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Kunst Haus Wien: Ausstellungen 2020

Das Kunst Haus Wien, ein Museum der Wien Holding, hat auch im Jahr 2020 den Schwerpunkt der Fotografie. Mit dabei sind unter anderem die neuen großen Fotografie Ausstellungen „Photography is a language“ und „Nach uns die Sintflut“. Das dürfen Sie nicht verpassen!

Kind steht vor Baustellen-Haus
© Sarker Protick | Sarker Protick, aus der Serie Of River and Lost Lands, 2011-2018

Claudius Schulze: Biosphäre X

30. Jänner – 30. August 2020

Laut dem jüngsten Bericht des Weltbiodiversitätsrats (IPBES) sind eine Million der etwa acht Millionen Tier- und Pflanzenarten, die es auf der Welt gibt, vom Aussterben bedroht. Verantwortlich dafür sind vor allem Eingriffe des Menschen. Während sich das dramatischste Artensterben der Erdgeschichte weiter beschleunigt, erschafft der Mensch eine neue Spezies: Intelligente Maschinen.

Für die Kunst Haus Wien Garage entwickelt Claudius Schulze eine raumspezifische Installation, die diese beiden epocheprägenden Entwicklungen zusammenführt: Den Verlust an Biodiversität einerseits und die Erschaffung einer neuen Spezies durch künstliche Intelligenz, Bionik und Gentechnik andererseits. Während die Welt für Maschinen verständlich wird, verschwindet sie gleichzeitig für immer. Während das Physische in Bits und Bytes übersetzt wird, sterben Arten, weil deren Lebensgrundlage verloren geht.

Werden Drohnen und Roboter die Tier- und Pflanzenwelt ersetzen? Werden künstliche Intelligenz und autonome Roboter zu einer neuen Spezies? Welche Arten wurden nie entdeckt, da sie vorher ausgestorben sind? Welche hätten sich entwickeln können, wäre die Evolution nicht gestört worden? Fragen wie diese thematisiert Schulze in seinem medienübergreifenden Projekt, das aus großformatigen Fotografien, Scans, Animationen und Renderings besteht.

Kuratorin: Sophie Haslinger

Alec Soth: Photography Is A Language

27. Februar – 30. August 2020

Der Amerikaner Alec Soth zählt seit einigen Jahren zu den wichtigsten Fotografen weltweit. Mit der Serie Sleeping by the Mississipi wurde er 2004 schlagartig berühmt: In die Fußstapfen von Robert Frank tretend, dokumentierte der Künstler auf seinem Roadtrip entlang des Mississippi das amerikanische Leben – subjektiv, mit viel Poesie und Melancholie. Soths fotografisches Werk – er ist Mitglied der renommierten Agentur Magnum Photos – findet sich seither in allen namhaften Ausstellungshäusern und Fotografie-Institutionen.

Seine Personale im Kunst Haus Wien kann als Österreichpremiere bezeichnet werden: Soths bekannteste Serien Sleeping by the Mississippi (2004), Niagara (2006), Broken Manual (2010) und Songbook (2014) sind erstmals in Wien zu sehen, ebenso seine jüngste Arbeit I Know How Furiously Your Heart Is Beating (2019). Mit dieser verdichteten Porträtserie hat der Künstler nach einer einjährigen Schaffenspause erneut Furore gemacht.

Alec Soths fotografisches Werk besticht durch seine poetische Bildsprache. Soth gelingt es virtuos, vorstädtische und ländliche Gegenden in den USA, Menschen und Situationen ins Bild zu setzen. Seine groß angelegten Serien können als Fallstudien der US-amerikanischen Gesellschaft gelesen werden. Soths Fotografien geben Einblick in das Leben gewöhnlicher wie auch manch ungewöhnlicher Menschen; sein Interesse gilt der breiten Mittelschicht abseits der Metropolen sowie Menschen am Rande der Gesellschaft.

Der thematische Zugang von Soth ist von einem philanthropischen Interesse geprägt. Er bedient sich einer dokumentarischen Herangehensweise, wobei er sich von seinem poetischen Blick leiten lässt. Seine in großen Serien zusammengefassten Fotografien bewegen sich zwischen Realität und Fiktion und entwickeln eine außergewöhnliche narrative Kraft. Manche Aufnahmen sind schon allein aufgrund ihres Sujets poetisch, wirken malerisch, sind bisweilen romantisch aufgeladen, etwa wenn Soth die Niagarafälle in all ihrer Pracht ablichtet.

Aber auch den konkreten Darstellungen von Menschen und Orten wohnt stets etwas Träumerisches, Entrücktes inne. Der Blick der Dargestellten spielt dabei wohl eine ebenso gewichtige Rolle wie das Licht, in das die Schauplätze getaucht sind.

Alec Soth
Alec Soth, Peter's Houseboat, Winona, Minnesota 2002, aus der Serie: Sleeping by the Mississippi © Alec Soth / Magnum Photos

In Soths Aufnahmen spiegeln sich Vorstellungen von Lebenssituationen oder (Liebes-)Beziehungen wider, wie sie im amerikanischen Film, in Literatur und Musik geprägt wurden. In seinen vielfach ausgezeichneten Fotobüchern werden die fotografischen Arbeiten von Essays, Kurzgeschichten oder Auszügen aus Songtexten von verschiedenen Autoren (etwa dem Pulitzer-Preisträger Richard Ford) begleitet. Sie tragen zur Gesamterzählung bei und unterstreichen die sehnsuchtsvolle, mitunter melancholische Tendenz, die den eigenwilligen Reiz der Aufnahmen ausmacht.

Soth schafft außergewöhnlich eindringliche Porträts von Menschen und Orten. In seiner einzigartigen fotografischen Sprache erzählt er von großen Gefühlen wie Liebe und Einsamkeit und reflektiert weitreichende gesellschaftspolitische Themen, etwa wenn er Aussteiger oder Außenseiter der US-amerikanischen Gesellschaft porträtiert. In seinen Bildern widerhallen zutiefst menschliche Sehnsüchte und Bedürfnisse, sie erzählen von trivialen wie von komplexen Lebensrealitäten, von physischen und psychischen Landschaften gleichermaßen.

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Eisberg in schwarz weiß-Fotografie
© Noémi Goudal, Courtesy Noémi Goudal und Galerie Les Filles du Calvaire, Paris | Noémi Goudal, Souvlèvement I, 2018

Nach uns die Sintflut

16. September 2020 – 14. Februar 2021

Als grünes Museum widmet das Kunst Haus Wien auch seine großen Fotografiepräsentationen regelmäßig zentralen ökologischen Themen. Die Hauptausstellung im Herbst zeigt eine Auswahl künstlerischer Positionen, die die Auswirkungen des Klimawandels auf das Ökosystem ins Zentrum der Aufmerksamkeit rücken.

Sie zeigen und analysieren die Folgen der globalen Klimakrise für Gletscher-, See- und Meeresregionen unter Berücksichtigung wissenschaftlicher und politischer Faktoren. Dabei vermögen die Bilder von schwindenden Gletschern, steigenden Meeresspiegeln, zunehmend versauerten Ozeanen und versteppten Landflächen vor allem emotional zu berühren und damit einmal mehr die Dringlichkeit des Themas nachhaltig vor Augen zu führen.

Nach uns die Sintflut vereint aktuelle fotografische und filmische Arbeiten von 16 internationalen und heimischen Künstlern. Nach langer Recherche und in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern entstanden, thematisieren ihre Werke die ökologischen Auswirkungen unserer Lebensweise auf verschiedene Regionen der Erde. Mitunter beleuchten sie auch die gesellschaftspolitischen und sozialen Folgen oder skizzieren Zukunftsszenarien.

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Die Künstler lenken den Blick auf Menschen in jenen Regionen, die schon jetzt am stärksten von den Folgen des Klimawandels betroffen sind und veranschaulichen die globalen Zusammenhänge zwischen unserem Lebensstil und ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Problemen. Manche Arbeiten sind vordergründig von der Schönheit der Natur durchdrungen, während andere Bilder ungeschönt zerstörte Landstriche und Regionen vor Augen führen.

Exemplarisch für Letzteres steht Axel Braun, der die Geschichte und erschreckende Gegenwart der Pasterze (des größten Gletschers Österreichs, am Fuße des Großglockners gelegen) untersucht und die dramatische Gletscherschmelze dokumentiert. Den Permafrost als Klimaindikator thematisiert Benedikt Partenheimer in seiner Fotoserie Memories of the Future und mahnt vor den fatalen globalen Folgen des drohenden Auftauens der gefrorenen Böden in Alaska.

Angela Tiatias Videoinstallation ist eine meditative Studie über das alltägliche Leben im südpazifischen Inselstaat Tuvalu. Die Insel, die massiv vom Anstieg des Meeresspiegels bedroht ist, steht stellvertretend für all jene Regionen der Erde, die von Überschwemmungen betroffen sind. Der bangladeschische Fotograf Sarker Protick widmet sich der durch den Klimawandel bedingten Erosion der Flussufer des Ganges in seinem Heimatland.

Video

Ein Aufruf zum Handeln

„Après moi le déluge! ist der Wahlruf jedes Kapitalisten und jeder Kapitalistennation“, schreibt Karl Marx im ersten Band von Das Kapital (1867). Die titelgebende Redewendung „Nach uns die Sintflut“ bringt unsere Gleichgültigkeit gegenüber der faktischen Umweltzerstörung zum Ausdruck und kritisiert ein Verhalten, das nur auf den eigenen kurzfristigen Profit bedacht ist und die systemischen Zusammenhänge und dramatischen Auswirkungen auf das gesamte Ökosystem nicht anerkennt.

Die in Nach uns die Sintflut gezeigten Arbeiten wollen hingegen zum Handeln anregen. Sie geben den oft abstrakten und komplexen Prozessen sowie ökosystemischen Zusammenhängen eine visuelle Form, sie zeigen Tatsachen und schaffen Visionen und machen dabei deutlich, dass es um nicht weniger geht als um die Zukunft unseres Planeten.

Gezeigte Künstler: Ursula Biemann, Axel Braun, Michael Goldgruber, Justin Brice Guariglia, Stephan Huber, Genoveva Kriechbaum, Anouk Kruithof, Douglas Mandry, Benedikt Partenheimer, Nicole Six & Paul Petritsch, Sarker Protick, Gabriele Rothemann, Anastasia Samoylova, Frank Thiel, Angela Tiatia

Kuratorinnen: Sophie Haslinger und Verena Kaspar-Eisert

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