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News Text: Katharina Widholm

Massen­demonstration gegen den 12-Stunden-Tag

Müssen wir bald 60 Stunden in der Woche arbeiten? Das befürchten zumindest jene Menschen, die sich am letzten Junitag versammelten, um ihren Protest gegen den 12-Stunden-Tag in Wien kundzutun. Unter den Demonstrierenden fanden sich auch Vertreter vom ÖVP-nahen Organisationen.

Demonstrationsteilnehmer am Heldenplatz mit Redner
© ÖGB | Massenprotest am Heldenplatz in Wien

Während im WKO-Musikvideo "Die neue Welt der Arbeit" Plastilinfiguren und sprechende Möpse den geplanten 12-Stunden-Tag mit einem Flug im Privatflugzeug zelebrieren, stehen viele Österreicher den Plänen der Regierung nicht ganz so positiv gegenüber. Das wurde vor allem an der Demo gegen die "Arbeitszeitflexibilisierung" deutlich, bei der laut Veranstalter fast 100.000 Menschen teilnahmen.

Demo von ÖGB organisiert

Die Demonstration wurde vom Österreichischen Gewerkschaftsbund organisiert, der den Protest unter dem Motto "Für ein besseres Leben" organisierte. Im Zuge der Demonstrationen hielten mehrere Gewerkschafter Reden in denen sie sich klar gegen die Pläne positionierten; dabei ging es über die gesundheitlichen Risiken, die eine Arbeitszeitverlängerung mit sich bringe, sowie die Kürzung von Freizeit. Arbeiterkammer-Chefin Renate Anderl plädiert dafür, dass es sinnvoller sei, die Arbeitszeit zu verkürzen. Unter den Reihen der Demonstranten fanden sich prominente SPÖler wie Christian Kern und Wiener Bürgermeister Michael Ludwig. Doch auch aus den eigenen Reihen kommt Kritik: so nahmen auch der Tiroler Chef der Arbeiterkammer Erwin Zangerl von der ÖVP und einige prominente Christgewerkschafter am Protest teil.

Zwischen 80.000 und 100.000 Demo-Teilnehmer

Die Demonstrationsteilnehmer fanden sich um 14 Uhr am Christian-Broda-Platz beim Westbahnhof ein und zogen dann Richtung Heldenplatz. Die Polizei geht von rund 80.000 Teilnehmer aus, in den Medien und seitens der Veranstalter ist von rund 100.000 Teilnehmern die Rede. Die Veranstaltung verlief friedlich und es gab kaum Zwischenfälle, lediglich eine Aussage vom Chef der Postgewerkschaft, Helmut Köstinger, der zum "Sturz der unsozialen Regierung" aufrief, sorgte für Kritik. ÖGB-Chef Wolfgang Kazian fordert indes die Regierung auf, eine Volksbefragung zum 12-Stunden-Tag durchführen zu lassen. Außerdem kündigt er an, dass mit diesem Demonstrationszug der Widerstand gegen die Maßnahmen der Regierung erst begonnen habe.

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Umfrage: Mehrheit der Österreicher gegen 12-Stunden-Tag

Dass die Demonstration gegen den 12-Stunden-Tag so großen Anklang gefunden hat überrascht nicht wirklich. Umfragen haben ergeben, dass 59% der Österreicher die Pläne der Regierung bezüglich der Erweiterung der Höchstarbeitszeit ablehnen. Grund dafür ist vor allem die Befürchtung, dass es zu 60-Stunden-Wochen kommen könnte und dass man gekündigt wird, wenn man die Bitte des Chefs, 12 Stunden im Büro zu bleiben ausschlägt. Zwar wird von der Regierung immer wieder betont, die Höchstarbeitszeit von 12 Stunden wäre auf freiwilliger Basis, allerdings lasse sich diese Freiwilligkeit kaum in die Praxis übertragen, so Experten. Zudem wird kritisiert dass in anderen Ländern wie Frankreich oder Schweden eine Arbeitszeitverkürzung vorgenommen wird, Österreich aber den umgekehrten Weg geht. 

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