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Lokale mit "gepflegtem" Gansl und die G'schicht dahinter

Traditionell findet jedes Jahr im November die Martinigans in vielen Restaurants und Gasthäusern ihren Platz auf den Tellern der Gäste. Hier finden Sie unsere ganz persönlichen Lokalempfehlungen, genauso wie Antworten auf die Fragen: Woher kommt die Martinigans? Welche Geschichte verbirgt sich hinter dem heutigen Martinigansl-Essen? Und welche weiteren Bräuche rund um den St. Martinstag haben lange Tradition und worin liegt ihr Ursprung? Erfahren Sie hier alles, was Sie schon immer über die Martinigans und die Bräuche rund um den St. Martinstag wissen wollten.

Weiße Gänse aus Plastik
© Jetti Kuhlemann/pixelio.de | Von Oktober bis November ist die Zeit der Martinigans!

Die Geschichte der Martinigans

Am 11. November wird alljährlich der St. Martinstag als Festtag des Heiligen Martin von Tours, der in Mitteleuropa von zahlreichen Bräuchen geprägt ist, gefeiert; nach altem Brauch finden in dieser Zeit das Martinigansl-Essen, der Martinsumzug und das Martinssingen statt. Das heutige Martinsfest hat sich aus alter Tradition entwickelt, die in einzelnen Gegenden erst um 1800 vom St. Martinstag verdrängt wurde.

Am Martinstag selbst wird nach altem Brauch nicht gearbeitet, da er ein sogenannter Bauernfeiertag ist. In vielen Dörfern ist der Heilige St. Martin Kirchenpatron; zu seinen Ehren wird alljährlich ein großes Fest – der "Kirtag" oder "Kirchtag" – gefeiert.

Restaurant-Empfehlung für's Gansl-Essen in Wien

Martinigansl werden Sie Anfang November in vielen Restaurants und Gasthäuser in der ganzen Stadt finden. Wir stellen Ihnen hier die Favorites der Redaktion vor, ausgewählt zuallererst nach der Qualität und traditionellen Zubereitung der Gansl-Menüs und in weiterer Folge nach der Urigkeit der Location.

Ein Gänse-Braten gehört nicht unbedingt zu den leichten Gerichten. Eine Gans enthält viel Fett und ist dadurch auch sehr geschmacksintensiv. Als Getränke-Begleitung zum Gansl passen am besten kräftige bis mittelkräftige Rotweine wie Carbernet Sauvignon oder Zweigelt. Weißweine wie auch Bier sind geschmacklich nicht empfehlenswert. Rotweine helfen der Verdauung auch dabei, Omega 3 Fettsäuren und die Proteine im Fleisch besser aufzuspalten.

Lassen Sie sich's schmecken!
Vielleicht möchten Sie diese Tradition wieder einmal dazu nutzten, einen feinen Abend in geselliger Runde mit Freunden und Familie zu verbringen.

Gasthaus zur Gruabn

Adresse: 1030 Wien, Untere Viaduktgasse 41

Öffnungszeiten: Mo - Fr 9 - 24 Uhr, Warme Küche von 11 - 22 Uhr

Kontakt: +43 1 712 63 59

Web: www.gruabn-beisl.at 

Ob am Vormittag auf ein kleines Frühstück, zu Mittag auf ein schmackhaftes Menü, am Nachmittag auf ein gepflegtes Krügerl oder am Abend auf ein richtiges "Gansl-Essen" - beim Gruabn-Beisl-Team sind Sie immer bestens aufgehoben. Zur Ganslsaison bietet das Gasthaus Ganslsuppe mit Bröselknöderl und Martinigansl mit Apfelrotkraut und Erdäpfelknödel. (Telefonische Vorbestellung erwünscht).

Gasthaus "Die 4"

Adresse: Pezzlgasse 68, 1170 Wien

Öffnungszeiten: Mo - Fr 10 - 22 Uhr, Sa 17 - 22 Uhr, So 11 - 15 Uhr

Kontakt: 01 92 39 706

Web: www.die-4.at

Ein Geheimtipp! Unscheinbar gelegen unweit vom Elterleinplatz, wird hier Österreichische Küche immer frisch und mit dem gewissen "Hmmm" gekocht. Man merkt, das Koch Christian das richtige Händchen für die feine Würzung hat, Kenner werden schmecken, worum es geht. Das Gansl-Menü, von der Suppe bis zum Dessert einfach Klasse! Die Portion (¼) Gans servieren sie mit Erdäpfelknödel, Orangen-Rotkraut und glacierten Maroni. (Telefonische Vorbestellung!).

Gastwirtschaft Schilling

Adresse: Burggasse 103, 1070 Wien

Öffnungszeiten: Täglich 11 - 0 Uhr durchgehend warme Küche

Kontakt: 01 524 17 75

Web: www.schilling-wirt.at

Holzgetäfelte Wände, einfache Stühle und Tische und eine alte "Schank" - zeitlos im Sein und Schein der 50er Jahre, als wäre nie etwas dazwischen passiert, so zeigt sich das Gasthaus Schilling im 7ten. Das Gansl kommt natürlich mit Rotkraut und Knödel. Neben dem Ganslessen gibt es natürlich auch traditionelle Wiener Gerichte, sowie edle Weine aus Österreich.

Rudis Beisl

Adresse: Wiedner Hauptstraße 88, 1050 Wien

Öffnungszeiten: Mo - Fr 11 - 15 Uhr und 18 - 23 Uhr

Kontakt:  01 544 51 02

Web: www.rudisbeisl.at

Rudis Beisl wird vorwiegend von Stammgästen besucht, die die regionalen Spezialitäten und saisonalen Schwerpunkte - wie z.B. Schwammerl-, Wild- oder Spargelwochen sowie zur Aschermittwochszeit die Fisch- und im November die Martinigans-Wochen, genießen. Rudis Beisl ist immer einen Besuch wert!

Sie wollen sich selbst an die Gans wagen? Na dann rann, hier finden Sie ein feines Rezept für gefüllte Gans.

Was hat der Hl. Martin mit der Martinigans zu tun?

Wenn man es genau nimmt, hat die Martinigans nicht viel bzw. gar nichts mit dem Heiligen Martin zu tun. Einige Legenden ranken sich um die Geschichte vom Heiligen Martin und die Gänse. Eine davon ist, dass er zum Bischof von Tours hätte geweiht werden sollen. Weil er sich der verantwortungsvollen Aufgabe nicht gewachsen sah, versteckte er sich in einem Gänsestall. Das gefiel den Gänsen nicht und sie fingen verräterisch laut zu schnattern an - Martin wurde letztendlich doch Bischof von Tours und für seine wohltätigen Handlungen (Mantelteilung usw.) heilig gesprochen. Mehr zum Heiligen Martin von Tours.

Eine weitere Geschichte wird und wurde sich erzählt, dass eine schnatternde Gänseschar eine Predigt von Bischof Martin störte, woraufhin diese geschlachtet wurden.

Legenden sind schöne Geschichten, viel glaubhafter erscheinen da eher folgende Erklärungen:

Die Martinigans als heidnischer Brauch

Die Kelten, die vor den Germanen und Römern weite Teile des damaligen Europas besiedelten, hielten sich Gänse als Haus- und Kulttiere. Die wachsamen und als wetterfühlig bekannten Gänse dienten den Kelten das ganze Jahr über als "Wachhunde". Im Herbst schlachteten die Kelten, bis auf ein Zuchtpaar, die gesamte Herde. Dies geschah aus rituellen Gründen immer an dem Tag, an dem das Sternbild der Plejaden an das nächtliche Firmament zurückkehrte, dem 11. November. Der St. Martinstag war demnach eine Art heidnisches Erntedankfest

Wie Bauern das Martinigansl-Essen erfanden   

Der volkstümliche Brauch des Martinigansl bzw. Martinigansl-Essens, rührt daher, dass vielerorts der St. Martinstag Hauptzinstag der Bauern war: Am St. Martinstag begann das neue Wirtschaftsjahr der Bauern; an das Gesinde wurden die Löhne bezahlt, Pachtverträge wurden geschlossen, Steuern abgeführt und Knechte sowie Mägde konnten – wenn sie denn wollten – den Dienstherrn wechseln. Am St. Martinstag – zu Martini – wurde das Vieh (vorzugsweise Gänse) geschlachtet, da es aus Kostengründen nicht den ganzen Winter hindurch gefüttert werden konnte. Aus diesem Martinigansl-Schlachten ergab sich der Brauch, am St. Martinstag, vor der langen Fastenzeit im Advent, Gänsebraten bzw. Martinigansl zu essen.

Die Gans war auch eine bevorzugte Zinsbeigabe an den Grundherrn, d.h. gewisse Tribute waren oft in Form von Gänsen bezahlbar.

Woher kommen die Bräuche rund um den St. Martinstag? 

1. Der Martinsumzug

In vielen Regionen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz haben Umzüge zum St. Martinstag – bekannt unter der Bezeichnung Martinsumzug – lange Tradition.

Beim Martinsumzug ziehen Kinder zum Gedenken mit Laternen durch die Straßen der Dörfer und Städte, begleitet von einem auf einem Schimmel sitzenden und als römischer Soldat verkleideten Reiter, der in einen roten Mantel gewandet den Heiligen Martin darstellt. Gelegentlich wird auch die Schenkung des Mantels an den Bettler nachgestellt. Bei dem Umzug werden traditionelle Martinslieder gesungen. Die Laternen für den Umzug werden oft vorher im Unterricht der Volksschulen und in Kindergärten gebastelt. Zum Abschluss gibt es häufig ein großes Martinsfeuer. Vielerorts erhalten die Kinder einen Weckmann (Striezel) aus Germteig mit Rosinen.

2. Das Martinssingen

Das Martinssingen ist ein christlicher Brauch, der auch zu den Feierlichkeiten des Martinstags gehört. Es handelt sich dabei um einen sogenannten "Gabenheischenden Ansingebrauch". Die Heischegänge und die Heischelieder haben auf dem Land ihren Ursprung in den Hirtensprüchen und der Überreichung der Martinigerten. In den Städten sammelten die Kinder dagegen Brennmaterialien für das Martinsfeuer und freuten sich über die zusätzlich überreichten Schleckereien.

3. Das Martinsfeuer

Das Feuer wird als Symbol verstanden: Es bringt Licht in das Dunkle, wie die gute Tat Martins das Erbarmen Gottes in die Dunkelheit der Gottesferne brachte. Der Ursprung des Martinsfeuers wird in den Riten der germanischen Wintersonnwendfeier und des germanischen Erntedankfestes vermutet: Ein Freudenfeuer, wie es auch zu anderen Anlässen angezündet wurde, ist zugleich aber auch ein reinigendes Feuer, in dem das vergangene Jahr verbrannt wird: Der Sommer wird verbrannt! Das „Sommerverbrennen“ soll daran erinnern.

4. Bauernregeln

Als erster Tag der Winterzeit galt der Martinstag als wichtiger Wetterlostag. Bauernregeln wie die folgenden waren daher damals jedermann bekannt:

  • Wenn an Martini Nebel sind, wird der Winter meist gelind.
  • Ist Martini klar und rein, bricht der Winter recht bald herein.
  • Hat Martini einen weißen Bart, wird der Winter lang und hart.
  • Wenn die Martinsgänse auf dem Eise geh'n,muss das Christkind im Schmutze steh'n.
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Martin soll sich der Legende nach, als er zum Bischof geweiht werden sollte, aus Bescheidenheit in einem Gänsestall versteckt haben. Doch die Gänse verrieten ihn durch ihr Geschnatter. Seitdem gilt er als Schutzpatron der Gänse. Schlachten lassen wollte er sie nicht.

, 06.11.2016 um 21:31
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