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News Text: Katharina Widholm

Braucht Wien eine Citymaut?

Sollen Pendler künftig dafür zahlen, wenn sie die Grenze der Bundeshauptstadt passieren? Wir dokumentieren hier für Sie, wer welche Argumente dafür und dagegen bringt, Zahlen, Studien und Referenzbeispiele. Was ist für Sie ein zumutbares Verhältnis zwischen Lebensqualität und der Notwendigkeit des Individualverkehrs in unserer Stadt Wien? Ihre Wortmeldung ist in den Postings gerne willkommen!

Straßenschild auf Autobahn
© Earnest B. | Kommt nun die Citymaut für Einpendler nach Wien?

Der Bau des Lobautunnels ist beschlossene Sache. Gar nicht glücklich darüber sind die Grünen. Um dieses neue zusätzliche Verkehrsaufkommen in der Stadt abzufangen, bringen die Grünen wieder die Citymaut für Pendler ins Gespräch. Für Einpendler nach Wien würde das bedeuten, dass diese künftig eine Gebühr entrichten müssen, um mit dem Auto ins Stadtgebiet zu fahren. Der Vorschlag stößt auf wenig Gegenliebe: der Koalitionspartner SPÖ zeigt sich je nach Wind, die Opposition ist geschlossen dagegen, murrend ablehnende Stimmen kommen aus den angrenzenden Bundesländern und 2010 gaben 77 % der Wiener bei einer Volksbefragung an, eine Citymaut abzulehnen.

News vom 1.August 2018

Studie Citymaut MA18: Verkehrsrückgang um 38%

Die MA 18 hat nun im August 2018 eine Studie vorgelegt in der ein Rückgang des Verkehrs auf den Wiener Haupstraßen um 38% prognostiziert wird. Umgerechnet würden demnach an Werktagen 20.000 Fahrzeuge weniger unterwegs sein. Konkret geht man in dieser Studie von folgenden Zahlen aus:

  • Entlang des Donaukanals: - 27 % Verkehrsaufkommen  (13.400 Autos weniger pro Werktag)
  • Linke und Rechte Wienzeile: - 25,4 % weniger Verkehr (9.200 Autos weniger)
  • Opernring: - 24,2 % weniger Verkehr (8.200 Fahrzeuge)
  • Triester Straße: - 25,2 %
  • Westbahnhof: - 21,7 %
  • Grünbergstraße: - 11,2 %
  • Reichsbrücke: - 38 %

Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou sieht sich angesichts dieses Studienergebnis bestätigt. Bislang ist geplant, erst ab dem Gürtel Gebühren für Pendler einzuheben. Da sich aber nun zeigt, dass sich die Citymaut auch auf den Verkehr jenseits des Gürtels auswirken würde, und überlegt nun, sich für eine Gebühr bereits ab der Wiener Stadtgrenze einzutreten. 

Grund für Citymaut: Geringere Umweltbelastung

Doch was sind die Beweggründe für eine Citymaut? Ähnlich der anderen Initiativen wie dem Parkpickerl, an deren Umsetzung ebenfalls maßgeblich die Grünen beteiligt waren, sollen die Gebühren die Pendler dazu motivieren, das Auto künftig in der Garage stehen zu lassen und auf die öffentlichen Verkehrsmittel umzusteigen. Dadurch soll die Verkehrssituation in Wien verbessert und die Umweltbelastung reduziert werden. Mit einer Citymaut soll der CO2-Ausstoß, sowie Lärm und Staub veringert werden. Durch den Lobautunnel, dessen Bau 2019 starten soll, befürchten die Gegner einen Anstieg des Verkehrs und möchte diesem etwas entgegensetzen.

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Citymaut in Wien

Die Reaktionen auf den Vorschlag von Vassilakou sind durchaus gemischt. Der Koalitionspartner SPÖ kündigt angesichst des Vorschlages Gesprächsbereitschaft an, vermerkt jedoch, dass man eine Citymaut in enger Absprache mit der gesamten Ostregion abwickeln müsse. Politiker aus ebendieser - genauer gesagt Niederösterreich - sind über Vassilakous Pläne wenig erfreut. Ludwig Schleritzko, der als Mobilitätslandesrat bei der ÖVP Niederösterreich fungiert, bezeichnet die Citymaut als "populistischen Schnellschluss".

Ähnlich ablehnend steht sein Parteikollege Stadtrat Markus Wölbitsch der Idee gegenüber, denn eine Citymaut würde auch für Lieferanten gelten und daher negative Folge für den Wirtschaftsstandort Wien nach sich ziehen.

Die FPÖ sehen die Citymaut als willkommenen Anlass, Rücktrittsaufforderungen gegenüber dem frischgebackenen Bürgermeister Ludwig auszusprechen, sollte dieser Vassilakous Idee zustimmen. Clubobmann Anton Mahdlik: "Wenn Michael Ludwig jetzt die schikanöse Abzocke von über 350.000 Pendlern aus den Bundesländern durch eine Citymaut nicht im Keim erstickt, kann er gleich wieder zurücktreten."

Citymaut Stockholm als Vorbild

Als Vorbild für die Citymaut dient wie so oft der skandinavische Raum: In der schwedischen Hauptstadt müssen Einpendler montags bis freitags von 6.30 Uhr bis 18.29 Uhr eine Maut bezahlen. Die Höhe der Gebühr ist dabei von der Uhrzeit abhängig, betragen aber höchstens sechs Euro (umgerechnet von schwedischen Kronen).

Allerdings ist Stockholm durch seine Geographie und Infranstruktur relativ begünstig.  Die skandinavische Metropole ist vom Wasser umgegeben, hat ein Mautgebiet von 30 Quadratkilometern und insgesamt 18 Einfahrten. Die Erfassung der Daten der Pendler (Autokennzeichen) durch Videokameras geht dementsprechend einfach vonstatten. Wien hingegen hat eine Fläche von 145 Quadratkilometern und viel mehr Zufahrten, die alle mit Kameras ausgestattet werden müssten. Das würde einigen finanziellen Aufwand bedeuten.

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