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Warum Little Women den Oscar verdient

Erfolg, Liebe und die Angst vor dem Versagen. Little Women bespricht aktuelle Themen vor der Kulisse des 19. Jahrhunderts. Aber kann die Buchverfilmung das Oscarrennen damit für sich entscheiden?

Little Women Kinoplakat
© 2019 Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH | Ab 31.1.20 im Kino: Little Women

Little Women Kritik

„Wenn die Hauptfigur eine Frau ist, sollte sie am Ende verheiratet sein. Oder tot“, sagt der potenzielle Verleger über das Buch einer aufstrebenden Autorin. Eine Protagonistin, die am Ender der Handlung alleine und glücklich ist, kommt für ihn nicht in Frage!

Eine Einstellung, die sich in Little Women durchzieht. Sei es die ältere Tante, die die Nichte mit der Chance auf den reichsten Ehemann als „Hoffnung der Familie bezeichnet“ oder die Tanzabende, bei denen es eigentlich nur darum geht, einen geeigneten Ehemann zu finden. Egal was die vier March Schwestern in Little Women auch tun, die Gesellschaft will eigentlich nur eines von ihnen: Dass sie möglichst bald eine Familie gründen. 

Dieser Grundgedanke, eine Frau sei nur dann glücklich, wenn sie verheiratet oder zumindest vergeben ist, beschäftigt Louisa May Alcott im Jahr 1868, als sie den Literaturklassiker Little Women veröffentlicht. Die Geschichte rund um die vier Schwestern Jo, Meg, Amy und Beth, die eigentlich nur nach einem richtigen Weg suchen, glücklich zu werden, ohne sich selbst zu verraten, könnte aktueller aber nicht sein.

Die Neuverfilmung von Regisseurin Greta Gerwig (Lady Bird) trifft vermutlich auch deshalb mitten ins Herz. Denn was Gerwig hier schafft, ist eine Literatur-Adaption mit viel Liebe zum Detail und großer Achtung vor dem Original, ohne dabei eine 1:1 Nacherzählung ohne kleine Änderungen zu gestalten. Gerwig erzählt die sieben Jahre andauernde Handlung in Zeitsprüngen und verdeutlicht so auch nachdrücklich, wie schnell aus jungen Mädchen mit großen Träumen erwachsene Frauen mit großer Angst werden.

Auf ins Kino: Wir haben die Programmhighlights im Überblick!

Zeitlose Adaption mit großartigen Schauspielerinnen

Gerwig gelingt es dabei, das Leben der vier jungen Frauen auf eine Art und Weise zu erzählen, dass der zeitliche Unterschied für das Publikum nur eine nebensächliche Rolle spielt. Denn wenn Hauptfigur Jo (gespielt von Saoirse Ronan) in einem herzergreifenden Monolog darüber klagt, wie groß ihre Angst vorm Erwachsensein ist und wie alleine sie sich fühlt, sind diese Emotionen zeitlos.

Alcotts Werk hat seit mehr als einem Jahrhundert damit zu kämpfen, dass es als Frauenliteratur abgestempelt wird. Es gehe ja schließlich vorrangig um Frauen, warum sollte es also jemand anderen interessieren. Mit eben diesen Klischees und Vorurteilen spielt Gerwig und zeigt, wie absurd sie letztlich doch sind und wie universell die Probleme dieser vier Frauen sind. Es geht hier um viel mehr, als Ehe und Kinder. Es geht um die Suche nach Glück und Erfüllung, die Angst, alles falsch zu machen und die Sehnsucht danach, vielleicht doch für immer jung zu bleiben.

Verantwortlich dafür ist auch das großartige Schauspielerinnenensemble. Neben Saoirsa Ronan, die für den Oscar als beste Hauptdarstellerin nominiert wurde, spielen Emma Watson (als Meg), Eliza Scanlen (Beth) und die Newcomerin Florence Pugh. Sie erhielt für ihre herausragende Leistung als Amy eine Nominierung für die beste Nebendarstellerin.

Die vier Frauen schaffen es – mit Unterstützung von Laura Dern als Mutter und Meryl Streep als Tante – den vier Frauen Leben einzuhauchen und ihre Geschichten authentisch und leicht auf die Leinwand zu bringen. Sie sind ungebremst, spielen gerne Theater, wollen Spaß haben und sich nicht von den gesellschaftlichen Zwängen einschränken lassen. Doch je älter sie werden, desto größer wird der Druck der Gesellschaft.

Timothée Chalamet als Nachbarsjunge Laurie ergänzt dieses Ensemble perfekt und die Dynamik zwischen ihm und Ronan hat sich seit ihrem Auftritt in Lady Bird noch um einiges verbessert. Gemeinsam schafft das Ensemble eine Atmosphäre, die es dem Publikum erlaubt, sich vollkommen in dem Film zu verlieren, mitzufiebern und jede Emotion zu teilen. Zwischen herzerwärmenden Momenten und der ein oder anderen Träne liegen manchmal nur Augenblicke.

Oscar-Nominierungen erhliet der Film auch für das beste adaptierte Drehbuch, das beste Kostümdesign, die beste Filmmusik und vor allem den besten Film. Gerade in dieser Kategorie ist die Konkurrenz mit Joker, The Irishman, Marriage Story, Parasite, 1917, Ford v. Ferrari, Once upon a Time in Hollywood, Jojo Rabbit eher männlich dominiert. Alcott hätte es bestimmt gefreut, wenn sich ihre Literaturvorlage – verdient – gegen solche Mitstreiter durchsetzen könnte.

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