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Ruth Kainberger
Wirtschaft Text: Ruth Kainberger

Goldmünze: Wertanlage von der Philharmoniker Münze bis zur Sammlermünze

Gold glänzt wie eh und je als Anlageobjekt. Im Interview mit stadt-wien.at verrät Mag. Gerhard Starsich, Generaldirektor der Münze Österreich, warum der „Wiener Philharmoniker“ auf dem Weltmarkt strahlt, wie man aus Niobium einen Hit macht und welche Punkte Anleger beim Goldkauf unbedingt beachten sollten. 

Gerhard Starsich und Gebäude der Münze Österreich am Heumarkt
© Münze Österreich | Mag. Gerhard Starsich ist seit Juli 2011 Generaldirektor der Münze Österreich

stadt-wien.at: Welche Rolle spielt die Münze Österreich auf dem Weltmarkt?
Mag. Gerhard Starsich: Im internationalen Konkurrenzkampf um Anlageprodukte gibt es weltweit sechs wichtige Münzstätten: Die Amerikaner (US Mint, Anm.) mit dem „American Eagle“, die Royal Canadian Mint mit dem „Maple Leaf“, die South African Mint mit dem „Krügerrand“, die Perth Mint mit dem „Kangaroo“, die englische Münze mit der „Britannia“ und eben die Münze Österreich mit dem „Wiener Philharmoniker“. Wir kämpfen mit den Kanadiern um Platz eins am Weltmarkt, sind Marktführer in Europa und in Japan, oft auch Weltmarktführer.

stadt-wien.at: Was ist das Besondere an diesen Münzen?
Starsich: Diese sind sogenannten Bullion-Münzen, man kauft sie nicht wegen der Schönheit der Münze, sondern weil man in Edelmetall anlegen will.

stadt-wien.at: Warum ist ausgerechnet der „Wiener Philharmoniker“ auf dem Weltmarkt so beliebt?
Starsich: Das Motiv der Münze - die Musik - ist ein globales Thema, während die anderen Länder nationale Symbole darstellen. Mit dem Thema Musik haben wir ein Symbol der Freude, der Freiheit und - wenn man die Geschichte der Wiener Philharmoniker kennt - auch ein Symbol der Demokratie auf unserer Münze. Außerdem ist unser Produkt qualitativ sehr hochwertig; die Oberfläche ist nicht glänzend, sondern halbmatt. Dadurch ist sie sehr schwer zu fälschen, und bisher gibt es auch keine bekannten Fälschungen davon.

Wiener Philharmoniker Vorder- und Rückseite 1 Unze
© Münze Österreich | Goldmünze Wiener Philharmoniker: 1 Unze (31,1 g) 999,9 Feingold , 37 mm Durchmesser, Graveur: Thomas Pesendorfer

stadt-wien.at: Ist das eine Erfindung der Münze Österreich?
Starsich:
Es gehört zur Prägekunst, das Produkt auch mit großen Auflagezahlen so herstellen zu können. Andere Prägestätten verwenden diese Technik für Sammlermünzen, aber nicht bei Bullion-Münzen für Anleger.

stadt-wien.at: Thema Veranlagung: Es gibt den Richtwert, dass man ca. zehn Prozent seines Vermögens in Gold anlegen sollte. Was ist Ihre Einschätzung, wie viele Österreicher tatsächlich in Gold investieren?
Starsich:
Wir empfehlen, fünf bis zehn Prozent des Gesamtvermögens in Gold zu investieren. Ich nehme an, dass 90 Prozent der Österreicher Goldmünzen zu Hause haben. Die Menschen haben aus der Krise mitgenommen, dass es gut ist, Teile seines Vermögens in Gold oder anderen Edelmetallen zu veranlagen. Den Wiener Philharmoniker gibt es ja auch in Silber und Platin. Wir wissen aber nicht, wer die Produkte kauft, weil unsere Hauptvertriebspartner die österreichischen Kreditinstitute sind. Auch bei uns im Shop gibt es den Barverkauf und unter 15.000 Euro besteht keine Ausweispflicht.

stadt-wien.at: Kaufen die Menschen seit der Finanzkrise 2008 mehr Gold?
Starsich:
Am Tag nach der Lehman-Pleite hat sich unser Umsatz verzehnfacht und befindet sich seither auf einem sehr hohen Niveau. In den letzten beiden Jahren ist der Edelmetall-Hype etwas abgeflaut, aber wir sind trotzdem weit über dem Vorkrisen-Niveau. Dazu kommt, dass Gold in der EU von der Mehrwertsteuer befreit ist, weil es zur Währungsdeckung verwendet wird und als Zahlungsmittel gilt. Dagegen unterliegen Industriemetalle wie Silber, Platin oder Palladium der normalen Mehrwertsteuer.

stadt-wien.at: Haben Sie Tipps, wie man sein Vermögen am sichersten veranlagt?
Starsich:
Ich werde oft gefragt: Soll ich Goldmünzen oder Goldbarren kaufen? Da spreche ich mich deutlich für Münzen aus. Warum? Münzen und Barren kosten gleich viel, wenn sie gleich schwer sind. Der Prägeaufschlag in Prozent hängt nur vom Gewicht ab. Zur Zeit wird eine 1-Unze-Goldmünze im Einzelhandel drei Prozent über dem aktuellen Goldpreis verkauft. Damit wird der Händler bezahlt und meine Mitarbeiter, die die Münze produzieren. Es gibt wenige Produkte auf der Welt, die Sie um drei Prozent über dem Materialwert kaufen können. Warum bin ich jetzt aber so für Münzen? Unsere Münzen werden weltweit gehandelt – im Notfall können Sie diese auch in den USA oder in Japan verkaufen. Das ist bei Barren nicht gesichert, weil viele Kreditinstitute keine gebrandeten Barren von anderen Kreditinstituten kaufen. Dagegen sieht ein Philharmoniker auf der ganzen Welt gleich aus.

stadt-wien.at: Welche Tipps haben Sie für jemanden, der Gold sicher ankaufen will?
Starsich:
Erstens, wie gesagt: Lieber Münzen statt Barren. Zweitens: Eher kleine Stückelungen kaufen – es ist besser, mehrere kleine Einheiten zu haben als eine große. Außerdem ist es von Vorteil, nicht alles auf einmal zu kaufen, damit Sie die Preisentwicklung verteilt haben. Das Gute an Gold ist: Der Kurs kann zwar sinken, es kann aber nicht wie etwa Wertpapiere durch einen Konkurs wertlos werden. Alles Gold, das jemals auf der Erde geschürft wurde, passt in einen Würfel von 21 Metern Seitenlänge. Daher wird es nie dramatisch an Wert verlieren.

stadt-wien.at: Da möchte ich kurz einhaken. Der Goldpreis unterliegt ja Tagesschwankungen. Mit welchem Goldkurs wird bei der Münze Österreich gerechnet?
Starsich:
Es gibt um 11 Uhr und um 15 Uhr eine offizielle Preisfeststellung in London. Das darf zwar jetzt nicht mehr wie früher Fixing heißen, gibt es aber immer noch. Zu diesem Kurs kaufen und verkaufen wir selbst das Gold. Das ist die Volatilität vom Goldkurs, und diese ist – nicht immer, aber meistens – dem Dollarkurs und den Aktienbörsen gegenläufig. Das heißt: Wenn die Aktien oder der Dollar steigen, sinkt der Goldpreis – und umgekehrt.

stadt-wien.at: Wie schätzen Sie die Preis-Entwicklung in den kommenden Jahren ein?
Starsich:
Der Goldpreis befindet sich auf einem hohen Niveau – wir schwanken seit fünf Jahren zwischen 1.150 und 1.400 Euro. Ich glaube, wenn es eine signifikante Kursbewegung gibt, dann nach oben. Denn die Gestehungskosten für eine Unze Gold aus dem Bergwerk liegen derzeit zwischen 1.100 und 1.200 US-Dollar. Der Goldpreis ist also nicht weit von den Gestehungskosten entfernt. Sollte der Preis unter dieses Niveau sinken, werden die Minen aufhören zu produzieren, weil es sich nicht mehr lohnt. Dann würde der Goldpreis wieder steigen. Die Produktionskosten sind damit die Marktpreisuntergrenze. Gold ist also ein sehr guter Stabilisator für ein Gesamt-Portfolio. Es gibt Tests, die zeigen, dass die Erträge eines Portfolios langfristig steigen, wenn man Gold beimischt.

stadt-wien.at: Welchen Stellenwert hat der künstlerische Anteil, also Gravur und Gestaltung der Münze?
Starsich:
Das ist für uns ein zentraler Punkt. Wir haben als eine der wenigen Münzstätten der Welt eine eigene Graveur-Abteilung, die alle Entwürfe macht. Während bei anderen Münzstätten die Entwürfe oftmals von externen Künstlern gestaltet werden, um sie dann von den hausinternen Graveuren nur auf Münzmotive zu übersetzt, sind bei uns die Graveure gleichzeitig auch Designer und Künstler und gestalten die Bilder als Münzmotiv. Darin liegt ein großer Unterschied. Wenn Sie beispielsweise einen Maler ein Motiv machen lassen, dann macht der das flach - zweidimensional. Bei der Münze geht es aber immer um ein Relief. Unsere Graveure sind sehr gut darin, Motive zu gestalten, die als Relief wirken. Wir haben in den letzten Jahren viele Preise für die schönsten Münzen der Welt gewonnen. Darauf sind wir sehr stolz und das haben wir unseren Graveuren zu verdanken.

stadt-wien.at: Kann man das bei der Münze Österreich lernen?
Starsich:
Unsere Graveure kommen alle aus der Graveurschule Steyr und werden anschließend in einem langjährigen Prozess mit dem Qualitätsanspruch der Münze Österreich vertraut gemacht. Bis man wirklich gut ist, dauert es zehn bis 15 Jahre.

stadt-wien.at: Was sind die Top-Seller der Münze Österreich?
Starsich:
Wir produzieren eine einzigartige Münze mit einem Ring aus Silber und einer Pille (innere Scheibe, Anm.) aus einem seltenen Metall namens Niobium. Dieses Element hat die Eigenschaft, dass die Oberfläche unter Druck und Hitze oxidiert und sich verfärbt. Je nach Temperatur ändert sich die Farbe. Gemeinsam mit Plansee haben wir ein patentiertes Verfahren entwickelt, diese Farbgebung auszunutzen und können diese Münze nun in Bicolor produzieren. Bei diesem Stück ist unsere Auflage von 65.000 Stück in der Regel in zwei bis drei Wochen ausverkauft. Im Vorjahr haben wir mit der Tier-Taler-Serie ein Produkt für Kinder auf den Markt gebracht, das auch bei Erwachsenen großen Anklang findet. Bei den Münzen der Serie wird das Relief bunt bedruckt und leuchtet dank einer phosphoreszierenden Farbe auch in der Nacht. Dieses Produkt war zuletzt schon beim Erscheinungsdatum ausverkauft. Es ist zwar ein Wermutstropfen, dass dadurch viele Sammler keine Münze mehr bekommen haben. Wir bleiben jedoch unserm Versprechen treu, dass wir niemals eine vorher festgelegte Auflagenhöhe überschreiten.

stadt-wien.at: Wie läuft der Verkauf über das Internet?
Starsich:
Unser barrierefreier Webshop entwickelt sich rasant, wir haben jährlich zweistellige Wachstumsraten; sowohl bei Sammler-, als auch bei Anlageprodukten. Mittlerweile machen wir 30 Prozent unseres Gesamtumsatzes über das Internet.

stadt-wien.at: Wie funktioniert das? Wird das Gold einfach verschickt?
Starsich:
Ja, als Wertpaket mit der Post. Größere Mengen muss man allerdings abholen oder sich mit einem Spezialtransport schicken lassen.

stadt-wien.at: Sie haben schon einige Stationen in Ihrer beruflichen Karriere durchlaufen. Welche war für Sie am wichtigsten?
Starsich:
Meine wichtigste Ausbildungsstation war die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Arthur Andersen, wo ich nach der Universität fachliches Knowhow gewinnen konnte. Besonders spannend war die Zeit beim Europäischen Währungsinstitut – dem Vorläufer der Europäischen Zentralbank -, wo ich als Abteilungsleiter für Organisation und Controlling mithelfen durfte, das Institut aufzubauen. Damals war ich der 51. Mitarbeiter, der aufgenommen wurde, heute arbeiten dort über 1.000 Menschen. Seit vielen Jahren ist die Nationalbank mein Hauptbezugspunkt. Bei der Münze Österreich bin ich hauptsächlich für die Anlage-  und Sammlerprodukte sowie den B2B-Bereich zuständig, die mehr als 90 Prozent unseres Umsatzes ausmachen. Unsere hoheitliche Aufgabe, die Ausgabe der Umlauf-Münzen Euro und Cent für Österreich, macht dagegen nur einen kleinen Teil aus.

stadt-wien.at bedankt sich für das Interview.

Website Münze Österreich

Zur Person

Mag. Gerhard Starsich ist seit Juli 2011 Generaldirektor der Münze Österreich und seit 2008 Mitglied des Vorstandes. Er zeichnet vor allem für die Entwicklung von Konzern-, Marken- und Kommunikationsstrategien, für Finanzwesen und Treasury sowie für IT und das Personalmanagement verantwortlich. Der studierte Handelswissenschafter startete seine berufliche Laufbahn im Rechnungswesen von Austrian Airlines. Ab 1988 war er beim Wirtschaftsprüfungsunternehmen Arthur Andersen tätig. 1991 folgte der Wechsel in die Oesterreichische Nationalbank. Von dort wurde er 1994 in das Europäische Währungsinstitut, die heutige Europäische Zentralbank nach Frankfurt am Main, berufen. Zurück in Wien arbeitete er ab 1997 als Direktor für Finanzen und Controlling in der Kongregation der Barmherzigen Schwestern. 1999 wechselte Starsich als Geschäftsführer für die erfolgreiche Restrukturierung der Unternehmen APSS GmbH (Austrian Payment Systems Services) und Austrian Card Plastikkarten und Ausweissysteme GmbH zurück in die Oesterreichische Nationalbank. Weiters war Starsich mit der Integration der Austria Card in die Lykos Inform Gruppe betraut.

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