1. Stadt Wien
  2. Kunst & Kultur
  3. Museum
  4. Belvedere
Mehr Kunst & Kultur
Artikel teilen
Kommentieren
Jürgen Weber
Belvedere Text: Jürgen Weber

Klimt/Schiele/Kokoschka und die Frauen

22.10. 2015 - 26.02. 2016: Dem beliebten Thema "Die Frauen und die Künstler" ist nun eine hochkarätige Ausstellung im Wiener Belvedere gewidmet. Die sowohl chronologisch als auch thematisch gegliederte Ausstellung zeigt Bilder zu den Themen: das Porträt, das (Liebes-)Paar, die Mutter und das Kind und den Akt.

Egon Schiele, Sitzende Frau in violetten Strümpfen, 1917 Gouache und schwarze Kreide auf Papier 29,6 x 44,2 cm
© Privatsammlung, Courtesy Richard Nagy Ltd., London | Klimt, Schiele, Kokoschka und die Frauen zeigt neue Bilder und Einsichten

Klimt/Schiele/Kokoschka und die Frauen

Wann: 22.10. 2015-26.02. 2016
Wo: Schloss Belvedere
Prinz Eugen-Straße 27
1030 Wien

Madonna oder Hure: Frau im Bild

Eines der beliebtesten Sujets in der christlich-abendländischen Malerei ist sicherlich das Thema "Mutter mit dem Kind", das natürlich vorerst vor allem religiös interpretiert wurde, nämlich als Madonna mit dem Jesuskinde. Zur Jahrhundertwende, also zu Lebezeiten Klimts, Schieles und Kokoschkas, bemühten sich die Künstler aber auch um eine Darstellung der Frau, die sie auch als Menschen mit Seele zeigten und nicht nur als Gebärmaschinen.

Frau um 1900: Schamlos selbstbewußt

Vielleicht zeigten ihre Bilder von Müttern diese deswegen vorzugsweise nackt, weil auch den Frauen eine eigene Sexualität gegeben werden sollte, die nicht von jener des Mannes abhängig war. Die Emanzipationsbewegung der vergangenen Jahrhunderte hatte eine Neuinterpretation der sexuellen Lust der Frau längst auf die Tagesordnung gestellt, als die Künstler der Jahrhundertwende damit begannen, Frauen schamlos selbstbewußt abzubilden. Der Skandal um Klimts Fakultätsbilder, deren Freizügigkeit der Universität nicht standesgemäß genug war, ist nur ein Höhepunkt von vielen kulturellen Auseinandersetzungen jender Zeit, die oft geradezu in Kulturkämpfe ausarteten und am wenigsten jene zu Wort kommen ließen, um die es eigentlich ging: die Frauen.

Zu sehen sind u.a. folgende Bilder:

  • Gustav Klimt: Goldfisch (An meine Kritiker)
  • Gustav Klimt: Eugenia
  • Egon Schiele: Mutter mit zwei Kindern
  • Egon Schiele: Kardinal und Nonne
  • Egon Schiele: Sitzende Frau in violetten Strümpfen
  • Oskar Kokoschka: Martha Hirsch
  • Oskar Kokoschka: Die Sklavin
  • Oskar Kokoschka: Liebespaar mit Katze

Maler und Modell

Zwischen Madonna und promiskuitiver Hure war damals eben nicht viel Platz für ein modernes Frauenbild. Am Beginn des letzten Jahrhunderts zeigte sich nämlich auch die Angst des Mannes vor der weiblichen Sexualität und so wurde diese Angst zur Femme fatale stilisiert, die vor allem bei Klimt zu wiederkehrenden Themen seiner Malerei gehört. Klimts Akte sind tatsächlich von verführerischer Schönheit, und auch seine erotischen Zeichnungen lassen keine Zweifel an seinen sexuellen Vorlieben als Künstler und Mann. Bekannt ist in diesem Zusammenhang wahrscheinlich auch sein um 1900 entstandenes Bild "Goldfisch (An meine Kritiker)", das vor allem den Körperteil von Frauen in den Vordergrund rückt, der normalerweise verborgen bleibt. Heute würde man es als geschickten Marketing-Schachzug abtun, aber damals war das mehr als nur Kalkül.

Ausstellung zu Akt, Pietà, Paar und Porträt

Die Aktdarstellungen Schieles oder Kokoschkas sind sehr viel schroffer und Kantiger als jene Klimts. Aber dennoch bleiben einladende weibliche Kurven, markante Bildausschnitte und ungleichmäßige Farbigkeit zum Grundrezept der vielen einfallsreichen Kompositionen der beiden Maler. Sie generieren manchmal durchaus eine Aura des Unbehagens, denn anders als beim klassischen Akt, scheinen diese Frauen zu wissen, dass sie betrachtet werden. Ob sie es genießen oder sich davon unangenehm berührt zeigen, mag im Auge des heutigen Betrachters vielleicht anders erscheinen, als es damals empfunden wurde.

>> Mehr aktuelle Ausstellungen

Video
Beteiligen Sie sich am Beitrag, wir freuen uns:
Kommentar hinzufügen
CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz
Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
weitere Meinungen
Keine Kommentare
  1. Stadt Wien
  2. Kunst & Kultur