Heidi Horten Museum: Neues Kunstmuseum neben der Albertina

Ansicht der Wow! The Heidi Horten Collection im Leopold Museum 2018
© Heidi Horten Collection / Ouriel Morgenszternn | "WOW! The Heidi Horten Collection" im Leopold Museum, 2018

Die Heidi Horten Collection ist eine hochkarätige Privatsammlung von Meisterwerken der klassischen Moderne bis zur Gegenwartskunst. Mit OPEN feierte das Horten Museum am 3. Juni Eröffnung.

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Heidi Horten verstirbt im Alter von 81 Jahren

Der Eröffnung ihres Privatmuseums vor dem Pfingstwochenende war Heidi Goëss-Horten bereits aus gesundheitlichen Gründen ferngeblieben. Am Sonntag starb die Milliardärin im Alter von 81 Jahren in Kärnten: im ehemaligen Schloss Sekirn, vormals Schloss des Fürsten Windischgraetz, das ihr 1987 verstorbener Ehemann Helmut Horten einst am Ufer des Wörthersees erwarb und umbauen ließ.

Die Zukunft ihres Privatmuseums, der Betrieb und die Finanzierung inklusive Neuankäufen, ist gesichert. "In memoriam der Stifterin" gewährt das Museum übrigens kommende Woche (bis Sonntag, 19. Juni) freien Eintritt.

Ab 3. Juni: Ausstellung OPEN im Heidi Horten Museum

Mit OPEN feiert die Heidi Horten Collection die Eröffnung ihrer neuen Wirkungsstätte – einem eigens für die Sammlung geschaffenen Museum, das auf Wunsch und Initiative der Kunstsammlerin Heidi Goëss-Horten entstand.

Bis 22. Oktober 2022 ist die Ausstellung OPEN für Kunsthungrige offen. OPEN gliedert sich dabei in drei Kapitel. Das erste fokussiert auf die Lichtarbeiten der Sammlung – eine kleine, aber hochkarätige Sammlung die 2001 mit dem Ankauf eines Objekts aus Neonröhren von Dan Flavin ihren Beginn fand.

Ein weiterer Bereich befasst sich mit Schrift als Phänomen, das sowohl in klassischen Gemälden wie auch in Leuchtarbeiten der Sammlung originärer Bestandteil des Kunstwerkes ist.

Ein drittes Kapitel schließlich widmet sich Werken die von der existenziellen Auseinandersetzung des Menschen im Spannungsfeld von physischer Außenwelt und seelischem Innenleben erzählen, sowie seinem Verhältnis zu Tier und Natur.

Mit Werken von..

John M Armleder, Stephan Balkenhol, Jean-Michel Basquiat, Alighiero Boetti, Philippe Bradshaw, Barry Flanagan, Dan Flavin, Lucio Fontana, Lena Henke, Damien Hirst, Joseph Kosuth, Brigitte Kowanz, Claude und François-Xavier Lalanne, Constantin Luser, Ulrike Müller, Tim Noble & Sue Webster, Nick Oberthaler, Stefan Oláh, Marc Quinn, Robert Rauschenberg, Lili Reynaud-Dewar, Margherita Spiluttini, Philipp Timischl, Not Vital, Franz West, Erwin Wurm

Besuch im Horten Museum

Der Besuch der Heidi Horten Collection ist nur mit einem gültigen Time-Slot-Ticket möglich. Der Aufenthalt im Museum ist dabei jedoch zeitlich nicht beschränkt. Nach Möglichkeit wird gebeten vor Besuch ein Online Ticket zu erwerben. Tickets sind auch an der Kassa des Museums erhältlich.

Alle Bereiche des Museums sind barrierefrei zugänglich. Für Unterstützung bei individuellen Bedürfnissen steht unser Team vor Ort gerne zur Verfügung.

  • Der Nebeneingang (Hanuschgasse 3) ist barrierefrei zugänglich.
  • Lift vorhanden (Türbreite 200 cm, Kabinentiefe 450 cm, Kabinenbreite 230 cm)
  • Zwei barrierefreie und geschlechtsneutrale Toiletten
  • Öffentliche Behindertenparkplätze stehen derzeit im Bereich Operngasse 8, Helmut-Zilk-Platz 1 sowie in der Walfischgasse 1 und 6 zur Verfügung.
  • Auf Anfrage sind Führungen für Menschen mit speziellen Bedürfnissen möglich

Stöckelgebäude für Horten Museum neu gestaltet

Am 3. Juni 2022 öffnet nun endlich das Museum seine Pforten der Öffentlichkeit. Noch im Herbst 2021 haben drei ausgewählte Architekturbüros ihre Entwürfe für den Umbau vorgestellt, von welchen Eines letzten Endes den Auftrag bekommen hat. Als Fläche für das Museum wurde das Stöcklgebäude innerhalb des Hanuschhofs auserwählt, dabei stehen etwa 2000m² zur Verfügung.

Die Gebäude wurden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts als Nebengebäude der Albertina errichtet. Die Architekten haben das aus 1914 stammende, einstige erzherzogliche Kanzleigebäude, dessen Fassade bis auf kleine Interventionen wie eine Begrünung nahezu unangetastet blieb, im Inneren vollständig entkernt. Nun schweben gleichsam im entstandenen Freiraum zwei Ausstellungsplattformen samt Lichtdecken, die Platz für Großformatiges bieten und durch Achsenverschiebung zugleich Ausblicke auf die Höhendominanten des Baus bieten.

Bereits in der Vergangenheit wurde das Stöcklgebäude für verschiedene Kunst- und Kulturausstellungen verwendet, zuletzt fand sich hier das Staatsopernmuseum ein. Das Gründerzeithaus des Architekten Anton Hefft steht seit einigen Jahren jedoch leer. „Es gibt in Wien und auch in Österreich wenige Privatsammlungen, die öffentlich zugänglich gemacht werden. Damit ist das Engagement Heidi Goëss-Hortens noch höher zu bewerten. Zudem setzt sie hier auch als Frau und Museumsgründerin ein Signal in einer vielfach männlich dominierten Sammlerwelt“, meint dazu die Direktorin des Hauses, Agnes Husslein-Arco.

Sammlung mit Rekordcharakter…

Und die Zahlen geben ihr recht, denn Hortens erste öffentliche Ausstellung 2018 im Leopold Museum war ein purer Erfolg. Knapp 360.000 Besucherinnen und Besucher konnte das Leopold Museum für die Ausstellung begeistern. Sie ist somit die am besten besuchte Schau in der gesamten Geschichte des Leopoldmuseums und macht der hochkarätigen Sammlung alle Ehre. Diese schlägt einen Bogen von Werken der klassischen Moderne bis hin zur Gegenwart.

Dabei fokussiert sich die Ausstellung auf deutschen Expressionismus, Pop-Art aus Amerika und international bekannte Künstlerinnen und Künstler wie Marc Chagall, Georg Baselitz, Francis Bacon oder Damien Hirst. Zu den Vertretern und Vertreterinnen des deutschen Expressionismus zählen Namen wie Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel, Emil Nolde, Max Pechstein und Mark Rothko. Bei den Vertretern und Vertreterinnen des Pop-Art tauchen Namen wie Andy Warhol, Jean-Michel Basquiat oder Roy Lichtenstein auf.

… und mit ambivalentem Charakter

Die Sammlung ist ein wichtiges Kulturgut und dieses der breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen, darf durchaus als feiner Zug gewertet werden. Das Vermögen, auf welchem die Sammlung fußt, ist vor allem aus Hortens erster Ehe mit Helmut Horten. Ihr damaliger Ehemann verstarb 1987 und vermachte ihr Schätzungsweise 2,42 Milliarden Euro. Viel Geld, dass auf dem Rücken jüdischer Mitbürger und Mitbürgerinnen gemacht wurde, welche im Rahmen der „Arisierung“ zwangsenteignet wurden. Helmut Horten übernahm seinerzeit sieben Kaufhäuser von jüdischen Familien und entließ alle jüdischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. „Jetzt in arischem Besitz“, lautete damals der Werbeslogan des Kaufhausimperiums. Er gilt als Mitläufer im NS-Regime.

Dabei enthält die Sammlung viele Werke von Künstlerinnen und Künstlern, die im dritten Reich um ihr Leben bangen mussten. Nicht nur Personen mit jüdischem Hintergrund wie Marc Chagall, sondern auch Vertreterinnen und Vertreter des deutschen Expressionismus flohen zuhauf nach Übersee, um ihr Leben in Sicherheit zu bringen. Gerade der deutsche Expressionismus galt damals als entartete Kunst und wurde von den Nationalsozialisten geschmäht und lächerlich gemacht.

Zuletzt erschien Heidi Hortens Name im Zusammenhang mit der Ibiza-Affäre in den Medien. Sie gehört laut HC Strache zu den Milliardären und Milliardärinnen, die über ein Netzwerk an Tarnvereinen der FPÖ illegal Spenden zukommen lassen. Heidi Horten, wie alle anderen in dem Video genannten Personen auch, bestritt damals noch am selben Tag die Zusammenhänge.

Adresse & Kontakt

Heidi Horten Museum
Hanuschgasse 3 in 1010 Wien

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BORTOLOTTI Francoise

04. Juli 2022 - 07:58 Uhr

Ich habe es nicht geschafft, mich für Ihre Newsletter anzumelden. Das Verfahren hat nicht geklappt. Können Sie mich anmelden bitte ([email protected]) ?Danke im Voraus.MfGF. Bortolotti

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