Geschichte des Wiener Derby

Spieler in violetten und in grünweißen Trikots kämpfen um den Ball
© Steindy | FAK gegen SCR beim Wiener Derby

In der Nachkriegszeit des zweiten Weltkriegs entstand in Wien ein Fußballwettbewerb, der bis heute die Menschen begeistert. Über 300 Mal wurde bereits zwischen Rekordmeister Rapid Wien und Stadtrivale Austria Wien Fußball gespielt. In Europa gibt es nur ein einziges Fußballderby, welches älter ist. Celtic Glasgow und die Glasgow Rangers trafen öfter aufeinander.

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Anfänge des Wiener Derby

Bereits im Jahr 1911 ging das erste Wiener Derby von statten. Diese Begegnung endete mit 4:1 für Rapid. Ab diesem Tag, nahm der große Konkurrenzkampf Fahrt auf.

Gründung SK Rapid

Im späten 19. Jahrhundert wurde der SK Rapid Wien als „Arbeiterverein“ gegründet, während die Austria mit ihrem Spitznamen „Veilchen“ eher der bürgerlichen Schicht zuzuordnen war. Zwischen rivalisierenden Fans ist dieser Sachverhalt immer noch regelmäßiges Thema bei Diskussionen. Was zusätzlich noch die Feindschaft zwischen den Grün-weißen und den Violetten schürte, ist die Tatsache, dass zum Beispiel in den Jahren 1949-1964 insgesamt nur vier Meistertitel nicht an einen der beiden Vereine ging. Auch zwischen 1977 und 1987 machten sich die beiden Teams den Titel untereinander aus. Dies bedeutet, dass in diesen Jahren nicht nur der „übliche“ Kampf um die beste Fußballmannschaft in Wien ausgetragen wurde, sondern gleich um das beste Team in ganz Österreich. Anders als heute, wäre es außerdem in jenen Jahren nahezu unmöglich gewesen, dass ein Spieler zwischen der Austria und Rapid hin und her wechselt. Aus diesem Grund bedeutete das Duell in der Vergangenheit auch regelmäßig Hans Krankl (Rapid) gegen Herbert Prohaska (Austria).

Berühmte Wiener Derbys

Derbys in den 20ern

In den 1920-er Jahren war das Wiener Derby bereits zu einem Wiener Volksfest geworden. Rapid überlegte sich zum Beispiel, dass es doch schön wäre, eine Musikkappelle zu Ihren Ehren aufspielen zu lassen. Gesagt getan. Am 16.9.1923 wurde zu Ehren von Rapid Stürmer Josef Uridil der sogenannte „Foot-ball-walk“ gespielt und in weiterer Folge konnte Rapid auch dieses Derby gewinnen.
In weiterer Folge fand das Derby auf der Hohen Warte in Wien-Döbling statt. Am 15.10.1922 besiegte die Austria den Erzfeind aus Hütteldorf mit 3:7.

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Aufsehen beim Rückspiel 1923

Beim Rückspiel im Juni 1923 kam es zum Eklat. Vor über 30 000 Zuschauern sah Rapid Spieler Ferdinand Wesely die Rote Karte. Seine Teamkollegen waren darüber dermaßen empört, dass sie einfach das Spielfeld verließen. Das Spiel wurde mit 3:0 für die Austria (damals noch „Amateure“) gewertet. Sämtliche Sporttageszeitungen kritisierten die Hütteldorfer scharf. Und es sollte auch einige Jahre dauern, bis diese Aktion vollständig vergessen wurde.

Jahrhundertderby am 17.9.1950

Knapp 5 Jahre nach Kriegsende wurde das 75. Wiener Stadtderby im Praterstadion ausgetragen. Ein Derby zuvor, welches mit 4:4 endete wollte Rapid Wien auf jeden Fall vermeiden. In dieser Partie kassierte man nämlich die letzten 3 Gegentore in der „Rapid Viertelstunde“. Schon im Vorfeld wurde diese Begegnung exzellent inszeniert. Die damalige „Miss Europa“ Hanni Schall übernahm den Ankick und schon ging die Partie rasant los. Bereits nach 11 Spielminuten stand es 2:0 für die Grün-weißen nach zwei Toren von Gernhardt. In weiterer Folge gelange den Veilchen der Anschlusstreffer, ehe Alfred Körner das 3:1 für Rapid erzielte. Rapid Verteidiger Ernst Happel hatte alle Hände voll zu tun mit den Angreifern aus Favoriten.

Nichtsdestotrotz stand es nach Halbzeit Eins 4:3 für die Wiener Austria. Nach einer Galavorstellung von Rapid in Hälfte 2 lautete der Endstand 5:7. Bei den letzten beiden Toren in der Rapid Viertelstunde bebte das gesamte Praterstadion. Sämtliche Sportmedien waren begeistert und die beiden österreichischen Vereine zählten in dieser Zeit auch zu den besten in Europa. Allein schon aufgrund des Zuschauerschnitts sind solche Spiele heutzutage wohl nicht mehr möglich.

Faustschläge für Rapid in den 1970-ern

Im Jahr 1974 besiegte zunächst die Delegation aus Hütteldorf die Austria eindrucksvoll mit 4:0. Ein 21-jähriger Stürmer namens Hans Krankl erzielte alle 4 Tore und wurde sofort als „Weltklassestürmer“ bezeichnet. In derselben Saison wurde der „Goleador“ mit 36 Treffern auch Torschützenkönig in der Bundesliga. Ein paar Tage später fand das Halbfinale im ÖFB Cup statt. Vor knapp 22000 Zuschauern düpierte die Austria ihren Erzfeind mit 6:2. Ein Grund dafür war, dass auch die Austria einen Stürmer von der Marke Krankl aufzuweisen hatte. Nämlich Julio Cäsar Morales. Er war in dieser Zeit Denker und Lenker im Angriff der Veilchen. Unter Beweis gestellt wurde dies auch beim Rückspiel im Cup-Halbfinale. Abermals konnten die Violetten gewinnen- und zwar mit 4:1. Mit einem aus Rapid Sicht fast schon peinlichen Gesamtscore von 10:3 wurde Rapid aus dem Cup katapultiert.

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Trauriger Höhepunkt im Jahr 2011

Nach mehreren internationalen Erfolgen von Rapid und Austria in den 1980-er und 1990-er Jahren. Nach der Ära Stronach bei der Austria und der Bekämpfung der finanziellen Probleme bei Rapid, passierte am 22.5.2011 etwas Unwürdiges. Beim 297. Wiener Derby stellte zunächst Roland Linz schon nach ein paar Spielminuten auf 0:1 für die Veilchen. Zu diesem Zeitpunkt flogen „nur“ ein paar Becher auf das Spielfeld. Als allerdings Zlatko Junuzovic nach 26 Minuten auf 0:2 erhöhte kam es zum Eklat. Hunderte Rapid Anhänger stürmten das Spielfeld und machten das Spiel undurchführbar. Die Spieler und sämtliche Mitarbeiter verließen fluchtartig den Platz und hofften, dass die Polizeibeamten die Situation bald wieder in den Griff bekommt. Doch nach etwa 30 Minuten brach Schiedsrichter Thomas Einwaller die Partie ab. Es wurde mit 0:3 für die Violetten strafverifiziert. Obwohl einige Zuschauer und auch Polizeibeamte verletzt wurden, muss man den Exekutivbeamten ein Kompliment, aufgrund der kompetenten Lösung der Situation machen.

weiters noch 2 Reaktionen zu diesem Spiel

Steffen Hofmann (Rapid-Kapitän):

"Das hat mit Fußball nichts zu tun. Ich muss mich um meine Kinder kümmern, die sind sehr verstört. Das ist für uns alle ein fürchterlicher Tag. Jetzt müssen wir uns alle im Verein finden und Lösungen suchen. Der Schaden ist enorm, diese Sache wird hohe Wellen schlagen. Das ist durch nichts entschuldbar."

Karl Daxbacher (damals Austria-Trainer):

"Es zeigen sich Tendenzen, die nicht tolerierbar sind. Sobald eine Mannschaft einen Negativlauf hat, muss man das Ärgste befürchten. Es hat fast so ausgesehen, dass sich die radikalen Fans ein 2:0 gewünscht haben, um diese Plattform zu bekommen. Auch wir bei der Austria sind da gefährdet. Und in Deutschland werden Spieler sogar mit dem Tod bedroht, falls sie absteigen. Man muss sich etwas überlegen, es muss ein Erziehungsprozess in Gange gebracht werden. Rapid muss jetzt mit weitgehenden sportlichen und finanziellen Konsequenzen leben."

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