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Parlament in Wien einfach erklärt

Das Parlament beeindruckt Touristen, Architekten und Politiker gleichermaßen. In diesem Überblick erfahren Sie Infos zu Besuch, Gebäude und Aufgaben des österreichischen Parlaments.

Das Parlament in Wien
© Curt Themessl | Das Wiener Parlament

Für einen reibungslosen Besuch gibt es hier alles Wissenswerte über das Geschehen im und um das Parlament vorab.

Parlament besuchen

Wer das Parlamentsgebäude erstmal von außen bestaunen möchte, fährt am besten mit der Straßenbahn (Linie D, 1, 2, 46, 49, 71 oder Autobuslinie 48A) zum Dr.-Karl-Renner-Ring.

Für einen Blick hinter die eindrucksvollen Fassaden gibt's beim Haupteingang am Josefsplatz kostenlose Zutrittskarten. Dort sollten Besucher einen Lichtbildausweis bereithalten und etwas Zeit für Sicherheitskontrollen einrechnen. Sperrige Gegenstände wie Gepäck oder Schirme müssen an der Garderobe abgegeben werden.

Besichtigung mit kostenloser Führung

Spontane Gäste können sich mehrmals täglich einer allgemeinen Führung anschließen – auch ohne Vorwissen ist diese leicht verständlich. Samstags stehen Spezialthemen wie Frauenbewegungen oder Kunst im Parlament zur Auswahl. Darüber hinaus gibt es Führungen mit interaktiven Wahlinformationen speziell für Schüler und Lehrlinge. Gruppen sollten sich jedoch voranmelden und einen Termin beim Besucherservice vereinbaren.

Adresse Besucherservice:
Parlamentsdirektion - Services für BürgerInnen (L4.4)
Dr. Karl Renner-Ring 3, A-1017 Wien
Tel.: +43 1 401 10-2400
E-Mail: besucherservice@parlament.gv.at
Öffnungszeiten: Montag bis Freitag, 9:00 - 15:00 Uhr
Eintritt frei
Anfahrt: Straßenbahn Linie D, 1, 2, 46, 49, 71 oder Autobuslinie 48A

Architektur: Bau und Gestaltung des Gebäudes

Allein der imposante Vorplatz ist schon einen Besuch wert. Denn bereits von der Ringstraße aus zieht eine eindrucksvolle Statue die Blicke der Passanten auf sich: Mit einer Höhe von 5,5 Metern ragt die Göttin der Weisheit, namens Pallas Athene, aus dem zentralen Brunnen. Im Wasser zu ihren Füßen treffen sich die Flüsse Inn und Donau sinnbildlich als Mann und Frau.

Übrigens: Weil Pallas Athene mit dem Rücken zum Gebäude steht, spottet der Wiener Volksmund gern über die Abkehr der Göttin der Weisheit vom Parlament.

Zum Gebäudeeingang hin führt eine Rampe, auf der sich weitere Statuen aneinanderreihen: Nach dem Abbild antiker Philosophen stehen links vier Griechen, rechts vier Römer – und halten so die Wiege der Demokratie im Gleichgewicht. Diese Figuren spiegeln den griechisch-römischen Baustil wider, der das 1884 fertiggestellte Gebäude auch im Innern maßgeblich prägt. Entsprechende Entwürfe stammen vom renommierten Architekten Theophil von Hansen, der zuvor das Konzerthaus des Wiener Musikvereins und die Wiener Börse errichtete.

Schatzsucher aufgepasst! An der Kreuzung vor der Dr. Karl Renner Statue versteckt sich ein Geo-Cache mit folgenden Koordinaten: N 48° 12.529' E 016° 21.602'

Räumlichkeiten des Parlaments

Hier ist nicht alles nur Fassade, denn die prunkvolle Architektur hält im Innern, was das Äußere verspricht. Der wohl größte Raum des Parlaments nimmt mit 40 x 24 Metern ein halbes Fußballfeld ein: Mit 24 Marmorsäulen macht die Säulenhalle ihrem Namen alle Ehre.

Und selbst der historische Sitzungssaal wirkt alles andere als verstaubt: In detaillierten Verzierungen erstreckt sich die handbemalte Glasdecke über die Köpfe der Abgeordneten. Mit Salons voll historischer Portraits hat das Parlament somit auch Kunstliebhabern einiges zu bieten.

 

Sitzungen und Livestream online

In Demokratien wird Teilnahme bekanntlich großgeschrieben. Deshalb stehen Parlamentssitzungen grundsätzlich allen offen und werden auf der Homepage per Livestream übertragen. Dort kann das Gebäude auch bequem von zuhause aus erkundet werden. Zusätzlich gibt es Statistiken auf Abruf – und zwar bis zum Beginn der Ersten Republik 1918.

Beispiel gefällig? Im Jahr 1919 saßen erstmals 8 Frauen im Nationalrat, 2019 waren es schon 72. Damit stieg der Frauenanteil in 100 Jahren von 5 auf knapp 39 Prozent an.

» Hier geht's zur Mediathek
 
» Details zu Altersstruktur und Frauenanteil

 

Europäisches Parlament Wien

So mancher Besucher fand sich vielleicht schon beim falschen Gebäude wieder. Denn rein namentlich ist das österreichische Parlament in Wien leicht zu verwechseln mit dem Europäischen Parlament Wien. Letzteres stellt ein Verbindungsbüro zum EU-Parlament in Brüssel dar und dient als Anlaufstelle für Bürger und Medien vor Ort. Aber keine Sorge – im Fall der Fälle liegen zwischen den beiden Gebäuden nur wenige Stationen mit der Straßenbahn.

» weitere Infos zum Verbindungsbüro

Ein halrunder dunkelbrauner Saal mit viele Stühlen
© Parlamentsdirektion / Mike Ranz | Der hsitorische Sitzungssaal im Parlament

Österreichisches Parlament: Zusammensetzung

Im sogenannten Plenarsaal schlägt das Herz des Parlamentswesens, wenn man so will. Doch im Gegensatz zum anatomischen Organ besteht das politische aus lediglich zwei "Kammern".

Zwei Kammern: Nationalrat und Bundesrat

Das österreichische Parlament teilt sich in die beiden Kammern Nationalrat und Bundesrat. Allerdings ist im Volksmund mit "Parlament" oft nur der Nationalrat gemeint. Diese repräsentative Volksvertretung besteht aus 183 Abgeordneten und wird alle fünf Jahre von der Bevölkerung direkt gewählt. Im Nationalrat debattieren die Politiker ihre Positionen und beschließen dann Gesetze.

Bei Entscheidungen des Nationalrats kann der Bundesrat ein Veto einlegen, meist aber nur mit aufschiebender Wirkung. Er vertritt dabei die Interessen der neun Bundesländer und wird deshalb auch "Länderkammer" genannt. Seine 61 Mitglieder lässt der Bundesrat von den entsprechenden Landtagen auswählen. Weil die einzelnen Landtagswahlen aber zu unterschiedlichen Zeiten stattfinden, gibt es hier keine fixe Gesetzgebungsperiode.

Schon gewusst? Die Anzahl der Bundesräte hängt von der Einwohnerzahl der Bundesländer ab – sie kann sich also nach jeder Volkszählung wieder ändern.

Verhältniswahlrecht vs. Mehrheitswahlrecht

Wie die Plätze der Abgeordneten auf die Parteien ausfallen, kommt auf das Wahlsystem an. In Österreich gilt das Verhältniswahlrecht: Dabei teilen die Parteien die Anzahl der Sitze im Verhältnis ihrer Wählerstimmen unter sich auf. So bekommen mehr Kleinparteien die Chance auf Mitsprache im Parlament. Im Gegensatz dazu begünstigt das Mehrheitswahlrecht ein Zweiparteiensystem, wie etwa in Großbritannien oder in den USA.

Die Sitze im Parlament nennt man auch "Mandate", die Abgeordneten dementsprechend "Mandatare".

Politik der Sitzkonstellation: "links" vs. "rechts"

Wer sich fragt, woher eigentlich die Einteilung in "linke" und "rechte" Politik kommt, muss sich die parlamentarische Sitzordnung genauer ansehen. Daran lassen sich Tendenzen früherer Weltanschauungen erkennen: Während der Revolutionszeit nahmen am rechten Rand des Plenarsaals eher die konservativen, links die revolutionären Parteien Platz. Demnach saß der Drang nach Veränderung den Verfechtern alter Traditionen gegenüber. Noch heute werden solche Neigungen in die Sitzordnung interpretiert, obwohl sich die politischen Lager seither stark veränderten.

» Wer sitzt wo? Hier geht's zum aktuellen Sitzplan der Parteien.

Übrigens: Die Bundesregierung hat ihren Sitz im Bundeskanzleramt. Sie kann zwar Gesetze im Parlament vorschlagen, darf aber nicht mitabstimmen.

Aufgaben des Parlaments

Wirklich lebendig wird das Wesen des Parlaments erst durch die Menschen, die es belebt. Wer sich seine Aufgaben zu Herzen nimmt, kann bei hitzigen Debatten durchaus etwas lauter werden.

Was bedeutet "Parlament"?

Parlament kommt vom französischen Wort "parler" für "sprechen". Damit unterstreicht der Name die zentrale Aufgabe des öffentlichen Diskurses im Parlament. Dessen klassische Plattform stellt der Nationalrat dar, denn dort wird diskutiert – und manchmal auch geschimpft. Das kann den sonst adrett wirkenden Anzugträgern schon mal eine Abmahnung einbringen.

Apropos "parler": Im Normalfall dürfen Nationalratsabgeordnete nicht länger als 20 Minuten pro Debatte sprechen.

Gesetzesbeschlüsse: Einfache Mehrheit vs. Zweidrittelmehrheit

Eine weitere essentielle Aufgabe des Parlaments ist die Gesetzgebung. Und dafür braucht es Abstimmungen. Im Nationalrat genügt für die meisten Gesetzesbeschlüsse eine einfache Mehrheit. Bei vollständiger Anwesenheit sind das 92 von 183 Stimmen. Dafür muss aber nur ein Drittel der Abgeordneten tatsächlich vor Ort sein. Theoretisch genügen also 31 Stimmen für einen Gesetzesbeschluss.

Für die Änderung eines Verfassungsgesetzes braucht es immerhin eine Zweidrittelmehrheit bei halber Anwesenheit – also 61 Stimmen. In der Vergangenheit beschloss der Nationalrat viele Gesetze als Verfassungsgesetze, weil das die Wiederaufhebung nach Regierungswechsel erschwert.
Übrigens: Geht es um die Änderung von Grundprinzipien der Verfassung, muss im Anschluss sogar eine Volksabstimmung stattfinden, wie etwa bei Grund- und Menschenrechten.

Politische Kontrolle: Misstrauensvotum

Neben der Gesetzgebung zählt auch die Kontrolle der Regierung zu den Aufgaben des Parlaments. Das schärfste Mittel dafür stellt das Misstrauensvotum dar. Am 27. Mai 2019 kam es erstmals in der Geschichte der Zweiten Republik zu einem erfolgreichen Antrag. Infolgedessen entzog das Parlament der gesamten Bundesregierung unter Kanzler Sebastian Kurz das Vertrauen. Das Misstrauensvotum kann aber auch nur einzelne Regierungsmitglieder betreffen und bedarf einer einfachen Mehrheit im Nationalrat.

Video: Parlament – Was ist das?

Ja, die Vorgänge hinter den Säulen der Demokratie sind nicht ganz unkompliziert. Trotzdem bietet ein Besuch im Parlament viel Sehenswertes abseits trockener Politik. Wem aber die Zeit für eine Führung durch die Marmorhallen fehlt, kann Richtung Innenstadt zumindest einen Zwischenstopp am eindrucksvollen Vorplatz einlegen. Denn auch auf eigene Faust lässt sich dort einiges entdecken.

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