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Wenn die Erschöpfung nicht endet: Was steckt hinter Long-Covid?

Covid-19 ist bekanntlich eine Viruserkrankung, die sich vor allem auf die Atemwege auswirkt. Viele Menschen, die an Corona erkrankt waren, klagen über Langzeitfolgen und entwickeln „Long-Covid“. Dabei ist der akute Infekt überstanden, Betroffene leiden aber oft noch Monate danach an zahlreichen Symptomen.

Mann sitzt im Bett und hält sich den Kopf
© pexels | WElche Spätfolgen kann eine Corona-Erkrankung haben?
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Die Studien zu den Corona-Spätfolgen sind noch in ihrer Anfangsphase. Der folgende Artikel ist ein Einblick in die ersten Forschungsergebnisse.

Ein Forscherteam der Uni Genf und der Genfer Universitätskliniken (HUG) beobachtete insgesamt 669 Covid-19-Patienten mit mildem Verlauf. Ein Drittel berichtete nach sechs Wochen noch immer von Symptomen. Am häufigsten war Erschöpfung und Müdigkeit, gefolgt von Geruchs- oder Geschmacksverlust und Kurzatmigkeit oder Husten.

Andere Studien berichten von Langzeitfolgen bei 10 % der Coronainfizierten. Die Studienlage ist hierzu also noch nicht eindeutig, die Fälle mit Langzeitfolgen werden aber mehr und mehr.

Wann spricht man von Long-Covid?

Dr. Wolfgang Galetke ist Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Pneumologie an der VAMED Klinik Hagen-Ambrock in Deutschland. Er erklärte dem Helios Magazin, was genau man unter Long Covid versteht:

„Wer eine akute Covid-19-Erkrankung überstanden hat, gilt als genesen. Das heißt, diese Person ist nicht mehr infektiös und hat keine akuten Symptome, wie Fieber, Luftnot oder Kopf- und Gliederschmerzen. Dennoch können weiterhin Folgesymptome bestehen. Wer gesund ist, ist komplett symptomfrei.“

Manche Personen haben Covid-19 zwar überstanden und sind damit auch nicht mehr infektiös, haben aber weiterhin Folgesymptome. Dann wird von Long-Covid gesprochen.

Bis jetzt wurde der Begriff Long-Covid aber noch nicht klar eingeordnet. Dadurch ist nicht definiert, nach welcher Zeitspanne des Krank-Seins von Long-Covid gesprochen werden kann. Die akute Infektion muss aber jedenfalls von der Phase danach getrennt werden, welche Forscher oft als multisystemisches inflammatorisches Syndrom bezeichnen. Diese Phase setzt zwei bis fünf Wochen nach Beginn der Infektion ein.

Welche Symptome haben Long-Covid-Betroffene?

Die Symptome und Spätfolgen von Corona sind von Person zu Person unterschiedlich, oft aber sehr zahlreich und im Alltag behindernd. Mögliche körperliche Symptome sind beispielsweise:

  • Kurzatmigkeit
  • Lungenschäden
  • Krämpfe
  • Geruchs- und Geschmacksverlust
  • Herzmuskelentzündung
  • Schwindel
  • Verwirrung
  • Desorientierung oder auch sogenannter „brain fog“: Damit wird die Unfähigkeit klar zu denken bezeichnet, oder das Gefühl, ein Brett vor dem Kopf zu haben.

Wissen wir, was bei Long-Covid im Körper passiert?

Die Langzeitfolgen von Corona sind aber immer noch ein Rätsel. Der Wiener Neurologe Dr. Michael Stingl weist darauf hin, zwei Arten von langen Verläufen zu trennen: Atemwegserkrankungen wie Covid-19 können beispielsweise zur Schädigung der Lunge führen. Diese Organschäden können dann natürlich die Leistungsfähigkeit einschränken und Symptome verursachen.

Rätselhafter hingegen sind die Fälle, wo keine Organschäden nachweisbar sind, die Betroffenen aber trotzdem eine stark verminderte Leistungsfähigkeit und andere Symptome aufweisen. Leider ist dies noch unklar. Ein immunologisches Problem scheint aber naheliegend.

Es gibt verschiedene Thesen von Virusinfekten bis hin zu Autoimmunreaktionen. Man könne auch immer wieder eine Fehlfunktion des autonomen Nervensystems feststellen. Eine direkte Schädigung des Nervensystems ist nur in sehr seltenen Fällen nachgewiesen worden, es treten aber immer wieder Beeinträchtigungen des Nervensystems auf.

Inwieweit neurologische Veränderungen eine Rolle spielen ist jedoch unklar. In manchen Fällen tritt nach einer Coronainfektion das Chronic Fatigue Syndrom (ME/CFS) auf, wobei es sich um eine neuroimmunologische Erkrankung handelt. Darauf wird in diesem Artikel noch genauer eingegangen.

Wer ist von Langzeitfolgen betroffen?

Wer am öftesten davon betroffen ist, mag überraschend sein: Junge Erwachsene, und jene im arbeitsfähigen Alter erleben Langzeitfolgen öfter als die Gruppe von über 64. Außerdem sind davon mehr Menschen betroffen, welche nur sehr milde COVID-19-Verläufe hatten. Auch viele Sportler*innen, die eine Corona Infektion durchmachten, sind immens von den Folgen betroffen. Marathonläufer*innen können Wochen und Monate danach oft nur mit Mühe kurze Strecken von einigen Hundert Metern gehen.

Vor allem spezifisch zu diesem Erkrankungsbild ist die starke Erschöpfung nach kleinster Aktivität, die oft als bleierne Müdigkeit oder starke Abgeschlagenheit beschrieben wird. Junge Menschen in ihren 20ern berichten davon, sich wie 70 zu fühlen.

Nach milder COVID-19-Erkrankung sei rund jeder 10. länger als 4 Wochen betroffen. Manche sind aber viele Monate danach noch sehr stark betroffen und in einigen Fällen sogar ans Haus gebunden durch die starke Erschöpfung und körperliche Einschränkung.

Generell ist die momentane Bestandsaufnahme noch vage, weshalb keine eindeutigen Zahlen zur Betroffenheit genannt werden können.

Was hat Covid-19 mit ME/CFS zu tun?

Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) will dem Thema Long-Covid jetzt mehr Aufmerksamkeit schenken. In diesen Schritt hegen viele Betroffene einer anderen Erkrankung - ME/CFS - Hoffnung auf mehr Erkenntnisse. Denn ME, auch bekannt als chronisches Erschöpfungssyndrom wird oft von einem Virusinfekt wie beispielsweise von EBV (Dem Eppstein-Barr-Virus) ausgelöst. Die Symptome sind denen von Long-Covid sehr ähnlich. Da nun auch einige Menschen nach einer Erkrankung mit Corona für ME/CFS typische Symptome aufweisen, ist dies für viele Ärzte besonders interessant.

Viele Symptome können noch nicht genau erklärt werden, erklärt Neurologe Dr. Michael Stingl:

„Bei vielen Patienten mit ME/CFS wird eine Fehlfunktion des autonomen Nervensystems gefunden – ähnlich wie sie auch jetzt für lange COVID-19-Verläufe beschrieben wurden. Hier steht vor allem die Kreislaufregulation im Vordergrund. Denn viele Betroffene beschreiben wiederholten Schwindel und eine Neigung zum Kollaps. Längeres Stehen ist oft kaum oder gar nicht möglich.“

Erfahren Sie mehr über das chronische Erschöpfungssyndrom!

Was tun bei Corona Langzeitfolgen?

Die Universitätskliniken in Deutschland haben sich zu einem Netzwerk zusammengeschlossen, um sich zu Ursachen und Therapiemöglichkeiten auszutauschen.

Für allgemeine Behandlung nach eienr Corona-Erkrankung gibt es mittlerweile Post-Covid-Ambulanzen. Hier gibt es auch Behandlungsangebote für Patienten mit Corona-Spätfolgen. Auch die Therme Wien MED bietet ein Rehabilitationsprogramm an. Bei der ambulanten Rehabilitation kommen Patienten zwei- bis dreimal die Woche und verbringen mehrere Stunden mit einem Trainingsprogramm, das auf die individuelle Situation eingeht.

Mehr Informationen zum Rehabilitationsprogramm in der Therme Wien MED!

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