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Jürgen Weber
Sehenswürdigkeiten Text: Jürgen Weber

Wiener Zentralfriedhof

Der Wiener Zentralfriedhof ist beinahe größer als die Wiener Innenstadt und wurde einst außerhalb der Tore der Stadt gegründet, um den Lebenden mehr Platz und Luft zu lassen. Heute klopfen längst die Siedlungen der Stadt an seine hohen Mauern, denn Wien wächst wie keine andere Stadt vor allem in die Breite. Vom Stadtzentrum kommend, passiert man das 1. Tor (Zugang zur alten Israelitischen Abteilung, einem mit üppigem Grün durchsetzten Gräberfeld mit vielen architektonisch interessanten Denkmälern und in anderen Abteilungen sind Gräber von Österreichs Berühmtheiten und Ehrengräber zu bewundern. Entlang der Friedhofsmauer zum Hauptportal (2. Tor) steht die 1905 von Max Hegele im Jugendstil errichtete Dr Karl Lueger Kirche, die die Gräber des Wiener Zentralfriedhofes weit überragt.

Grabsteine in einer Reihe mit Blumen geschmückt und roten Grablichtern
© Österreich Werbung/ Nehring | Zentralfriedhof

Größer als die Altstadt, bewohnter als die ganze Stadt

„Wien ist ein Aphrodisiakum für Nekrophile“, meinte einst das österreichische enfant terrible  der Künstler Andrè Heller und wohl fühlen sich Nekrophile wahrscheinlich nirgends so gut wie am Wiener Zentralfriedhof. Der Friedhof, der in seiner Ausdehnung etwas größer als die Wiener Innenstadt ist, also 2,4 km2, hat mit aller Wahrscheinlichkeit mehr Bewohner als die Stadt Wien. Wien zählt heute (2013) 1.741.246 Millionen Einwohner, während am Zentralfriedhof schon mehr als zwei Millionen Menschen ihre ewige Ruhestätte gefunden haben. Darunter gibt es natürlich auch einige lokale und internationale Berühmtheiten, nicht erst seit Falcos – dem einzigen österreichischen  Rockstar von internationalem Format - legendären Abgang im Jahre 1998.

Adresse Zentralfriedhof: 1110 Wien Simmeringer Hauptstrasse

Spaziergang in die Geschichte

Der 1874 eröffnete städtische Friedhof sollte damals noch weit außerhalb des Stadtgebietes liegen, aber heute wird er vom Wohnbezirk Simmering bereits umschlossen und der Wohnraum wird auch für seine Insassen immer enger.  Der Zentralfriedhof besitzt Abteilungen für alle Konfessionen, ein Krematorium und eine weithin sichtbare (secessionistische) Gedächtniskirche, die nach dem ehemaligen Bürgermeister Karl Lueger benannt wurde.

Der jüdische Friedhof am Zentralfriedhof

Eine der größeren Abteilungen bildet der alte jüdische Friedhof, der besonders aufgrund seiner Verwahrlosung geradezu romantisch anmutet, wenn man nicht die dazugehörige traurige Geschichte kennen würde. Denn die Juden wurden während des Dritten Reiches auch aus Österreich umgebracht oder deportiert und es gibt deswegen keine Angehörigen mehr, die sich um diese Gräber auf dem alten jüdischen Friedhof  in Wien Simmering kümmern könnten.

Berühmte Gräber (Ehrengräber)

Reiche und Arme, Berühmte und Verwahrloste

Neben der Bundespräsidentengruft für die verstorbenen österreichischen Bundespräsidenten werden am Wiener Zentralfriedhof auch viele andere Ehrengräber gepflegt. Irgendwo in einem Massengrab (eigentlich am Friedhof St. Marx) wurden auch die sterblichen Überreste des größten Genies der Wiener Stadt, Wolfgang Amadeus Mozart, verscharrt. Heute erinnert am Zentralfriedhof eine Gedenktafel an Wiens berühmtesten Sohn und natürlich der Welthit „Rock me, Amadeus“ von Falco, dessen sterbliche Überreste in unmittelbarer Nachbarschaft am Zentralfriedhof liegen. Weiters kann man am Wiener Zentralfriedhof folgende Ehrengräber genannter Berufsgruppen finden:

  • Franz Schubert, Ludwig van Beethoven (Musiker)
  • Karl Renner, Otto Bauer und Victor Adler (Politiker)
  • Friedrich Torberg, Arthur Schnitzler (Schriftsteller)
  • Viktor Frankl, Erwin Ringel (Psychologen)
  • Hans Moser, Helmut Qualtinger (Schauspieler)
  • Margarete Schütte-Lihotzky, Alois Negrelli, Adolf Loos (ArchitektInnen)
  • u.v.a.m.
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Es lebe der Zentralfriedhof

„Es lebe der Zentralfriedhof,/die Szene wirkt makaber,/ de Pfarrer tanz'n mit de Hurn /und Judn mit Araber. /Heut san alle wieder lustig, /heut lebt alles auf. /Im Mausoleum spielt a Band /die hat an Wahnsinns-Hammer drauf. Es lebe der Zentralfriedhof, mit allen seinen Toten …“ (©Wolfgang Ambros/Liedtext "Es lebe der Zentralfriedhof")

Diese Lyrics sang einst der Wiener Liedermacher und im benachbarten Concordia Schlössl kann man seine Musik vielleicht noch leise aus einer Jukebox dröhnen hören. Für einen Besuch des Zentralfriedhofes sollte man sich jedenfalls eine Menge Zeit nehmen, denn es gibt viele interessante Themen-Führungen, die durch seine Gelände führen. Ein genauer Plan des Zentralfriedhofes und seiner Ehrengräber und ein Audio-Picture-Guide sind beim Tor 2 erhältlich. Die Leihgebühr Audio-Picture-Guide beträgt € 7,- (gültiger Lichtbildausweis muss hinterlegt werden).

Fiaker-Führungen

Eine neue Besonderheit sind auch die Fiakerführungen durch den Zentralfriedhof: Was dem Venezianer seine Gondel, ist dem Wiener sein Fiaker, eine Kutsche mit Zweigespann. Seit dem Frühjahr 2012 sind ähnlich wie in Schönbrunn oder der Wiener Innenstadt auch am Wiener Zentralfriedhof Fiakerfahrten möglich. Der Standplatz der Fiaker beim Tor 2 ist in der Saison täglich von 10 Uhr bis 17 Uhr besetzt. Auf der Tour werden zahlreiche Ehrengräber prominenter Wiener Persönlichkeiten (Mozart, Schubert, Beethoven, Hans Moser, Falco, Adolf Loos u.v.a.) besucht und es werden dem Besucher auch die Naturschönheiten des Friedhofs nähergebracht.

Preise für Fiaker-Rundfahrt

Die kleine Rundfahrt (30 Min.) kostet € 40,- die große (60 Min.) €  70,- pro Kutsche (für 4 Personen). Gefahren wird von Anfang April bis Ende Oktober. Reservierungen von Montag bis Mittwoch möglich unter Tel. +43-(0)699-181 540 22, Weitere Infos erteilt der Fiakerbetreiber Wulf.

Führungen zu Fuß

Die offizielle Friedhöfe Wien GmbH bietet in den Monaten April, Mai, Juni, September und Oktober jeweils Donnerstags Führungen am Wiener Zentralfriedhof an. Besucht werden dabei die Ehrengräber, die Sondergrabstätten oder die Friedhofskirche, die mit interessanten Einblicken in den Friedhofsalltag und berührende Anekdoten rund um die Themen Leben und Tod das Programm  ergänzen. Inmitten eines Areals, wo sich historische Denkmäler und unterschiedliche Landschaftsbereiche treffen und es sich gut durchatmen lässt. 

Die Führungen finden jeden Donnerstag im April, Mai, Juni, September und Oktober statt. 

Beginn:14 Uhr
Dauer:ca. zwei Stunden
Sprache:deutsch

Individuelle Termine für Führungen ab 10 Personen
 
Voranmeldung erforderlich Per E-Mail unter zentralfriedhof@friedhoefewien.at, telefonisch +43 (0)1 534 69 28405 oder persönlich im Infopoint des Wiener Zentralfriedhofs (Tor 2).
 
Preise pro Person inkl. 20 % USt.
 
Kinder unter 14 Jahren und Schulgruppen 
Begleitperson gratis € 4,- 
Ab 15 Personen eine Person gratis

Erwachsene € 10,-  Ab 10 Personen eine Person gratis

Ermäßigte Kosten für behinderte Menschen,
Studenten und Präsenzdiener € 4,-

Themen der Führungen

  • Die Geschichte des Wiener Zentralfriedhofs. Die Planung, Entwicklung und Erweiterung der bedeutendsten Begräbnisstätte Wiens
  • Der Friedhof als Parklandschaft und Naturgarten. Unsere Friedhöfe – mehr als nur Begräbnisstätte – Orte mit einer einzigartigen Fauna und Flora
  • Der Waldfriedhof und besondere Urnengräber
  • Die Gedenkstätte der Gruppe 40. Zum Gedenken an die Opfer des nationalsozialistischen Unrechtsregimes
  • Die berühmtesten Ehrengräber. Auf den Spuren des Lebens der kulturellen und politischen Gesellschaft
  • Die Friedhofskirche „Zum Heiligen Karl Borromäus“. Ein Jugendstiljuwel von Max Hegele
  • Die Bundespräsidentengruft. Die Begräbnisstätte der „ersten Männer“ Österreichs

Weitere Informationen über die Führungen erhalten Sie telefonisch unter: +43 (0)1 534 69 28405, per Mail: zentralfriedhof@friedhoefewien.at oder persönlich im Infopoint des Wiener Zentralfriedhofs beim Tor 2.

Weblinks:

Überblick aller Friedhöfe in Wien mit Verstorbenensuch nach Datum oder Person

Grabbestellung


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