1. Stadt Wien
  2. Gesundheit
Mehr Gesundheit
Artikel teilen
Kommentieren
Gesundheit

Die Pille: Anwendung, Einnahme, Nebenwirkungen

Obwohl sie vor nicht einmal hundert Jahren von einem Österreicher erfunden wurde und damit etwa um vieles jünger als das Kondom ist, ist sie das beliebteste Verhütungsmittel der ÖsterreicherInnen: die Pille. Aber wie sicher ist die Pille? Wie wird sie angewendet? Und ab wann wirkt die Pille? stadt-wien.at hat für Sie alle Informationen rund um die Pille zusammengetragen: Lesen Sie hier alles rund um die Themen Anwendung, Einnahme und Nebenwirkungen der Pille: Wie sie auf die Haut wirkt, welchen Einfluss sie auf Ihr Körpergewicht hat – Die Pille im Überblick.

Die Pille
© Mario Heinemann/pixelio.de |

Wie und ab wann wirkt die Pille?

In den letzten 40 Jahren ist es gelungen, die Hormonkonzentration der Pille immer mehr zu reduzieren und neue Gestagenkomponenten zu entwickeln. Dies soll aber nicht zu einer kritiklosen Verordnung und Anwendung verleiten. Die Pille ist ein hochwirksames pharmakologisches Produkt, dass sehr wohl als Medikament und nicht als Lifestyle Präparat einzustufen ist. Dementsprechend muß auch über Nebenwirkungen und Interaktionen mit der Anwenderin gesprochen werden.

Kostenlose Beratung in Wien

Bei einer Pillen-Neueinstellung ist in erster Linie eine genaueste Anamnese zu erheben, sodass man daraus resultierend, ein „passendes“ Präparate verordnen kann. Grundsätzlich sollte mit einem möglichst niedrigen Gesamtsteroidanteil begonnen werden. Das Postulat „so niedrig wie möglich“ gilt nicht nur für die Hormonersatztherapie, sondern auch für die orale Kontrazeption.

Es wurde in den letzten Jahren nicht nur an der Dosisreduzierung gearbeitet, sonderen auch die Applikationsmöglichkeiten wurden deutlich erweitert. So kam das hormonhältige Implantat, der Intravaginalring und zuletzt das Kontrazeptionspflaster auf den Markt. Das bedeutet, dass man die zukünftige Anwenderin auch über diese Möglichkeiten informieren muss, denn der Applikationsmodus ist ein wichtiges Kriterium für eine zuverlässige Anwendung. Zumeist ist es so, dass die jungen Mädchen und Frauen schon sehr gut über die unterschiedlichen Möglichkeiten der hormonellen Kontrazeption Bescheid wissen, sodass es schließlich die Aufgabe des verschreibenden Arztes/der Ärztin ist, den medizinischen „Hintergrund“ gemeinsam mit der Patientin zu prüfen, um eine optimale Verträglichkeit  möglichst sicher zu stellen .

Anwendung und Einnahme der Pille

Zu Beginn der Pillenanwendung sind es vor allem Zwischenblutungen und Zyklusinstabilitäten, die die Anwenderinnen verunsichern. Dies ist aber meist ein kurzens, sich rasch wieder von selbst lösendes Problem, meist ohne dass eine ärztliche Intervention notwendig ist. Manchmal, wenn auch nach 3 bis 4 Monaten die Zwischenblutungen nicht aufgehört haben, ist eine Modifizierung der Pillenverordnung notwendig. Prinzipiell kann man bei Blutungsstörungen, die unter dem einen Präparat auftreten auf ein anderes Pillenpräparat wechseln. Damit gelingt es, in vielen Fällen Blutungsunregelmäßigkeiten zu beenden. Die Verkürzung der Pillenpause, aber auch das Verwenden höher dosierter Präparate ist ein weiterer Schritt im Management von Zyklusstörungen unter der Pille.

Bei Endometriosepatientinnen, die den Wunsch zur  Pilleneinnahme artikulieren, wird man auf eine Östrogen-arme und gleichzeitig Gestagen-betonte Pille, oder sogar reine Gestagen- Verhütung umsteigen. Damit können die meist bei Endometriose vorliegenden Schmerzen gut beseitigt werden.

Bei Frauen, die unter der Pille eine trockene Scheide oder trockene Augen  entwickeln (Stichwort:Kontaktlinsenunverträglichkeit unter der Pille), wird man eher eine Östrogen-dominierte Pillen wählen.

Aber auch für Kopfschmerz und Migräne in der Pillenpause, für Libidoverlust und Celluliteentwicklung unter der Pille sowie bei übermäßiger Behaarung stehen besonders vorteilhafte Präparate zur Verfügung.

Mit der Kenntnis der differenzierten Verordnung hormoneller Kontrazeptiva wird auf dem Gebiet der Empfängnisverhütung auch das möglich, was man in der Hormonersatztherapie bereits seit Jahren erfolgreich praktiziert: Nämlich die individuelle, der entsprechenden Frau angepaßte Pillenverschreibung. Man erreicht nebst der effektiven Verhütung auch  therapeutische Effekte. 

Nebenwirkungen 

Die Pille und Thrombose

In den letzten Jahren sind einzelne Thrombosefälle, die unter der Pille aufgetreten sind, so intensiv in den Medien diskutiert worden, daß der Eindruck entstanden ist, daß jede Frau, die die Pille nimmt, Thrombose-gefährdet wäre. Tatsächlich findet man eine derartige Thromboseinzidenz, wie sie zuletzt den Präparaten der 3. Gestagengeneration angelastet wird, bei jedem neuen hormonellen Präparat, das auf den Markt kommt. Auch die Pillen der zweiten Gestagengeneration wiesen die gleiche Thromboseinzidenz auf, wie zuletzt die Pillen der 3. Generation. Dies unterstreicht, daß es nicht die Pillenbestandteile sind, die für die Thrombose verantwortlich gemacht werden können, sondern die Art und Weise der Pillenverschreibung und die interindividuelle Verträglichkeit. Frauen mit Risikofaktoren, vor allem aber Raucherinnen, dürfen nur mit größter Zurückhaltung und exakter Information orale Kontrazeptiva verordnet bekommen. Sollte nach genauerstem Überlegen, doch die Entscheidung für ein orales Kontrazeptivum fallen, ist ein  „Gestage-only“ Präparat vorzuziehen.

Die Erhebung der Anamnese ist auch bei der Fragestellung nach dem individuellen Thromboserisiko sehr hilfreich: Berichtet die betroffene Frau, daß sie bereits in jungen Jahren an einer Thrombose litt, daß ein Elternteil vor dem 30. Lebensjahr ebenfalls eine Thrombose hatte, so kann dies als sicherer Hinweis dafür gelten, daß die Frau Thrombose-gefährdet ist und auf eine andere Art der Empfängnisverhütung umsteigen muß.

Die aPC-Resistenz-Bestimmung ist eine zusätzliche Information, die dem Arzt nebst der Anamnese eine Entscheidungshilfe sein kann, ob er die Pille verschreiben soll oder nicht. Liegt ein pathologischer aPC-Resistenz  Wert vor, dh. ist die Ratio kleiner als 2,35 so sollte einerseits eine weitere hämatologische Abklärung erfolgen (Verdacht auf Mutation des Gerinnungsfaktors V Leiden), und andererseits sollte auf eine Pillenverschreibung verzichtet werden.

Es muß noch einmal unterstrichen werden, daß es nicht die Pille ist, die  Probleme, Nebenwirkungen und Interaktionen verursacht, sondern die unsachgemäße und  sorglose Verschreibung sowie Verabreichung! Auch die Kombination der Pille mit den Risikofaktoren Rauchen, Alkohol und Übergewicht stellt eine sehr kritische Konstelllation dar, und gefährdet letzendlich die Gesundheit der Anwenderin.

Die Pille und depressive Verstimmungen

Müdigkeit, Reizbarkeit, Depression und Nervosität werden gehäuft bei Pilleneinnehmerinnen beobachtet. Die Beeinflussung von Neurotransmittoren durch Steroide gilt als gesichert, und es scheint einen engen Konnex zum GABA Rezeptor zu geben. Da Progesteron am GABA Rezeptor andocken und die Wirkung der Gamma-Aminobuttersäure modulieren kann, kommt dem Progesteron ein zentral sedierender Effekt zu.

Man kann dem Auftreten dieser unangenehmen Wechselwirkungen durch Verordnung einer Östrogen-betonten Pille in vielen Fällen leicht Abhilfe schaffen.

Wie die Pille auf die Haut wirkt 

Auch die Haut ist ein Erfolgsorgan steroidaler Hormone. Aus diesem Grund wird oft schon sehr jungen Mädchen, die womöglich noch nichteinmal ihre erste Regelblutung hatten,  aus therapeutischen Gründen gegen Pubertätsakne die Pille verordnet. In diesem Fall sollte man allerdings besondere Zurückhaltung in der Verordnung walten lassen. Einerseits behandelt man mit der Pille sehr effektiv die Akne, allerdings stört man durch die plötzliche Hormonüberflutung den gerade sich in der Pubertät befindenden  Organismus und die weitere Etablierung eines physiologischen zyklischen, ovariell-gesteuerten Systems. Deshalb kann das Zufrühe Verordnen der Pille nachhaltige Folgen für die junge Frau haben.

Zu den häufigsten dermatologischen Erkrankungen, die unter der Pilleneinnahme entstehen, gehören die Chloasmen. Man versteht darunter gelblich-braune Flecken, die vor allem im Gesicht auftreten. Sonneneinstrahlung hat bei prädisponierten Frauen, die gleichzeitig die Pille einnhmen einen verstärkenden Einfluß auf den Grad der Hautpigmentierung. Chloasmen manifestieren sich vor allem im Sommer bei starker Sonneneinstrahlung. Aus diesem Grund empfiehlt man diesen Frauen die Pilleneinnahme auf den Abend zu verlegen, da unmittelbar nach Pilleneinnahme die Steroidkonzentration im Serum am höchsten ist. 

Die Pille und Brustkrebs

Obwohl der Zusammenhang zwischen Pille und Brustkrebs nicht als erwiesen angesehen werden kann, muß man doch in Zeiten der Unsicherheit aus Sicherheitsgründen vorsichtig vorgehen. Dies heißt, daß auch die Frage nach einem hereditären Mammakarzinom, in die Anamnese vor der Pillenverschreibung einfließen muß. Liegt eine diesbezügliche Belastung vor, so sollte man vermeiden, der betroffenen Frau vor dem 18. Lebensjahr, bzw. über eine Dauer von 10 Jahre die Pille zu verordnen. Mit diesen beiden Maßnahmen verringert man ein mögliches Risiko, das aber noch nicht als gegeben angesehen werden kann. Trotzdem ist es sinnvoll, aus Sicherheitsgründen restriktiv vorzugehen. Studien diesbezüglich lassen (noch) keine einheitliche und eindeutige Empfehlung zu.

Haarverlust durch die Pille?

Nicht selten klagen Frauen, daß es während der Pilleneinnahme zu Haarausfall kommt. Obwohl die Hormone der Pille positiv auf das Wachstum der Haare wirken, kann durch ein völliges Absinken des körpereigenen Östradiols lokal ein relativer Östrogen-Mangel entstehen, der durch das „Pillen“- Östradiol nicht ausgeglichen werden kann. Als kausale Therapie wäre das Absetzen der Pille zu überlegen Es ist außerdem bekannt, daß es während der Pilleneinnahme zu einer Verarmung an Folsäure und an Cobalamin kommen kann. Beide Substanzen sind für den Haarzyklus notwendig, sodaß eine Substitution therapeutisch zu empfehlen wäre.

Die Pille und deren Einfluss auf das Körpergewicht

Für viele Frauen ist die Zunahme des Körpergewichtes, das bei den niedrig dosierten Pillen kaum zu registrieren ist, ein großen Problem. Vereinzelt findet man tatsächlich Pilleneinnehmerinnen, bei denen entweder der Appetit steigt, oder die Verwertung der Nahrung so verstärkt ist, daß es tatsächlich zu einer merklichen Gewichtszunahme kommt. Es empfiehlt sich, diesen Frauen zu raten, während der ersten 6 Wochen der Pilleneinnahme auf das Abendessen zu verzichten. Das bedeutet nicht zu fasten, sondern normal Mittag zu essen, und zu frühstücken, aber dafür das Abendessen zu streichen. Die Anwendung von Pillenpräparaten, die der vermehrten Wassereeinlagerung entgegenwirken ist bei machen Anwenderinnen zu empfehlen.

Wer sollte auf die Anwendung der Pille verzichten?

Die Anwendung der Pille ist vor allem für jene Frauen ein Problem die Rauchen, denn diese „Kombination“ kann in manchen Fällen sogar tödlich sein. Der Grund hierfür liegt in  der Veränderung des Gerinnungssystems, das schließlich  zu Thrombosen führen kann. Auch die Kombination Alkohol und Pille ist nicht ratsam und sollte deshalb vermieden werden.

Die Neuverodnung der Pille, sowie jede weitere Verordnun,  sollte im Idealfall mit dem Gynäkologen / der Gynäkologin im Zuge einer gynäkologischen Untersuchung abgewickelt werden, denn so lassen sich im gemeinsamen Gespräch sämtliche Fragen klären. 

Wie sicher ist die Pille? 

Die Möglichkeit der hormonellen Kontrazeption stellt nach wie vor die einfachste und die sicherste Form der Empfängnisverhütung dar. Sie ermöglicht unzähligen Frauen eine geordnete und eine humane Sexualität. Denn wir dürfen nicht vergessen, dass Sexualtät eine der vornehmsten Formen der menschlichen Kommunikation darstellt, und das sollten wir, wenn wir über Verhütung sprechen, immer bedenken.

Die Pille und ihre gesellschaftspolitische Bedeutung 

So sehr uns auch der biblische Auftrag zur Fortpflanzung erteilt wurde, so sehr ist der Mensch auch seit jeher mit Gegenteiligem beschäftigt – nämlich die Fortpflanzung möglichst effektiv zu verhindern. Dieses Bestreben bedingt, dass verschiedenste Verhütungsmöglichkeiten seit altersher gesucht und eingesetzt werden. Erst im 20. Jahrhundert ist es mit der Entdeckung der hormonellen Kontrazeption gelungen, eine wirklich effiziente, reversible und der Gesundheit der Frau nicht abträgliche Möglichkeit zu entwickeln.

Es ist daher nicht verwunderlich, wenn die französische Zeitung Le Figaro vor einiger Zeit im Rahmen einer Umfrage zu evaluieren versuchte, was die Pariserin im vergangenen Jahrhundert als die größte Errungenschaft ansieht. Ein großer Teil der Befragten erklärte daraufhin, daß die Möglichkeit zur hormonellen Verhütung in Form der Pille das Leben der Frau im letzten Jahrhundert am meisten verändert habe; erst danach wurden technische Entwicklungen wie die Waschmaschine genannt.

Tatsächlich ist die gesellschaftskritische Bedeutung der hormonellen Kontrazeption weitgehend unterschätzt worden: Die Emanzipation der Frau, die Fähigkeit ihre Sexualität und ihre Fortpflanzung selbst in die Hand nehmen zu können, aber auch die größeren Freiheiten im Berufsleben verdankt die moderne Frau zu einem großen Teil dieser sicheren Form der Empfängnisverhütung.

Video
Beteiligen Sie sich am Beitrag, wir freuen uns:

Kommentar hinzufügen
CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz
Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
weitere Meinungen
Keine Kommentare
  1. Stadt Wien
  2. Gesundheit