Es ist fix: Fernwärme wird ab Herbst doppelt so teuer

Fernwärme Wien Gebäude von Architekt Hundertwasser mit blauem Himmel
© stadt-wien.at/Katha M. Gritsch | Fernwärme soll in Wien noch dieses Jahr eklatant teurer werden

Wer in Wien Fernwärme bezieht, muss ab Herbst mit eklatant höheren Kosten rechnen: Nachdem die Preise für Gas und Heizöl bereits stark gestiegen sind, wird nun auch die Fernwärme teurer – und das gleich um 92 Prozent. Einem Antrag der Wien Energie wurde jetzt stattgegeben, die Erhöhung ist damit fix.

Erstellt von: | 9. August 2022
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Von der Preiserhöhung sind rund 440.000 Wiener Haushalte betroffen: Die Kosten für den Bezug von Fernwärme werden sich bereits ab 1. September dieses Jahres annähernd verdoppeln. Grund dafür sind laut dem Vorsitzenden der Wien Energie Geschäftsführung, Michael Strebl, die Folgen der globalen Energiekrise, die sich schon seit Herbst 2021 als massive Preissteigerungen im Energie-Großhandel niederschlagen, sowie nicht zuletzt auch des Ukraine-Krieges, der die Entwicklung zusätzlich verstärkt habe:

"Wir haben keine andere Wahl. Das sind die bitteren Folgen der weltweiten Energiekrise und beispiellos explodierender Großhandelspreise. Die Teuerung wurde durch die russische Invasion in der Ukraine weiter zugespitzt – es ist leider keine Entspannung der Preis-Lage in Sicht", so Strebl.

Konkret bedeutet die Preissteigerung für einen durchschnittlichen Haushalt in Wien monatliche Mehrkosten von 45 Euro bedeuten.

Wien Energie stellt Antrag auf Preiserhöhung

Für eine Erhöhung der Tarife benötigte es nach österreichischem Gesetz zunächst einen Antrag bei der zuständigen Stelle, in Wien ist das die MA 62 (Wahlen und verschiedene Rechtsangelegenheiten). Wien Energie hatte einen solchen Antrag gestellt, diesem wurde Anfang August von einer Kommission stattgegeben.

Stadtrat Peter Hanke verwies im Hinblick auf die drastischen Anhebungen der Tarife am Energiesektor auf die 250 Millionen Euro an Förderungen, die alleine in Wien fließen werden:

"Wir wissen, wie sich ein Mindestpensionist fühlen muss. Wir wissen wo der Schuh drückt",

so Hanke. Demnach würden weitere Hilfsmaßnahmen folgen, sofern sich dies als notwendig erweise.

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Höhere Fernwerme-Preise beschleunigen Gasausstieg

Allein in den nächsten fünf Jahren investiert Wien Energie rund eine Milliarde Euro in den Gasausstieg, davon fließen 600 Millionen in Innovationsprojekte sie Geothermie und Großwärmepumpen. 

„Es gibt nichts zu beschönigen. Die Preiserhöhung ist drastisch, aber es gibt nur einen Weg: Wir müssen raus aus Gas. Das gelingt nur durch massive Investitionen in erneuerbare Wärme",

beteuerte bereits im Juni der Vorsitzende der Wien Energie Geschäftsführung, Michael Strebl. Demnach dienten die steigenden Kosten auch dazu, finanzielle Verluste zu vermeiden und die wirtschaftliche Stabilität zu sichern, was zwar kurzfristig teurer, langfristig allerdings sowohl fürs Klima als auch fürs Geldbörserl rentabler sei. Bis 2040 will man bei der Fernwärme in Wien vollständig klimaneutral und damit unabhängig von Gas-Importen sein.

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Die angekündigten Preiserhöhungen stehen in unmittelbarem Zusammenhang mit den explosionsartig gestiegenen Gaskosten. Was nämlich viele nicht wissen: Für die Herstellung von Fernwärme werden in Wien nicht nur Müll und Biomasse verbrannt – bis dato kommt zusätzlich importiertes Gas zum Einsatz, um die notwendigen Mengen zu erreichen. Das soll sich mit dem bis 2040 geplanten Gasausstieg nun eben ändern.

Förderungen für einkommensschwächere Haushalte

Zur Abfederung der drastischen Preissteigerung hatte die Stadt Wien indessen das Hunderte Millionen starke Hilfepaket "Energieunterstützung Plus" angekündigt. Zusätzlich dazu stockt Wien Energie die Ressourcen der hauseigenen Ombudsstelle auf, die in Zusammenarbeit mit sozialen Einrichtungen wie Volkshilfe, Rotes Kreuz oder der Caritas soziale Härtefälle mit Betreuungs- und Unterstützungsangeboten versorgt.

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Rudi Rauschal

24. August 2022 - 18:28 Uhr

Stadtrat Hanke weiß wie sich Mindestpensionisten fühlen....das glaube ich nicht, ich glaube vielmehr alle Politiker in dieser Stadt haben keine Ahnung mit ihren fetten Gehältern und Pensionen....wie sich ein Mindestpensionist fühlt

Alle Kommentare anzeigen

G. Frritdum

10. August 2022 - 10:10 Uhr

92% sind die heftigste Erhöhung die diese 'Krise' auslöst. Und wer schlägt zu? Ein grosser intern. kapitalistischer Konzern? NEIN. Das ROTE WIEN ist es, dass den Bürgern am tiefsten in die Taschen greift.Pfui Teufel! Ihr hinterfotzigen Pharisäer!

Exgenosse

09. August 2022 - 15:15 Uhr

Das rechtfertigt aber nicht, den Grundpreis zu verdoppeln! Das Geld fließt wahrscheinlich alles in Rückstellungen für die Pensionen der Landesbediensteten. Die dürfen ja nach wie vor mit 50 bei vollen Bezügen in Pension gehen.

Axilot

09. August 2022 - 11:58 Uhr

Super SPÖ loool ihr seit genauso wie die anderen Partei.... nur dumm reden und einen preisdeckel fordern und dann erhöht ihr die Beiträge.... aber wenn man das verdient was ihr verdient dann hätten wir auch keine Probleme.... man kann nur sagen alle Achtung SPÖ ihr scheisst auch auf die Bevölkerung ihr wollt nur die Stimmen haben.... meine Stimme bekommt ihr nicht ihr seit das letzte pffffff

09. August 2022 - 07:41 Uhr

SPÖ Wien, so treibt eine Partei ihre Wähler:innen in die offenen Arme derer, die nur darauf warten. So, SPÖ Wien, wehrt man keinen Anfängen! Falschbehauptung : es sei die erste Erhöhung seit 2016. Falschbehauptung : man könne nicht anders. Die Grundgebühr darf nicht erhöht werden! Alles andere ist Wucher!DAS ist einer SPÖ unwürdig!!!!Zu den Gaspreisen: Jahr Gaspreis pro kWh2019 6,17 Cent2020 5,97 Cent2021 7,06 Cent2022 12,21 CentExtrem unaushaltbar ist dabei die Tatsache, dass man als Mieter:in einer Gemeindebauwohnung KEINE ALTERNATIVE zu dieser Zwangsmonopolisierung hat. Denn selbst, wenn ich im Winter mit Holz heizen würde, müsste ich Fernwärme bezahlen, da die Raumerwärmung sich auf die Temperaturanzeige und damit die Abrechnungshöhe auswirkt.Freundschaft schaut anders aus.

Johann Wurpes

08. August 2022 - 23:30 Uhr

Das ist reine Abzocke, Raubrittertum!! Unglaublich was sich LUDWIG, HANKE, RENDI-WAGNER und die SPÖ da leisten. Diese Raubritter sollten samt dem Vorstand der Wien Energie sofort zurücktreten!! Die Bundesregierung kritisieren und selbst den Bürgern mit Gewalt das Geld aus der Tasche ziehen. So eine Erhöhung ist völlig ungerechtfertigt. Das werden diese Raubritter bei den Wahlen zu spüren bekommen!!

DI Anita Steinwidder

17. Juni 2022 - 14:57 Uhr

Sehr geehrte Stadt Wien!Ich ersuche um Richtigstellung. Ich bin Künstlerin und habe eine Wohnung mit untergeordneter Ateliernutzung (97m2). Das Haus wird mit Fernwärme beheizt. Ich habe im April 2022 die Jahresabrechnung für 01.01.2021-31.12.2021 erhalten und aufgrund einer - dem Verbrauch exakt angepassten, monatlichen Akkondierung von EUR 90.- im Monat, EUR 80.- zurückbekommen.Da die neue Akkondierung nun EUR 160.- betragen soll, habe ich die Verrechnungsfirma angerufen und nachgefragt. Dort wurde mir mitgeteilt, dass die Fernwärme bereits im November 2021 die Preise verdoppelt hat - also mitten in der Heizperiode 2021/2022.neben dem Schock, dass ich nun wahrscheinlich für dieses Heizperiode bei der Abrechnung 2023 eine massive Nachzahlung haben werde, da ich im Heizverhalten ganz sicher auf eine Preisverdoppelung reagiert hätte - wenn man daruf wirklich aufmerksam gemacht wird - wurde mir auch noch gesagt, dass nocheinmal mit einer Verdoppelung zu rechnen sein wird und das sind wohl die ca 90% von denen jetzt in allen Medien gesprochen wird. Die bereits stattgefundene Verdoppelung von November 2021 wird dabei gar nicht erwähnt.Heute habe ich noch einmal bei der Verrechnungsfirma angerufen, da auf orf.at ein Artikel veröffentlicht ist, in dem behauptet wird, dass die Fernwärme seit 2016 nicht erhöht worden wäre - und dass die beabsichtigte Erhöhung um 92% (noch nicht fixiert) die erste wäre - die Verrechnungsfirma hat nocheinmal bestätigt, dass die Preisverdoppelung im November 2021 stimmt und dass ich mich nur an die Stadt Wien oder an die entsprechenden politischen Stellen wenden kann.Ich habe keinerlei Handhabe - ich muss die verdoppelten Kosten vom Vorjahr stemmen UND jetzt diskutieren sie nochmal um eine Erhöhung von 92% - GEHTS NOCH???Eine Alternative gibt es nicht.Ich habe wirklich schon Angst vor der nächsten Jahresabrechnung - mit Sicherheit bricht mir die Nachzahlung für 2021/2022 (durch eine Preisverdoppelung, die ich nicht einmal mitbekommen habe) das Genick.Wenn es irgendeine Förderstelle für diese unpackbaren Fernwärmekosten gibt, würde ich sie freundlich bitten mir diese zu nennen.Mit freundlichen Grüßen,DI Anita Steinwidder, Künstlerin, [email protected]

Renate

08. Juni 2022 - 19:28 Uhr

Bei dieser extremen Preiserhöhung wäre es besser die Verrechnung auf 1 x monatlich umzustellen, statt wie bisher alle 2 Monate. Kann man die Fernwärme kündigen und auf eine andere Heizform umsteigen ?

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