp nimmt er seine Fantasiewelt dabei sehr ernst und zeigt sie ebenbürtig zu dem restlichen Alltag.

Vor allem visuell ist diese alternative Welt beeindruckend. Die Figuren erinnern graphisch ein wenig an Animationen aus Pixar-Filmen wie etwa Toy Story. Immer wieder verliert man sich in diesen Szenen und vergisst beinahe, dass es sich um die alternative Fantasiewelt handelt und die Akteure Puppen sind.

Nach Filmen wie „Zurück in die Zukunft“ und „Forrest Gump“ beweist Robert Zemeckis erneut sein Gespür für Emotionen und Extravaganz und schafft einen sehr innovativen Zugang der Erzählung. Er reizt dabei stark die Grenzen des Kinos aus und schafft mit seinen animierten-Kampfszenen und der allgemeinen Skurrilität einiger Szenen einen Film, der für einige sicher zu schräg ist, zu verwirrend oder zu absurd. Aber manchmal braucht es in dem scheinbar immer gleichen Kinoprogramm voller Remakes, Fortsetzungen und Prequels genau solche Ausreißer, die das Publikum aus ihrem Alltag reißen.

Stereotype trotz großer Emotionen

Herausragend ist auch die schauspielerische Leistung des Hauptdarstellers Steve Carrell. Authentisch und einfühlsam zeigt er die Höhen und Tiefen von Hogancamps Leben und gibt dieser Figur nicht nur in seiner menschlichen, sondern auch seiner Puppen-Version eine Tiefe, die zeitweise zu Tränen rührt. Wie Anfang des Jahres bereits in Beautiful Boy beweist Carrell hier wieder sein Talent fernab der schrägen Komödien und zeigt eine sehr ernste und tragische Facette, die ihm außerordentlich gut steht.

Schade ist nur, dass bei dieser Auseinandersetzung die weiblichen Charaktere stark in den Hintergrund rücken. Ihre Motivationen werden kaum näher erforscht, sie akzeptieren Hogancamps Eigenheiten kommentarlos und wirken dadurch zeitweise zu platt. Das ist insbesondere schade, da für Hogancamp eben diese Frauen eine so tragende Stütze auf dem Weg zur Besserung waren und essentiell für sein Leben sind. Sie hätten auch deshalb deutlich mehr verdient als eine plumpe Sexualisierung voller Klischees und Stereotype.

Wer sich mehr mit ihnen und Hogancamps Leben allgemein beschäftigen will, für den gibt es allerdings Abhilfe. Der Spielfilm entstand nämlich auf der Grundlage der Dokumentation „Marwencol“ von Jeff Malmberg – eine großartige Aufarbeitung von Hogancamps Lebensweg, die einen noch tieferen Einblick in sein Leben ermöglicht.

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