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Die Entstehung der Wiener Ringstrasse

Prachtbauten wie die Staatsoper, das Burgtheater oder das Parlamentsgebäude liegen an der Wiener Ringstraße. Lesen Sie hier die Entstehung dieses Prachboulevards in Wien.

Entstehung der Wiener Ringstrasse

Kaiser Franz Joseph I. ordnete mit Handschreiben vom 20. Dezember 1857 ("Es ist mein Wille . . .") an, die das Stadtzentrum umschließenden Befestigungsanlagen niederzureißen, den Stadtgraben zu planieren, das Glacis zu verbauen, eine Verbindung der Inneren Stadt mit den 1850 eingemeindeten Vorstädten herzustellen und auf diese Weise die Stadt Wien zu verschönen.

Schleifen der Stadtmauern und der Basteien

Bereits 1858 wurde am Donaukanal mit der Demolierung der Basteien begonnen. Am 31. Januar 1858 wurde ein internationaler Wettbewerb ausgeschrieben, an dem sich 85 Architekten und Stadtplaner beteiligten. Eine aus Architekten, Beamten und Offizieren zusammengesetzte Jury prüfte bis 3I. Dezember 1858 die eingelangten Entwürfe, wählte aus ihnen drei - von Ludwig Förster, Eduard van der Nüll und August Sicard v. Sicardsburg sowie Friedrich Stache - zur Prämierung aus, ließ jedoch, da keiner dieser Grundpläne in allen Einzelheiten den Vorstellungen entsprach, aus diesen durch ein Gremium von Fachleuten einen modifizierten Plan erstellen. Dieser "endgültige Entwurf" (der im Laufe der Jahre dennoch Veränderungen erfuhr, und zwar vor allem durch die Auflassung des Exerzier- und Paradeplatzes am Josefstädter Glacis, die Demolierung der Franz-Joseph-Kaserne und die daraus resultierende Freigabe des Stubenringviertels zur Verbauung sowie durch mehrfachen Standortwechsel einiger öffentlicher Gebäude) erhielt am 1. September 1859 die kaiserliche Genehmigung. Zur Ausführung der Planung wurde eine Stadterweiterungskommission eingesetzt.

Architekten, Malern und Bildhauern die allesamt – gemeinsam und einzeln - den unverwechselbaren Stil ihrer Zeit schufen, den "Ringstraßenstil". 2015 feierte Wien 150 Jahre nach der Fertigstellung der „schönsten Straße des Jahrhunderts“. Im Zuge dessen wurden mit Ausstellungen zur Ringstraße und Diskussiosrunden auch die Anlage selbst kritisch hinterfragt und stellte Adolf Loos‘ „Plan von Wien“ zur Diskussionsgrundlage. Loos regte 1912/13 eine radikale Revision der Ringstraße an, um die bauliche Trennung zwischen heutiger Innenstadt und den umliegenden Bezirken wieder aufzuheben und so auch den Reichtum aus dem Zentrum heraus in die damalige Peripherie zu verlagern.

Ringstraßen-Ära

Mit dem Bau des ersten repräsentativen öffentlichen Gebäudes, der Hofoper, begann jene "Ringstraßenära", die seither mythischen Glanz gewonnen hat und architektonisch mit den Perioden des klassischen und späten Historismus sowie ökonomisch mit dem Begriff der Gründerzeit ident ist. Lediglich am Stubenring, der erst am Beginn des 20. Jahrhunderts verbaut werden konnte, und bei Einzelobjekten begegnen wir auch sezessionistischen Bauten; infolge der Zerstörungen während des 2. Weltkriegs entstanden verschiedentlich moderne Gebäude. Durch ein glückliches Zusammentreffen optimaler Bedingungen auf allen Sektoren von Kunst und Städtebau sind in der Ringstraßenzone, in der sich der Bauwille des Hofes und des Großbürgertum manifestiert, eindrucksvolle Zeugnisse eigenständigen Bauschaffens entstanden. Der hohe künstlerische und bautechnische Rang der Gebäude ist heute unbestritten, die Wiener Ringstraße als "Gesamtkunstwerk" findet städtebaulich im Europa der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts keine vergleichbare Parallele.

Die Straße ist rund 4 km lang, 57 m breit und von Alleen gesäumt. Sie wurde am 1. Mai 1865 feierlich eröffnet, jedoch erst unmittelbar vor dem I. Weltkrieg vollendet. Die beiden Endpunkte der Ringstraße sind entlang des Donaukanals durch den Franz-Josefs-Kai verbunden.

Die Ringstraße stand damals einerseits für den Aufbruch in die Moderne, aber zugleich auch für die Interessenskonflikte zwischen Kaiserhof, Staat, Militärverwaltung, Kommune, Aristokratie und Bürgertum.

Flaniermeile des Bürgertums

Nachdem das Glacis, das Exerzierfeld der Armee, zur Bebauung frei gegeben wurde und die Stadtmauern niedergerissen waren, wurde die Ringstraße vor allem zur Flaniermeile des neuen Adels, dem Bürgertum, das die nächsten Jahrzehnte beherrschen sollte. Die „Via Triumphalis" der Donaumonarchie wurde durch ihre Architektur in den damals bevorzugten historischen Stilformen sicherlich zur „schönsten Hauptstraße des 19. Jahrhunderts“, sie steht aber auch für die - heute scheinbar überwundenen - Gegensätze zwischen Reich und Arm. 

Text und Bilder: Gerhard Frey

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