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Psyche Text: Fritz Lindengrün

Verhaltenstherapie - Methoden und Anwendungsgebiete

Die Verhaltenstherapie arbeitet mit Methoden, deren Wirksamkeit naturwissenschaftlich geprüft ist. Sie wurzelt in der Tradition des Behaviorismus und steht im Gegensatz zur Tiefenpsychologie. Hier erhalten Sie einen Einblick in die Konzepte, Methoden und Anwendungsgebiete.

Stressbälle in den Farben lila, rot und blau die unterschiedliche Emotionen zeigen
© Dollarphotoclub/ klickerminth | Verhaltenstherapie als Gegensatz zur Tiefenpsychologie

Behaviorismus und Abgrenzung zur Tiefenpsychologie:

Im Gegensatz zur Tiefenpsychologie konzentriert sich die Verhaltenstherapie wenig auf die inneren Vorgänge des Bewusstseins, beziehungsweise des Unbewussten. Nach gängiger Meinung der Vertreter der Verhaltenstherapie könnten diese ohnehin wissenschaftlich nicht erfasst werden. Damit folgt die Verhaltenstherapie dem Konzept des Behaviorismus, der menschliches Verhalten mit den Methoden der Naturwissenschaften beobachtet. Dabei wird von einem Reiz-Reaktionsschema ausgegangen. Bestimmte Reize lösen bestimmte Verhaltensweisen aus. Folgen auf diese Verhaltensweise negative Reize, sinkt die Häufigkeit dieses Verhaltens. Folgen positive Reize, steigt sie. Dieser Vorgang wird Konditionierung genannt. Hierdurch soll das Verhalten von Menschen angepasst werden.

Kritik der Tiefenpsychologie an der Verhaltenstherapie besteht darin, dass durch diese Konditionierung lediglich die Äußerungen tieferliegender psychischer Erkrankungen kurzfristig behandelt werden. In vielen Fällen würden sich die Symptome lediglich verschieben, so dass sich bald neue bemerkbar machen.

Lesen Sie mehr ->  Tiefenpsychologie: Psychoanalyse von Sigmund Freud bis heute 

Methoden der Therapie

Einer Verhaltenstherapie geht eine Verhaltensanalyse voraus. Hier wird mit unterschiedlichen Methoden versucht, die problematischen Verhaltensweisen und deren Auslöser zu erkennen. Anhand der Verhaltensanalyse werden dann die weiteren Verfahren gestaltet.

Die angewendeten Methoden umfassen Konfrontationstherapie, euthyme, sowie operante und kognitive Verfahren.

Konfrontationstherapie

Konfrontationsverfahren werden vor allem bei Angststörungen eingesetzt. Es geht darum, sich seinen Phobien zu stellen, dabei wird der Patient vom Therapeuten begleitet. Der gewünschte Effekt ist die Erkenntnis, dass die empfundene Angst unbegründet ist. Es gibt verschiedene Arten von Konfrontationsverfahren. Zum Beispiel:

  • die systematische Desensibilisierung: Hier wird schrittweise auf die Angst zugegangen.
  • das Flooding: eine direkte starke Konfrontation
  • die Screen-Technik: Hier wird Bildmaterial eingesetzt.
  • Implosion: eine Konfrontation mit der Angst in der Vorstellung

Euthyme Therapie

Euthyme Therapie wird auch Genusstraining genannt. Begleitend zu anderen Verfahren findet sie vor allem Anwendung bei Depressionen, Suchterkrankungen und psychosomatischen Störungen. Durch das Erlernen bestimmter Regeln sollen Patienten Genuss bewusst erleben. Dies soll die positiven Empfindungen verstärken und zur psychischen Stabilität beitragen.

Operante Verfahren

Bei den operanten Verfahren werden bestimmte Handlungsweisen mit dem Patienten durchgespielt. Bei einem akzeptablen Verhalten wird der Patient belohnt, andernfalls "bestraft". Je nachdem, ob die Therapie darauf abzielt die Häufigkeit bestimmter Verhaltensweisen zu erhöhen oder zu senken, werden Straf- oder Belohnungssysteme angewendet. Hier wurden verschiedene Herangehensweisen entwickelt:

  • Biofeedback: Innere biologische Vorgänge werden durch Messgeräte visuell und akustisch dargestellt. Das soll helfen, sie zu regulieren.
  • Kontingenzverträge: Das Zielverhalten und Belohnungen werden schriftlich festgelegt.
  • Token-System: Für gezeigtes Zielverhalten erhält der Patient Punkte, die er gegen eine Belohnung eintauschen kann.
  • Response-Cost: Bei Fehlverhalten wird eine Belohnung (positiver Reiz) entzogen.

Kognitive Verhaltenstherapie

In der sogenannten kognitiven Verhaltenstherapie kommen auch o.g. zum Einsatz. Ziel ist es, Auffassungen des Patienten umzustrukturieren und ihn Situationen und Reize anders (rationaler) bewerten zu lassen. Zu ihren Methoden gehören:

  • Sammeln und Aufzeichnen „automatischer“ Gedanken
  • Zweispaltentechnik: Zu den automatischen Gedanken werden Gegenargumente erarbeitet.
  • Realitätstesten: Gedanken, Bewertungen, Annahmen werden auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft.
  • Reattribuierungstechnik: Anstelle von totaler Selbstverantwortlichkeit des Patienten werden andere Ursachen für Missstände hinzugezogen.
  • Entkatastrophisieren: Überprüfen, ob es sich bei Befürchtungen tatsächlich um Katastrophe handelt (Was wäre, wenn...?).

Anwendungsgebiete der Verhaltenstherapie

Ungeachtet der Kritik durch Vertreter der Tiefenpsychologie hat sich die Verhaltenstherapie bei folgenden Krankheitsbildern als effektiv erwiesen:

  • Abhängigkeiten von psychotropen Substanzen (z.B. Alkoholismus, Drogensucht...)
  • Abgeschwächte psychotische Erkrankungen (z.B.: Schizophrenie) und wahnhafte Störungen
  • Affektive Störungen (z.B. Depression)
  • Angststörungen (z.B. Agoraphobie, Soziale Phobie, Panikstörung, Zwangsstörung) Belastungsstörungen (z.B. Posttraumatische Belastungsstörung)
  • Essstörungen (z.B. Anorexie, Bulimie)
  • Persönlichkeitsstörungen (z.B. Borderline-Syndrom )
  • psychosomatische Erkrankungen (z.B. Spannungskopfschmerz, Bluthochdruck)
  • Störungen von Wahrnehmung und Gedächtnis

Wie bei allen psychotherapeutischen Behandlungen ist auch die Verhaltenstherapie auf den guten Willen des Patienten angewiesen. Manche ihrer Techniken werden durchaus von Patienten abgelehnt, weil diese sie als lächerlich empfinden. Die Verhaltenstherapie eignet sich weniger um tiefgreifenden psychischen Problemen und deren Ursachen auf den Grund zu gehen. Sie soll dem Patienten ermöglichen, wieder zu „funktionieren“ um ein „normales“ Leben führen zu können.

Weblinks:

Mehr Informationen zur Verhaltenstherapie und eine Datenbank von Therapeuten finden Sie auf der Webseite der Österreichischen Gesellschaft für Verhaltenstherapie.

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Verhaltenstherapie in Wien

http://www.marlieshuttarsch.at/

, 08.05.2016 um 22:05
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