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Gesundheit Text: Tamara Leitner

Vom Raucher zum Dampfer in 2 Wochen?

Ich rauche viel, ich rauche gerne und vor allem, rauche ich seit vielen Jahren. Zugegeben, der Gedanke mit dem Qualmen aufzuhören, schlich sich über die Jahre immer wieder ins Bewusstsein. Speziell, da der Raucher ein Rudeltier ist, sich gerne mit anderen Rauchern umgibt und das eine oder andere Rudelmitglied plötzlich so verwirrende Dinge sagt wie: Ich höre jetzt auf!

Frau vor schwarzem Hintergrund in einer Hand eine Zigarette in der anderen E-Zigarette
Vom Raucher zum Dampfer in nur 2 Wochen?

Bei diesem Artikel handelt es sich bei um einen subjektiven Erfahrungsbericht. Er soll in keiner Weise zum Rauchen verleiten, egal ob E-Zigarette oder normale Tabak-Zigarette: Rauchen ist ungesund!

Mehr zum allgemeinen Rauchverbot in der österreichischen Gastronomie.

Rauchen ist so viel mehr als eine Nikotin-Sucht

Es ist auch ein sozialer Akt. Eine Art und Weise Zeit zu überbrücken und manchmal auch eine Möglichkeit Abstand zu gewinnen – von anderen. Der kleine Glimmstängel verspricht dem Rauchenden; Beruhigung, fünf Minuten für sich selbst, fünf Minuten Pause, Beschäftigung gegen Langeweile, Anziehungskraft oder Schutzschild. Wer bereits viele Jahre raucht, oder geraucht hat – versteht das denke ich nur zu gut.

„Ich bin Raucher“ – wird mit der Zeit zu einem Statement, das so vieles mehr bedeutet als süchtig zu sein.

Denn, wer wirklich mit dem Rauchen aufhören möchte, muss nicht nur die Nikotin-Sucht überwinden, sondern auch Gewohnheiten und vielleicht einen kleinen Teil  seines selbstkonstruierten Ichs aufgeben.

Und doch gibt es immer wieder den einen oder anderen in diesem pseudo-exklusiven Club der Raucher, den wir Raucher da gegründet haben, der es wagt, mit der Aussage „Ich will jetzt aufhören“ einem auf die Nerven geht. Doch das Aufhören ist eben nicht so einfach, wie gesagt.

Ehrlich, auch mir ist über die Jahre, in denen ich mich mit dem kleinen, giftigen Päckchen bewaffnet hatte, das ein oder andere Mal der Gedanke gekommen aufzuhören. Abgetan wurde dieser jedoch schnell wieder, da: Ich doch so gerne rauche. Rauchen definiert mich!

"Wäre ich kein Raucher, was wäre ich denn dann? Nichtraucher? Ach, nö, lieber nicht..."

Und dann hört man sie, die leise, nervige Stimme im Hinterkopf, die flüstert:

„Aber Nichtrauchen wäre doch so viel gesünder..."

Alternative zum Rauchen?

Oft weiß man als Raucher eben nicht wie man dieses ominöse Aufhören denn überhaupt angehen soll.

Der Markt scheint übersättigt mit Produkten zur Rauchentwöhnung – von Nikotin-Kaugummi bis Pflaster, von der Tablette bis zum Nikotin-Inhalator. Doch all das ersetzt nur das Verlangen nach Nikotin, aber nicht das oben beschriebene Drumherum, das einem die Zigarette für so lange Zeit gegeben hat.

Hört man von heute auf Morgen zum Rauchen auf, haben Finger und Mund keinen Reiz mehr, man verliert den Anschluss an das rauchende Rudel und über den sofort einsetzenden Unmut will ich gar nicht sprechen.

Dampfen statt Rauchen?

Zu Ohren gekommen sind mir Dampfgeräte schon vor vielen Jahren. Erst vor einigen Wochen wurde mir wieder mal erzählt, dass es Orte in Wien gibt, an denen man sein rauchendes Laster ablegen kann. Dass, man diese angeblich als Nicht-Nichtraucher verlässt, wenn man sich denn nur einmal hineinwagt, in die dampfenden Höhlen der Ex-Raucher.

"Raucher und doch Nicht-Raucher, jedoch ohne Unmut, ohne Reizverlust, ohne verlorenen Anschluss an das rauchende Rudel? Hm..."

Mit der Zigarette verhält es sich bei mir, wie bei einem Kind und seinem Schnuller – zeigt jemand zu offensichtlich die Intention mir diesen wegzunehmen, werde ich grantig. Also waren diese Dampfer für mich keine Option – und

"E-Zigaretten…? Na, ich weiß nicht. Schaut doof aus, stinkt, ist sicher ungesund..."

Und irgendwann hat die Neugierde gesiegt. Und anschauen kostet ja nichts. Und ich rauche ja gerne, auch eine Dampfbar würde mir meine Zigaretten nicht madig machen. Also machte ich mich auf den Weg zur Linken Wienzeile 46 in die Boutique für Dampf-Geräte.

Alice im Dampferland

Dort angekommen (auf dem Weg wohl bemerkt rauchend) fühlte ich mich wie Alice, nachdem sie in den Kaninchenbau gefallen war. „Trink mich“ und „Probier mich“ schien das vorherrschende Motto an diesem orientalisch angehauchten Ort zu sein.

Sofa, Couch arrangiert im Lounge-Style
"Eine Bar die keine Bar sein darf: Die Dampfbar auf der Wienzeile" so titulierte die Presse bei der Eröffnung 2017.

Die Dampfbar - Boutique für Dampfgeräte, gleich neben dem Naschmarkt gelegen, war so überhaupt nicht das, was ich mir unter einem E-Zigaretten-Shop vorgestellt hatte. Das Interiordesign im marokkanischen Stil lud mich schon von der Türe weg dazu ein, mich auf eine der Schaukeln zu setzen, die Shisha (die mit ziemlicher Sicherheit nur Deko ist) anzurauchen und orientalisch, herben Tee zu genießen.

Denkt man an Trafiken in Wien, denkt man an kleine, enge Räume, an denen unzählige bunte Schachteln von Nikotin-Stängelchen in kleine Regale gekramt sind. In der Dampfbar wird das weite Spektrum an Produkten fein säuberlich präsentiert in weitläufigen, stimmungsvoll hinterleuchteten Vitrinen. Davor eine lange kommunikative Bar, wo angeregt beraten und geplaudert wird. An der Theke, unzählige E-Zigaretten mit Schildchen, der zum Probieren bereitstehenden Liquids.

Freundlich begrüßt wurde ich von Josef und Bettina Gross, den Betreibern und Ideengeber für dieses einmalige Konzept mit dem Claim „More than just a Vape-Shop“. Dieser Zugang kommt nicht von irgendwo, führten die beiden doch vorher erfolgreich das legendäre Cafe Einstein beim Rathaus und haben die Gastlichkeit quasi im Blut.

An der zweiten Bar, eingeladen auf einen Kaffee, berichteten die beiden sympathischen Eigentümer über ihren eigenen Werdegang vom Raucher zum Dampfer, über die Tücken und über die Vorteile des Dampfer-Daseins.

Ich fühlte mich sofort gut aufgehoben, ja sogar verstanden, da beide ebenfalls langjährige starke Raucher waren - und ich merkte, wie ich der E-Zigarette unbewusst neue Sympathiepunkte zusprach.

Video

Die Auswahl des Dampf-Equipments

Wer denkt, dass E-Zigarette gleich E-Zigarette ist – der irrt. Denn je nach Rauchverhalten, sowie Zugstärke, Inhalation etc. braucht jeder ein anderes „Pfeiferl“, ansonsten wird man mit dem neuen Begleiter nicht glücklich.

Wer Lungenraucher ist, also den Rauch direkt von der Zigarette in die Lunge zieht, hat ein anderes Rauch-Bedürfnis als ein Backenraucher. Diese ziehen den Rauch zuerst in den Mund und inhalieren erst dann. Raucher ist eben nicht gleich Raucher.

Das und vieles mehr, erklärte mir zumindest die unglaublich bemühte und nette Dame vor Ort, die für Beratung und Auswahl der Instrumente zuständig war. Eine Stunde lang wurden, unter ihrer Anleitung, verschiedene Modelle und Einstellungen probiert, mein Rauchverhalten analysiert und über Gewohnheiten beim Rauchen diskutiert. Denn:

„Wer schnell wieder zur Zigarette greift, hat sich das falsche Dampf-Gerät ausgewählt“, meint die junge Dame.

Die richtige E-Zigarette wurde schnell gefunden; Ich wählte ein fesches, kleines Modell in blitzblau, das auf Knopfdruck und Zug Dampf produziert und vergleichsweise recht einfach zu handhaben war. Danach wurde ich an die Bar gebeten, um mir Liquids ganz nach meinem Geschmack auszusuchen.

Auch Ersatz-Coil und verschiedene Mundaufsätze für die elektrische Zigarette wurden eingepackt. Der Coil (Head, Atomizer, Brenner), oder auch Verdampferkörper (Verdampferkopf), ist sozusagen der Motor des Dampferls. Damit aber auch ein Verschleißteil, das öfter gewechselt werden muss.

Funktionsweise einer E-Zigarette

Grundsätzlich gilt: Alle elektrischen Zigaretten funktionieren gleich; Sie erzeugen Dampf, keinen Rauch. Dieser Dampf kann, muss aber nicht, nach Tabak schmecken – für den Geschmack sind die sogenannten Liquids verantwortlich, welche von Mango bis Erdbeerkuchen ein breites Spektrum an Aromen, mit oder ohne Nikotin, aufweisen.

Für die Funktion einer E-Zigarette sind Verdampfer, Akku und eben erwähnte Liquids nötig. Vorstellen kann man sich den Vorgang des Verdampfens, als würde man kaltes Wasser (das Liquid), in eine heiße Pfanne fließen lassen – der Dampf, der hierbei entsteht wird inhaliert.

E-Zigaretten sind bezüglich der Wartung etwas kniffliger als das Standard-Päckchen Zigaretten. Da sowohl der Akku geladen, als auch der Liquid-Tank gefüllt und die sich im Verdampferkopf befindliche Watte nicht verbrannt sein darf – nur dann kann der Neo-Dampfer das Dampf-Erlebnis auch wirklich genießen und der Griff zur Zigarette wird unwahrscheinlicher.

Tipp: Ein kleines Care-Paket mit Ersatz-Liquid, Power-Bank oder Ladekabel, beziehungsweise Ersatz-Coil, ist schnell zusammengestellt und hat Platz in jeder Handtasche. Denn; Hat man alles dabei, gibt es keine Ausrede sich eine Packung Zigaretten zu kaufen!

Dampfen ganz ohne Nikotin?

Wer mit der E-Zigarette tatsächlich zum Rauchen aufhören will, der ist mit Nikotin-Liquids gut beraten. Nikotinstärken sind in 3, 6 und 12 Milligramm erhältlich und können den Drang nach Nikon und somit das Verlangen nach einer Tabak-Zigarette im Zaum halten.

Bei normalen Zigaretten spürt man die Wirkung des Nikotins nach 3 bis 5 Sekunden, da sie Inhaltsstoffe enthalten, welche die Weiterleitung des Nikotins ins Gehirn beschleunigen. Bei E-Zigaretten kann es bis zu 30 Sekunden dauern. Sollte man sich also auf der Reise zum Nichtrauchertum befinden gilt: Geduld - um sich an die zeitverzögerte Wirkung zu gewöhnen.

Wie Josef von der Dampfbar dazu meint:"60 Prozent macht das Dampferl, 40 Prozent der eigene Wille."

Probe auf’s Exempel: Ein Neo-Dampfer auf Reisen

Die erste Hürde mit meinem neuen kleinen dampfenden Begleiter: Urlaub in Prag mit drei Rauchern.

Mit dem fixen Vorhaben dem Dampfen eine faire Chance zu geben, begab ich mich auf den Weg nach Tschechien. Bewaffnet mit Liquids, einer geladenen Power-Bank, einem Ersatz-Coil und nur zwei Zigaretten. Bereits im Auto stieß ich nach den ersten zwei Zügen an der E-Zigarette auf Ablehnung meiner rauchenden Mitreisenden.

Deren Verdikt: Der Dampf stinkt!

Leicht schmunzelnd packte ich die E-Zigarette wieder zurück in die Tasche und holte sie, im Nachhinein betrachtet, leider nicht mehr heraus. Während der Autofahrt schoss mir jedoch eines:

"Was, wenn ich Nichtraucher wäre? Wir Raucher muten Nichtrauchern unsere stinkenden Glimmstängel zu – umgekehrt, jammern und schimpfen wir jedoch über Dinge, die uns nicht schmecken.“

In Prag angekommen – hier herrscht bereits seit 2018 absolutes Rauchverbot in Lokalen – stellte sich meine neue Rauchalternative als wahrer Goldschatz dar. Denn, in Prag ist zwar das Rauchen in Lokalen verboten, jedoch mit dem Dampfen drücken sie scheinbar ein Auge zu. Während also meine drei Mitreisenden alle paar Minuten aufstanden, um draußen eine rauchen zu gehen, blieb ich mit meinem Bier im warmen Lokal sitzen und lachte mir ins Fäustchen.

» So steht es um das Rauchverbot in Österreichs Gastronomie?

Drei Tage lang beobachtete ich das nervöse Herumgerutsche meiner Raucherkollegen und ich konnte durch die Ruhe, die mir die E-Zigarette vermittelte, das eigenartige Treiben der Sucht-Geplagten, objektiv betrachten. Und dann dachte ich:

"Ich will kein Raucher mehr sein."

Da waren sie also, die 40 Prozent, von denen Josef in der Dampfbar gesprochen hatte. Der Wille war da!

Als wir am Sonntag die Heimreise antraten ließ ich mir das Dampfen im Auto nicht nehmen. Versorgt mit Liquids, einer geladenen Power-Bank, einem Ersatz-Coil und meinen zwei Ausgangs-Zigaretten machte ich mich dampfend auf den Weg zurück nach Wien. Ab da blieb das Dampferl mein treuer Begleiter.

Fazit

Nun, einige Wochen seit meiner ersten Erfahrung in der Dampfbar, kann ich also sagen:

"Ich bin kein Raucher mehr. Aber auch kein Nichtraucher. Ich bin Dampfer."

Ob das nun besser oder schlechter ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Mir geht es nach nun vier Wochen des Dampfens gefühlt besser. Die obligate Genuss-Zigarette zum Bier ist mir geblieben.

"Immerhin... besser als zwei Schachterl Zigaretten am Tag ist das für mich allemal."

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