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Fritz Lindengrün
Psyche Text: Fritz Lindengrün

Wenn Kinder nicht mehr lachen – Depressionen bei Kindern und Jugendlichen

Etwa 5% aller Volksschulkinder leiden an Depressionen. Bei Jugendlichen sind es bis zu 11%. Eine Depression bei Kindern wird seltener entdeckt als andere psychische Leiden wie etwa ADHS. Kinder mit Depressionen sind aufgrund Ihrer Symptome eher unauffällig, verhalten sich ruhig – sind "brav". Selbst wenn Eltern eine psychische Störung bei ihrem Kind vermuten, wollen viele diese Diagnose lange nicht wahrhaben. Dabei sind Depressionen in den meisten Fällen heilbar, auch wenn die Therapie oft langwierig ist. In diesem Artikel finden Sie die wichtigsten Informationen zu Ursachen, Symptomen und Behandlung von Depressionen bei Kindern und Jugendlichen.

Kopf eines depressiven Kinds in Grau mit gelbem Blatt vor dem Mund
© Thinkstock Kollektion |

Die Symptome einer Depression bei Kindern und Jugendlichen

Depressionen treten in zeitlich abgrenzbaren Episoden auf, die eine Woche bis mehrere Jahre andauern können. Die Symptome einer depressiven Episode bei Kindern unterscheiden sich je nach Lebensalter.

Säuglinge und Kleinkinder

  • Weinen
  • Schlaf- und Essstörungen
  • Apathie

Volksschulalter

  • Psychosomatische Leiden (Schmerzen, die nicht auf körperliche Ursachen zurückzuführen sind)
  • Stimmungsschwankungen (Reizbarkeit)
  • gesteigertes intro- oder extrovertiertes Verhalten
  • zwanghafte Rituale
  • Entschlusslosigkeit
  • Schlaf- und Essstörungen
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • übertriebene Schuldgefühle
  • dramatische Zeichnungen
  • Fantasieverlust
  • Todesvorstellungen und -wünsche

Jugendliche und Teenager

  • Antriebslosigkeit
  • Konzentrationsstörungen
  • Interessenverlust
  • "innere Leere"
  • Schlaf- und Essstörungen
  • psychosomatische Leiden
  • sozialer Rückzug
  • selbstgefährdendes und -zerstörerisches Verhalten (Selbstverletzungen, Drogenmissbrauch uvm.)
  • Selbstmordgedanken

Die Ursachen einer Depression

Die Gründe für eine Depression können sehr vielfältig sein und wirken oft gemeinsam in die Schwere einer depressiven Episode ein. Die Ursachen einer depressiven Erkrankung können wie im Folgenden klassifiziert werden:

Biologische Faktoren

  • genetische Veranlagung
  • organisches Fehlverhalten (z.B. Produktionsstörung von Hormon-Drüsen, wie sie etwa durch Cortison-Therapie verursacht wird)
  • Suchterkrankungen oder andauernde medikamentöse Therapie (die den Hormonhaushalt stören)

Psychologische Faktoren

  • Mobbing
  • (sexueller) Missbrauch oder Misshandlungen

Hinzu kommen einige ebenfalls psychologische bzw. soziale Risikofaktoren, die eine Veranlagung zur Depression verstärken oder erst zum Tragen bringen, wie etwa:

  • Verlust einer einem nahestehenden Person durch Trennung oder Tod
  • Existenzgefährdung (Arbeitslosigkeit, schwere Erkrankung, Wechsel von Wohnort oder Arbeitsplatz)
  • familiäre oder berufliche Probleme (Partnerschaftskonflikte, Überlastung, Nichterreichen von gesteckten Zielen oder auch Erreichen von Zielen, die plötzlich nicht mehr erstrebenswert erscheinen)
  • ethnisch-moralische Belastungen (z.B. Abtreibung, kriminelle Handlungen oder Unfall mit Verletzten oder Toten)

Behandlungsmöglichkeiten und Therapie bei Depression

Während einer depressiven Episode fällt es den Betroffenen oft schwer, sich aufzuraffen und Hilfe zu suchen. Auch Angehörige wollen das Kind oftmals nicht zusätzlich durch eine Therapie und das einhergehende Stigmata einer psychischen Erkrankung belasten.

Dabei bietet die medizinische Versorgung in Österreich äußerst effektive Möglichkeiten, den Erkrankten zu helfen. Ein optimaler Behandlungsplan beruht auf mehreren Therapiesäulen, die allerdings nicht alle oder gleichzeitig zum Einsatz kommen müssen:

  1. Psychotherapie (Verhaltenstherapie etwa ist äußert erfolgreich bei der Behandlung von leichteren Depressionen)
  2. Sozialtherapeutische Unterstützung (erklärend, unterstützend und umorientierend wird mit dem Betroffenen auf ursächliche Belastungen eingegangen)
  3. Physiotherapie (Massagen, Bewegungstherapie, Autogenes Training, Atmungs- und Entspannungsübungen unterstützen die Behandlung von Depressionen)
  4. Spezielle antidepressive Behandlungsverfahren (z.B. Schlafentzug, Lichttherapie und Elektrokrampftherapie – Vorsicht: nur von einem Arzt durchzuführen!)
  5. Medikamentöse Behandlung: Es gibt eine Vielzahl pharmazeutischer Produkte, die einer depressiven Episode entgegenwirken. Speziell bei Kindern sollten aber vorher alternative Behandlungsmöglichkeiten ausprobiert werden.

Tipps für Eltern zum Umgang mit Depressionen bei Kindern und Jugendlichen 

Leidet ein Kind an Depressionen, ist es noch mehr auf Unterstützung angewiesen als Erwachsene. Haben Sie keine Scheu, Ihren Hausarzt oder eine psychologische Hilfestelle um Unterstützung zu bitten.  

Der Landesschulrat Niederösterreich empfiehlt folgendes Verhalten zum Umgang mit Depressionen bei Kindern und Jugendlichen:

  1. Sprechen Sie mit Ihrem Kind offen über seine Gefühle
  2. Ermutigen Sie Ihr Kind zu positiven Unternehmungen mit Freunden und halten Sie andere Freizeitaktivitäten aufrecht.           
  3. Lassen Sie Ihr Kind nicht mit seinen Problemen alleine, begleiten Sie es. Geben Sie ihm Tipps, wie es mit belastenden Ereignissen zu Recht kommen kann und spenden Sie Zuspruch, Anerkennung und Ermutigung
  4. Entscheidungen können in der depressiven Phase keine getroffen werden. Erst nach Abklingen der Depression ist es wieder möglich, Entscheidungen zu treffen.
  5. Helfen Sie Ihrem Kind, negative Gedanken durch positive zu ersetzen! Fördern Sie bei Ihrem Kind eine realistische Einschätzung seiner eigenen Fähigkeiten
  6. Stellen Sie zu Hause fixe Regeln auf und achten Sie auf eine angemessene Erziehung. Das vermittelt Ihrem Kind das Gefühl, dass sein Zuhause sicher und berechenbar ist. 
  7. Über die Suizidgefährdung soll mit Depressiven offen gesprochen werden. Es ist jedoch zu bedenken, dass Suizidgefährdete ihre Absicht oft verschleiern und zu verheimlichen versuchen, da sie befürchten, sonst an der Durchführung behindert zu werden. Schwer suizidgefährdete Personen sollten deshalb in einem Spital behandelt werden. 
  8. Antidepressiva führen nicht zu Medikamentenabhängigkeit! Es ist für das Kind wichtig, dass die Angehörigen es darin bestärken, die Medikamente regelmäßig und nach Anweisung des Arztes zu nehmen und nicht eigenmächtig abzusetzen. Depressionen klingen wieder ab, wenn sie fachmännisch behandelt werden! 

Tipps für betroffene Jugendliche – Was tun, wenn alles sinnlos scheint 

  1. Versuche, deine negativen Gedanken nicht so ernst zu nehmen. Mach dir klar, dass diese Gedanken nur existieren, weil du diese Erkrankung hast!
  2. Bleibe aktiv – beschäftige dich – auch wenn es dir schwer fällt – mit positiven Dingen und versuche, unter Menschen zu gehen. Triff dich mit Freunden, betreibe Sport oder widme dich anderen Hobbys. Dies setzt eine "positive Spirale" in Gang, die dein Wohlbefinden hebt!
  3. Halte Kontakt zu deinen Freunden und deiner Familie, diese sind eine wichtige Stütze und Quelle positiver Erlebnisse für dich! 
  4. Lerne, die Anzeichen eines depressiven Anfalls zu erkennen. Dabei können dir PsychologInnen (z.B. SchulpsychologInnen), Ärzte (z.B. Schul- oder Hausarzt) oder eine Krisenberatungsstelle (z.B. Kriseninterventionszentrum, psychosozialer Dienst) helfen. 
  5. Habe Geduld mit dir! Eine Depression kann unter Umständen mehrere Jahre (selten) dauern. Eine Behandlung unter ärztlicher Aufsicht ist dabei dringend zu empfehlen. 
  6. Finde eine Tagesstruktur für dich und versuche, sie einzuhalten.
  7. Arbeite daran, auch wenn es mühevoll erscheint, deine Stimmung zu verbessern. Führe z.B. ein Glückstagebuch (notiere jeden Abend, welche Ereignisse der letzten 24 Stunden schön waren und lies häufig darin) oder höre "Gute-Laune-Musik".   

Das wichtigste ist: Lass dir helfen! Auch wenn du denkst, dass niemand versteht, was du fühlst, gibt es zumindest Psychiater und Psychologen, die wissen, was zu tun ist. Eine Therapie macht dich nicht zu einem anderen Menschen, aber sie kann dir helfen, ein glücklicheres Leben zu führen. Jeder wird mal krank und psychischer Schmerz ist keine Schande. Tatsächlich leidet fast jeder fünfte Österreicher im Laufe seines Lebens an einer Depression. Eine Heilung ist für dich nicht nur möglich, sondern sogar sehr wahrscheinlich.

Eltern sind angehalten, die Symptome einer Depression ernstzunehmen und ihr Kind beim Heilungsprozess zu unterstützen. Die Familie ist der wichtigste Rückhalt in jedem Krankheitsfall, psychische Erkrankungen bilden da keine Ausnahme.

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Guten Tag!
Leider bekommen Kinder- Jugendliche, die betroffen sind, in Wien KEINE Behandlung keine Hilfe, keine medizinische Betreuung, sie werden abgeschoben auf Stationen die rein für Erwachsene gedacht sind. So geschehen erst kürzlich wieder bei einem knapp 16- jährigen Mädchen mit psychischen Probelemen/ Depressionen. Ich möchte daher eindringlich auf diesen argen Missstand in unserem Gesundheitssystem hinweisen, der seit Jahren nicht unbekannt ist. Ich erinnere hiermit an die Problematik der Unterversorgung was die stationären psychiatrischen Plätze für Kinder- und Jugendlichen in Wien betrifft, auch dass es aufgrund der viel zu wenigen Betreuungsplätze/Betten und zuwenig Ärzte am Kinder-und Jugendpsychiatriesektor keine Alternativen gibt.

An dieser untragbaren medizinischen, mangelhaften Situation in Österreich,-speziell in Wien- ändert sich nur leider nichts, im Gegenteil. Und dieser Missstand hat auch schon nachweislich einige Opfer/Todesfälle von Kindern/ Jugendlichen gefordert, die ihr junges Leben lassen mussten, weil ihnen keine altersgerechte medizinische Behandlung zuteil geworden ist aufgrund der zu geringen Bettenkapazität und chronischem Ärztemangel.

Auch dieses, gerade mal 16 Jahre alt gewordene Wiener Mädchen ist diesem Missstand zum Opfer gefallen. Sie ist tot! Und sie hinterlässt wieder einmal mehr schwer traumatisierte und trauernde Familienangehörige, Freunde, Schulkameraden und Lehrer etc,. die nun selbst zum Teil psychologisch betreut werden müssen, was wiederum unser Gesundheitssystem belastet. Ein Teufelskreis!

Dieses Kind war psychisch erkrankt, ist ob Mobbing im Internet und im schulischen und Umfeld depressiv geworden und dazu über ein Jahr lang auf der Kinder- und Jugendpsychiatrie AKH in Behandlung gewesen, war dort auch sehr gut betreut und vollends zufrieden, jedoch wurde sie dort leider in akuten Krisensituationen mehrmals !!!! abgewiesen und stattdessen jedes Mal auf eine Erwachsenpsychiatrie gebracht mit der Begründung, dass kein Bett frei sei, auf keiner der vorhandenen Kinderpsychiatriestationen in Wien, also weder AKH noch Rosenhügel. Dies sind ja die einzigen Spitäler in Wien, die überhaupt Kinder- und Jugendliche mit psychischen/psychiatrischen Problemen nehmen!

Zwei Spitäler für eine Millionenstadt! Dass diese 2 Spitäler unter chronischer Überbelegung leiden, nicht genug Betreuungsplätze abdecken, weil der Bedarf weit höher ist, liegt auf der Hand! Angebot und Nachfrage korreliert hier eindeutig!

Das ist ein Skandal! Und auch schon seit Jahren bekannt! Wann wird hier endlich was unternommen? Wieviele Kinder- und Jugendliche müssen noch sterben, bis endlich was passiert?

Es gab ganz aktuell zu dieser Unterversorgungs- Problematik bereits zum 2. Mal (das erste Mal im November 2015 in der ZIB 2/ORF, initiiert durch den Patientenanwalt der betreffenden Erwachsenenpsychiatrie) einen Fernsehbericht, diesmal von der Mutter des verstorbenen Kindes, der ORF- Link dazu :

http://tvthek.orf.at/program/heute-mittag/4660089/heute-mittag/11630652


nachzuschauen auf ORF: http://tvthek.orf.at/program/heute-mittag/4660089/heute-mittag/11630652

lg
Frau Schauer.

, 18.01.2016 um 13:16
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