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Fertörákos Ressort: Neusiedler See soll verbaut werden

Auf der ungarischen Seite des Neusiedler Sees schläft man derzeit unruhig. Grund dafür sind die Pläne für ein monumentales Urlaubsressort in der Gemeinde Fertörákos. Um das Projekt zu realisieren soll nicht nur der dort bestehende Yachthafen weichen, sondern auch die Bewohner. Die Pläne sind seit Anfang dieses Jahres bekannt.

Neusiedler See vom Westen aus gesehen
© pixabay.com | Neusiedler See vom Westen aus gesehen

11 Haushalte sehen einer Vertreibung entgegen

Fertörákos, eine kleine Gemeinde mit gerade einmal 2146 Einwohnern, liegt im Süden des Neusiedler Sees. Die Gemeindegrenze im Norden der Region ist zugleich die Bundesgrenze zwischen Österreich und Ungarn. Eine kleine Besonderheit der Region sind die auf Stelzen erbauten Holzhäuser mit Schilfdächern, die in den See hineinragen.

Diese waren ursprünglich als Ferienheime angelegt worden, nach der Wende wurde aber ein Teil an Privatpersonen verkauft und von diesen aufwändig renoviert. Der Wert eines dieser Häuser liegt derzeit bei 300.000 Euro. Nun sollen diese einem Luxushafen und einer rigorosen Neuentwicklung weichen.

Status des Sees als Weltkulturerbe in Gefahr

Denn neben dem Hafen soll außerdem ein Parkplatz für 880 Autos, ein Freizeitpark, ein Yachthafen und ein Ökozentrum entstehen. Dem Projekt eine ökologische Förderlichkeit auf die Fahne zu schreiben ist allerdings höchst fragwürdig. "Da werden bedeutende Flächen versiegelt, die natürlichen Lebensräume von geschützten Arten sind betroffen, wichtige Feuchtgebiete drohen zu verschwinden", so Zoltán Kun, freiberuflicher Umweltexperte.

Ursprünglich hatten sich Österreich und Ungarn bereit erklärt, den See im Namen der Bewahrung von Feuchtbiotopen zu schützen. Das bestehende Regelwerk scheint allerdings die Bebauung des Ufers nicht ausreichend zu regeln, „du kannst es dann weiter 'Naturschutzgebiet' nennen, nur mit Naturschutz hat das dann nichts mehr zu tun," erklärt Kun weiter.

Ein Teil der Holzhäuser bereits 2017 abgebrannt

Doch die ersten Vorboten des geplanten Umbaus liegen schon ein paar Jahre zurück. 2017 sind 10 der 21 Holzhäuser abgebrannt, angeblich ein Unfall. Die Betroffenen wurden entschädigt, es wurde ihnen aber gleichzeitig verboten, neue Häuser zu bauen. Im Sommer 2018 wurde es den restlichen Anrainern untersagt, wertsteigernde Investitionen an den Immobilien vorzunehmen.

Diesen Sommer dann war das Freibad am See geschossen worden. Die Kabanen mussten auf Kosten der Mieter abgetragen werden und die ersten Baumaßnahmen wurden eingeleitet. Bäume wurden gefällt, Schilf wurde abgetragen.

Ráhel Orbán im Projekt involviert

Die Tochter des Rechtspopulisten Viktor Orbán spielt dabei eine wichtige Rolle. Sie soll nicht nur starken gefallen an dem Uferabschnitt haben, sondern sie ist auch mit István Tiborcz verheiratet, einem im Immobiliengeschäft tätigen Jungoligarchen.

Hinzu kommt, dass die Entwicklungsagentur für das Projekt die ungarische Fremdenverkehrsagentur ist, der Ráhel Orbán beratend zur Seite steht. Diese wiederrum stellt sich stumm, versuche den Chef der Fremdenverkehrsagentur zu erreichen ist ein Ding der Unmöglichkeit.

Eingriffe in die Natur und die Persönlichkeitsrechte

Das der Umbau und die Renovierung des Freibads dringend benötigt werden, bestreitet in der Region niemand. Doch so hatte sich das wohl keiner vorgestellt. Mit dem autoritären Eingriff von oben werden nicht nur Bewohner verdrängt, sondern Europa verliert im selben Moment wertvolle Biotopflächen.

Jedoch formiert sich ein starker zivilgesellschaftlicher Widerstand. Die Freunde des Neusiedler Sees auf beiden Seiten der nationalen Grenze stehen inzwischen Schulter an Schulter mit internationalen Vereinen, dazugehören Unesco, Natura 2000 und das Ramsar-Komitee, gegen das Projekt.

Die Pläne für den 60 Hektar großen Umbau sind allerdings von Ungarn aus bestätigt und die Wahrscheinlichkeit, dass sich noch viel an den Plänen ändern wird, ist eher gering. Seit neuestem ist auch das Gelände um die zu bebauende Fläche gesperrt.

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