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Kunst & Kultur Text: Selina Lukas

Falcos 20. Todestag: Mythen, Verschwörungen und nackte Tatsachen

Letztes Jahr feierten wir seinen 60. Geburtstag, 2018 gedenken wir seinem 20. Todestag - Falco alias Hans Hölzel, Exzentriker, Poplegende, Wiener. Ein Rückblick.

Falco
© Curt Themessl | Niemals vergessen - die Wiener Poplegende Falco, alias (Johann) Hans Hölzel

Falco - Poplegende und Mythos

Am 6. Februar 2018 jährt sich der Todestag von Falco, alias Hans Hölzel, zum zwanzigsten Mal. Ging er zu früh oder musste er erst sterben, um ewig zu leben? War es ein Unfall oder doch Selbstmord? Brachte in die Liebe ins Grab oder doch das Drama rund um seine Tochter? Um diese Fragen ranken sich viele Mythen und Verschwörungstheorien.

Was sie wären ohne Peinlichkeit, Pleiten und Exzess

wären durchschnittlich verstorben

dass zuletzt ich nicht vergess'

Hebt ihn hoch und hängt ihn höher

und vergesst das Wort banal

es bleibt das letzte Wort der Story nicht umsonst eurem Skandal

Coverfoto Privacy Falco

Falco Hans Hölzel
© Curt Themessl - Laut seinem Freund Curt Themessl war dieses Foto eines seiner Lieblingsbilder von sich.

Falcos tragischer Autounfall

Falco verbrachte seine letzten beiden Lebensjahre in der Dominikanischen Republik. Dorthin hatte er sich zurückgezogen, weil ihm die Winter in Österreich zu ungemütlich waren und Abstand brauchte. In seiner Villa lebte und feierte er nach Lust und Laune, aber die Depressionen, die ihn schon in seiner Heimat begleiteten wurde er auch dort nicht los. Am 6. Februar 1998 gegen 16:40 Uhr Ortszeit befand er sich in seinem Mitsubishi Pajero am Parkplatz der Tourist Disco. Mit diesem fuhr Falco mit Vollgas auf die Landstraße und wurde frontal von einem Reisebus erfasst, der mit 100 km/h unterwegs war. 

Er war sofort tot. Eine Blutuntersuchung ergab 1,5 Promille sowie Spuren von Kokain und THC. Wenige Minuten vor seinem Tod hatte Falco noch mit seinem besten Freund Hans Reinisch telefoniert. Dieser war auf dem Weg zu ihm, kam jedoch zu spät, um den Unfall zu verhindern.

"Ich habe ein paar Visionen, um die ich die Angst habe, dass sie sobald man anfängt sie zu verwirklichen zu einem stinknormalen Rest zusammenschrumpfen."

Falcos Leiche wurde nach Österreich überführt und am Wiener Zentralfriedhof begraben. Am Begräbnis nahmen 4000 Fans teil. 

Video - Falcos Beerdigung - Doku Part 1 von "TheFalconNeverDies"

Unfall oder Selbstmord – Plante Falco seinen Tod?

Eine Theorie, die sich hartnäckig hält, ist, dass Falcos Tod kein Unfall war. Nicht zuletzt durch das wenige Wochen nach seinem Tod veröffentlichte Lied „Out of the Dark“ wurden diese Gerüchte zusätzlich befeuert. Vor allem die Textzeilen „Muss ich denn sterben, um zu leben?“ und „Kein Weg zurück – das weiße Licht rückt näher.“ lassen auf einen Todeswunsch schließen. Zusätzlich sieht man im Video einen Zug, der auf ein Hindernis zusteuert, was als möglicher Hinweis auf den Unfall gedeutet wurde. Die Theorie von „Out of the Dark“ als Inspiration oder Ankündigung eines Selbstmordes von Hans Hölzel verliert allerdings an Substanz, wenn man bedenkt, dass das Lied schon Jahre zuvor entstanden ist. 

"Leid klagt um Lust, ich klag um Leid.

Dort wo Leid ist, ist Lust nicht weit."

Nachvollziehbar wäre eine Selbstmord Falcos dennoch in gewisser Weise. Aufgrund mangelnden Erfolgs und negativer Kritik zu neuen Projekten schlitterte er immer weiter in Depressionen, die er mittels Alkohol, Tabletten und Drogen zu bekämpfen versuchte. Sein Albtraum nie mehr an den Erfolg von „Rock me Amadeus“ anschließen zu können bewahrheitete sich und auch im Privatleben gab es immer wieder Rückschläge. Die Scheidung von seiner Frau Isabella Vitkovic und in folge dessen der negative Vaterschaftstest bei seiner Tochter Katharina Bianca setzten im schwer zu.

Graffito Lush Sux Falco/Mozart - Falco Stiege Wien
© Bwag/Wikimedia | In Anlehnung an Falcos Hit Rock me Amadeus verewigte der australische Künstler Lush Sux den Popstar im Mozart-Style bei der Falcostiege im 5. Bezirk

Termine zum Falco-Gedenkjahr

Zu diesem Anlass findet am 2. Februar 2018 um 15 Uhr ein Requiem im Stephansdom statt. Um 11 h findet außerdem eine Kranzniederlegung beim Grab am Wiener Zentralfriedhof statt.

Die Wiener Stadthalle zeigt außerdem an zwei Terminen (25. Februar/13. Mai) "FALCO - Musical".

Falco und Selina: Liebe bis in den Tod?

Zum 60. Geburtstag von Falco kam 2017 eine neue Theorie zu seinem Tod in die Medien. Eine Geschichte wie die von Romeo und Julia, ein Liebesdrama, ohne Happy End. Wenige Tage nach seinem Umzug in die Dominikanische Republik lernte Hans Hölzel die junge Dominikanerin Selina kennen.

"Frauen werden Dich verachten

wenn du trägst Sie auf Händen

Werden mitleidvoll schmachten

wenn du suchst Sie zu blenden

Sie werden dich verführen

trinkst du erst von ihrer Schale

Doch ALLE WERDEN SIE DICH LIEBEN

WENN DU JODELST IM TALE"

Sie war die Tochter des Bürgermeisters vom Nachbarort und Falco soll sich unsterblich in die dominikanische Schönheit verliebt haben. Gerüchten zufolge habe Falco für Selina den Drogen und dem Alkohol abgeschworen. Seine wilde Vergangenheit war für ihren Vater dennoch Grund genug gegen diese Beziehung zu sein. Kurz vor seinem Tod soll sich Selina auf Drängen ihres Vaters von Falco getrennt haben, woraufhin er einen Rückfall erlitt. Mit gebrochenem Herz feierte und konsumierte er angeblich drei Tage lang exzessiv Alkohol und Drogen, setzte sich anschließend ans Steuer und raste in den Reisebus.

Auch dieser Mythos weist bei genauerer Betrachtung Lücken auf. Zunächst war Selinas Vater zum Zeitpunkt ihrer Beziehung längst tot und konnte somit nicht gegen die Beziehung sein. Eine zweijährige Abstinenz von Drogen und Alkohol gab es nie, viel mehr wurde in seiner Villa exzessiv wie eh und je gefeiert. Dies dürfte schlussendlich auch der Grund dafür gewesen sein, dass Selina sich von ihm distanzierte. 

"Ich weiß, dass die Frau, die mich erträgt noch nicht geboren ist, aber ich bitte dich: Komm zur Welt!"

Schon zuvor war Falco in der Dominikanischen Republik oft unter Drogen- oder Alkoholeinfluss mit dem Auto gefahren und hatte dabei kleinere Unfälle. Die Frage stellt sich, ob es am 6. Februar 1998 genauso war und der Falke einfach Pech hatte oder ob er in einer Kurzschlussreaktion bewusst „out of the dark and into the light“ fuhr.

Der Absturz: Falcos vermeintliche Tochter

Abgesehen vom ständigen Erfolgsdruck und seiner Angst vor Verlust und Zurückweisung, gab es ein Ereignis, dass Falco tiefer traf, als alles andere. Im Herbst 1993 wurde mittels eines Vaterschaftstests festgestellt, dass Katharina Bianca nicht seine Tochter ist. Damit war für ihn der Traum einer funktionierenden Familie, die ihm Halt geben sollte, endgültig gestorben.

Alles begann im Jahr 1985, als er in Graz Isabella Vitkovic kennenlernte. Die beiden verliebten sich sofort ineinander, obwohl Isabella noch verheiratet war.

"Frauen werden Dich betrachten als Objekt des Verlangens"

Am 13. März 1986 kam Katharina Bianca zur Welt und wurde zu Falcos großer Liebe. Er vergötterte das kleine Mädchen. Der Falke wünschte sich ein ruhigeres Leben, Halt, Geborgenheit – doch der häusliche Hans Hölzel passte nicht zum Weltstar Falco.

Alkohol, Drogen und Tabletten sollten Linderung verschaffen, machten ihn aber nur noch unausgeglichener. Isabella und er konnten nicht miteinander leben, aber auch nicht ohne einander. Zahlreiche Male zog sie mit ihrer Tochter aus, nur um wenig später zurückzukommen. Hans Hölzel wollte die Familienidylle aber nicht aufgeben. Er kaufte ein Haus am Land, in Gars am Kamp in Niederösterreich. Am 17. Juni 1988 heiratete das Paar heimlich in Los Angeles. Alle Bemühungen nützten jedoch nichts. Die Scheidung folgte 1989.

Im Herbst 1993 unterzog sich Falco einem Vaterschaftstest für Katharina Bianca. Seine Befürchtung wurde bestätigt, er war nicht der Vater und eine Welt brach für ihn zusammen. In seinem Leben als Künstler war nichts echt und nun stellte sich auch noch heraus, dass es in seinem Privatleben genauso war. War das der Anfang vom Ende?

"Keiner liebt dich - warum ich?

Keiner find't dich toll - ich soll?

Keiner liebt dich - warum ich?

Keiner liebt dich

jeder sich!"

Übersicht: Falcos wichtigste Stationen

  • geboren 19.02.1957
  • aufgewachsen im 5. Bezirk (Margareten)
  • 1. Band: Umspannwerk
  • 3 Semester an Wiener Jazz-Konservatorium
  • späte 70er Jahre ~ 1 Jahr Berlin (David Bowie Vorbild)
  • 1978 „Drahdiwaberl“ erstmals Sänger, nicht nur Bass
  • 1980 erstes Lied auf Bühne „Ganz Wien“
  • 1981 mit Markus Spiegel „Der Kommissar“ Nr. 1. in Österreich/Europa
  • 1982 Album Einzelhaft
  • Horst Bock (Manager) kennengelernt
  • 1984 Album Junge Römer (nicht so erfolgreich, mittlerweile Kult)
  • Depressionen
  • Wechsel zu Produzenten Rob und Ferdi Bolland
  • Mai 1985 Single Auskoppelung „Rock me Amadeus”
  • Herbst 1985 Tournee Österreich/Deutschland/Schweiz 
  • März 1986 „Rock me Amadeus“ für drei Wochen Platz 1 der US Billboard-Charts
  • 1986 Welttournee
  • 1992 Album Nachtflug
  • 1993 Tournee
  • 27.06.1993 letzter großer Live-Auftritt beim Donauinselfest (~100.000 Fans)
  • Frühjahr 1996 Umzug in die Dominikanische Republik
  • gestorben 06.02.1998

© Originalzitate von Falco: Hölzel, Maria (Hrsg.) (1998): Privacy Falco. Verlag Edition Falco. Schiller Wien. 

ISBN 3-9500897-0-5

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Schade um den Hansi, die Guten sterben immer zu früh.

, 31.01.2018 um 13:18
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