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Kino Text: Melanie Gerges

Waldheims Walzer oder Werk ohne Autor: Wer macht das Oscar-Rennen 2019?

Zwei deutschsprachige Filme gehen in das Rennen für den besten fremdsprachigen Film: Der österreichische Beitrag Waldheims Walzer und der deutsche Beitrag Werk ohne Autor. Welcher der beiden Filme hat die besseren Chancen bei der nächsten Oscarverleihung 2019?

Mann malt auf Leinwand
© Walt Disney Studios Motion Pictures Austria | Österreich gegen Deutschland: Wer macht das Oscar-Rennen?

Beide Filme haben eines gemeinsam: sie setzen sich mit dem Zweiten Weltkrieg auseinander. Ein Thema, das bereits in vergangenen Jahren zum einen oder anderen Oscar verholfen hat – etwa bei Schindler’s Liste 1994, Der Pianist 2003 und Dunkirk 2017. Doch die Herangehensweise an das Thema könnte unterschiedlicher kaum sein.

Werk ohne Autor: Kinostart 4. Oktober 2018

Werk ohne Autor ist ein klassisches Biopic. Es ist erst der dritte Langfilm (Das Leben der Anderen 2005, The Tourist 2010) von Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck. Drei Stunden lang taucht der Zuseher in das Leben des Künstlers Kurt Banert ein. Angelehnt ist die Geschichte an die Biographie des deutschen Malers Gerhard Richter. Barnert, im Dresden des Zweiten Weltkriegs aufgewachsen, kämpft sein ganzes Leben lang mit den Traumata des Krieges, große Teile seiner Familie verliert er an die Gräueltaten des NS-Regimes. In den Hauptrollen sind zu sehen Tom Schilling, Sebastian Koch, Paula Beer, Saskia Rosendahl und Ina Weisse.

"Sieh niemals weg" heißt es in seinem Leben immer wieder. Nicht, als seine Heimat von Bomben zerstört wird, nicht, als seine ihm so vertraute Tante von NS-Ärzten mitgenommen wird. Wer nicht wegsieht, erkennt auch die Verstrickungen der einzelnen Charaktere. Diese fast schon absurden verstrickten Fäden, die in diesem Film zwischen Freund und Feind gespannt werden.

Kurt verfolgt sein Leben lang das Ziel, Künstler zu werden. Und zwar nicht irgendeiner, sondern einer, an den sich alle erinnern werden. Die Kunst der späteren DDR ist ihm nicht genug. Ruhm und Anerkennung bedeuten ihm nichts, solange er keine Erfüllung in seiner Arbeit sieht. Die Menschen, die ihm in der DDR begegnen haben allerdings mehr mit seiner Vergangenheit zu tun, als auf den ersten Blick erkennbar ist.

So begleitet man Kurt Barnert durch drei Episoden deutscher Geschichte und sieht sehr explizit die Gräueltaten und Schicksale dieser Zeit. Für manche Zuseher vielleicht zu hart, zu nah, zu bedrückend, für den Film aber eine ideale Balance zwischen kindlicher Naivität und den Traumata, die so viele in dieser Zeit mit sich nehmen mussten. Der Film berührt, reißt einen mit, packt einen, sodass die mehr als drei Stunden wie im Nu an einem vorbeifliegen. Wie viel Zeit vergeht, merkt man weder im Kinosaal noch im Film, die vielen Eindrücke, Emotionen und Geschehnisse ziehen einen so sehr in die Geschichte hinein.

Sie haben Lust auf Kino aber noch nicht den passenden Film?

Lesen Sie unsere Filmkritiken zu den letzten Kinostarts: "Dont Worry, weglaufen geht nicht" und "Die Unglaublichen 2"

Waldheims Walzer: Kinostart 5. Oktober 2018

Kurt Waldheim
© Ruth Beckermann Filmproduktion | Waldheims Walzer von Ruth Beckermann

Auf der anderen Seite steht der österreichische Film-Anwärter: Waldheims Walzer. Die Dokumentation von Ruth Beckermann portraitiert Kurt Waldheim rund um die für viele so bekannte Waldheim-Affäre: Nachdem der ehemalige UNO-Generalsekretär sich 1986 für das Amt des Bundespräsidenten bewirbt, wird seine vermeintliche Vergangenheit im NS-Regime publik. Waldheim verleugnete stets seine Beteiligung an NS-Gräueltaten. Der jüdische Weltkongress empfand jedoch die vorliegenden Dokumente sowie die Lücke in Waldheims Biographie als selbsterklärend.

Chronologisch zeigt Beckermann in der Dokumentation die Entwicklung Waldheims von März bis zum zweiten Wahlgang im Juni 1986. Beckermann verwendet dafür eigenes Filmmaterial, das sie selbst rund um diese Zeit aufnahm, zeigt Waldheim bei Reden und schneidet immer wieder bekannte Interviews aus Archiven ein.

So entsteht eine Chronologie der Affäre. Wechselseitig sieht der Zuschauer die Anschuldigungen des Weltkongresses und die Ausreden und Argumente Waldheims. Wie in einer Reportage über das Geschehen, fühlt man sich immer wieder vor die Entscheidung gestellt, wem man tatsächlich glauben mag. Besonders spannend sind dabei die Filmausschnitte, die Beckermann während der Proteste und Aktionen aufgenommen hat, vor allem, weil sie der Geschichte eine neue Seite verleihen. Ansonsten behandelt der Film einen Teil der österreichischen Geschichte, der vielen ÖsterreicherInnen noch aus dem eigenen Miterleben oder aus medialen Berichterstattungen bekannt ist - zeigt also für viele von uns wenig Neues.

Wer verdient den Oscar 2019?

Trailer Werk ohne Autor und Waldheims Walzer

Beide Filme finden sicherlich ihr Publikum. Fans der Biopics und der Dramen haben in Werk ohne Autor einen Film, der perfekter kaum sein könnte. Jede Sekunde birgt neue Emotionen, jeder Moment scheint genau auf die Szenen davor und danach abgestimmt. Die Filmmusik verstärkt nochmals die Empfindungen und sorgt beim Zuschauer für einen Taumel zwischen großem Mitgefühl, Trauer und Freude über die kleinen Erfolge in Barnerts Leben.

Für jene, die noch nicht ausreichend über die Waldheim-Affäre informiert sind und sich schon immer gefragt haben, was hinter diesem geschichtsträchtigen Akt steckt, ist Waldheims Walzer der perfekte Einstieg in die Geschichte. Die Dokumentation deckt die Geschehnisse 1986 ideal ab, zeigt möglichst viele Perspektiven und bietet einen Einblick in die Standpunkte der unterschiedlichen Seiten.

Welcher Film es tatsächlich in die nächste Runde schafft und somit auf der Nominierungs-Liste der Auslands-Oscars ist, wird am 22. Jänner  2019 bekanntgegeben. Die Verleihung der Oscars ist am 24. Februar 2019.

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