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Hofreitschule

Die Hohe Schule der Reitkunst

Die hohe Schule der Reitkunst, wie sie fachmännisch bezeichnet wird, hat eine sehr lange Tradition, die gerade in Wien seit jeher hoch gehalten wurde und wird. Speziell auch am österreichischen kaiserlichen Hofe wusste man diese Art des Reitsports gebührend zu würdigen, was wohl mitunter der Grundstein für die bis heute anhaltende Pflege der hohen Reitkunst in der Hofreitschule gewesen sein dürfte. Was diese Kunst nun genau ausmacht, wie sie sich historisch entwickelt hat und wie einzelne Figuren genau aussehen, ist hier nachzulesen.

Zwei Bereiter reiten mit ihren Lipizzanern ein Pas de Deux.
© Herbert Graf/Wien Tourismus | Pas de deux

Geschichte

Europaweit fand die hohe Schule der Reitkunst bereits im anfänglichen 16. Jahrhundert wieder Einzug in die kaiserlichen Höfe. Der edle Reitsport galt also als Usus und war in dem Sinne auch keine Besonderheit. Anders jedoch als in den übrigen Höfen, behielt man in Wien die erarbeiteten Reitlehren für sich. Es gab hier lediglich den Kaiser und den Oberstallmeister, denen die Ehre der Repräsentation der Reitkunst zu Teil wurde. Es waren somit keine zwischengeschalteten Oberbereiter oder Stallmeister, also Männer des Fachs, zugelassen. Alles, was an Lehre niedergeschrieben wurde, diente auch ausschließlich der Lehre und fand einzig zur Ausbildung der Reitschüler Verwendung. Dies diente dazu, dass sich kein Fachmann ins Rampenlicht drängen konnte. Heute ist das freilich nicht mehr so, die Figuren sind fest verankert und werden zum Glück immer weitergegeben.

Figuren aus der Hohen Schule der Reitkunst

Unter dem Begriff "Hohe Schule der Reitkunst" versteht man die Fähigkeit des Pferdes, unter Führung seines Reiters, die schwierigsten mit der natürlichen Gehmechanik des Pferdes im Einklang stehenden Übungen im vollkommenen Gleichgewicht durchzuführen. Sie finden ihren Ausdruck in anscheinend spielerischer Leichtigkeit und in der Harmonie der Bewegung.

Hier seien einige der bekannten Figuren aus der Spanischen Hofreitschule kurz angeführt:

Die Pirouette

Bei ihr springt der galoppierende Hengst in höchster Verkürzung um seine Hinterbeine. Figuren, die heute die Besucher der Spanischen Reitschule in Verzückung versetzen, aber auch, die ursprünglich bewusst als martialische List am Kriegsfeld eingesetzt wurden. Die Leidtragenden dabei: Die Fußtruppen gegnerischer Armeen bekamen die Folgen zu spüren, wenn sich der Reiter mit diesem Rundumschlagen des Pferdes wieder freie Fläche zum Kämpfen schuf.

Die Kapriole

Bei der Kapriole springt das Pferd mit allen Vieren in die Luft und schlägt dabei leicht nach hinten aus. Die Angreifer, die sich dem Pferd von hinten näherten, werden dadurch niederstreckt.

Der Galoppwechsel

Hierbei handelt es sich um den Wechsel vom Rechts- zum Linksgalopp oder vom Links- zum Rechtsgalopp. Dies gibt es als einfachen sowie als fliegenden Galoppwechsel. Bei ersterem wird das Pferd wieder zum Schritt durchpariert, um es dann wieder in den Galopp zu bringen. Der fliegende Wechsel ist beinahe selbsterklärend, er wird im Galopp durchgeführt, ohne das Pferd langsamer werden zu lassen.

Die Passage

Diese Figur sieht ein wenig nach einem tanzenden Pferd aus. Dabei handelt es sich um einen verlangsamten Trab, bei dem die Stütz- bzw. Hangbeinphase länger vollzogen wird. Die Figur zeichnet sich unter anderem durch die stark gekürzte Schwebephase, also jener Zeitraum, innerhalb dessen alle vier Hufe des Pferdes in der Luft sind. Durch die längere Hangbeinphase wird allerdings der Anschein einer längeren Schwebephase erweckt. In der spanischen Hofreitschule wird diese Figur als der Spanische Tritt bezeichnet.

Die Piaffe

Ähnlich wie bei der Passage vollzieht das Pferd auch bei der Piaffe einen verlangsamten Trab. Allerdings bleibt es bei hier fast an Ort und Stelle oder bewegt sich minimal innerhalb des Raumes. Dieses Verhalten zeigen Pferde auch, wenn sie sehr unruhig werden oder erregt sind.

Die Levade

Eine weitere, sehr eindrucksvolle Figur in der Hofreitschule ist die Levade. Dabei verlagert das Pferd sein Gewicht auf die Hinterbeine während der Oberkörper auf eine Höhe von weniger als 45° über dem Boden angehoben wird und die Vorderbeine angezogen werden.

Die Pesade

Die Pesade unterscheidet sich von der Levade einzig durch den höheren Grad des Winkels, um den der Oberkörper des Pferdes vom Boden entfernt ist. Dies Levade und die Pesade galten bis ins 18. Jahrhundert als die gleiche Figur, wurden dann aber eben aufgrund der unterschiedlichen Gradmessungen differenziert.

Die Courbette

Eine recht amüsant anmutende Figur ist die Courbette, die vermutlich jeder schon einmal im Fernsehen betrachtet hat. Es handelt sich dabei, fachmännisch betrachtet, um eine erhobene Phase. Das Pferd galoppiert dabei während es die vorderen Hufe anhebt und mit den Hinterbeinen nachhüpft. Dabei bewegt es sich, ähnlich wie bei der Piaffe fast nur am Fleck.

Die Croupade

Diese Figur ähnelt der Kapriole sehr stark. Dabei springt das Pferd ebenfalls in die Luft, schlägt aber deutlich stärker mit den Hinterbeinen aus.

Die Ballotade

Bei der Ballotade wird gesprungen und der Anschein eines kurzen Verweilens in der Luft erweckt. Die Hinterbeine bleiben dabei senkrecht und die Vorderbeine werden stark angezogen, wobei das Pferd ein Stück vorwärts springt.

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es ist echt schwer die zu reiten

, 18.12.2010 um 15:59
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