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Essen & Trinken Text: Katharina Widholm

"Zahl soviel du willst" - Wiener Lokale und der freie Preis

Beim "Zahl soviel du willst"-Prinzip, kann der Kunde selbst entscheiden, wieviel ihm eine Dienstleistung wert ist. Anwendung findet es vor allem in Gastronomiebetrieben wie etwa dem "Wiener Deewan". Hier erfahren Sie, welche Erfahrungen Wirte mit diesem Geschäftsmodell gemacht haben, was sie bewegt hat, sich darauf einzulassen und wo in Wien Sie selbst bestimmen können, was Sie zahlen möchten.

Eingang des Café Garagarin mit Gastgarten
© Katharina Widholm | Das Café Gagarin in der Garnisongasse bietet vegetarische und vegane Gerichte an, bei denen man die Höhe des Preises selbst bestimmt.

Ein riskantes Preissystem, welches jedoch von immer mehr Betrieben testweise eingeführt wurde oder sogar permanent besteht, ist das sogenannte "Zahl soviel du willst“-Prinzip. Dabei gibt zum Beispiel ein Restaurant seinen Kunden die Möglichkeit, selbst zu bestimmen, was sie für eine Dienstleistung bezahlen möchten. Auch in Wien gibt es Lokale, die dieses System eingeführt haben, darunter auch das viel kritisierte Projekt der Österreichischen HochschülerInnenschaft, „Café Rosa“, welches lediglich von 2011-2013 Bestand hatte, und als „nicht-kommerzielles Café“ gedacht war. Dieses Beispiel bedeutet jedoch nicht automatisch, dass diese ungewöhnliche Preispolitik zum Scheitern verurteilt ist.

Motive für die freie Preispolitik

Warum lassen sich manche Wirte auf eine derartig riskante Geschäftsidee ein? Die Beweggründe sind nicht zuletzt auch auf ein gewisses Maß an Idealismus zurückzuführen: So schreibt das Gagarin auf seiner Homepage etwa, dass theoretisch ein finanzieller Ausgleich möglich wäre, wenn die Gäste die frei gewählten Preise an ihre jeweiligen finanziellen Möglichkeiten anpassen.
Weitere Beweggründe sind:

  • Alleinstellungsmerkmal
  • kein Konkurrenzkampf mit anderen Betrieben
  • Marketingag um die Bekanntheit des Unternehmens zu steigern
  • Dienstleistungen auch denen zur Verfügung zu stellen, die es sich sonst nicht leisten könnten

Vorteile des „Zahl soviel du willst“-Systems

Mit der Entscheidung, den Kunden für bestimmte Dienstleistungen selbst bestimmen zu lassen, wie viel er zahlen möchte, können auch diverse Vorteile verbunden sein, die im besten Fall sogar dazu führen, dass das Unternehmen seinen Umsatz steigert, da durch diese Preispolitik auch Kunden angelockt werden, die sich sonst nicht für den Betrieb interessieren würden, indem es deren Neugier weckt. Interessanterweise hat sich gezeigt, dass Kunden sich oft großzügig zeigen, weil sie sich daran orientieren, was andere Gäste zu bezahlen bereit sind und nicht knausrig wirken wollen. Dafür besteht für die Mitarbeiter des Gastronomieunternehmens jedoch auch ein größeres Bedürfnis den Kunden zufrieden zu stellen. Denn wenn er mit dem Service nicht zufrieden ist, könnte sich das negativ auf den Preis auswirken.

„Zahl soviel du willst“ in Wien

Außer dem Café Rosa haben auch andere Wiener Gastronomiebetriebe mit dem „Zahl soviel du willst“- Prinzip experimentiert. 2009 etwa bot das damalige Haubenrestaurant Hollmann Salon täglich wechselnde Drei-Gang-Menüs an, bei denen die Gäste selbst entscheiden konnten, wieviel ihnen diese Dienstleistung wert ist. Leider schloss der Hollmann Salon 2015 seine Pforten. Lediglich rund ein Jahr hatte das Shari Dera Bestand, das, ähnlich wie das Deewan, ein pakistanisches All-You-Can-Eat-Buffet im Angebot hatte, bei dem das „Zahl soviel du wisst“-Prinzip galt. In Ottakring hatte das, mittlerweile ebenfalls übersiedelte Lokal, Radi's Brauhaus eine Zeit lang ein Mittagsbuffet mit eher deftiger Hausmannskost im Angebot, welches auch dieses Geschäftsmodell verfolgte. Obwohl der Umstand, dass die eben genannten Gastronomiebetriebe nicht mehr in Betrieb sind, die Frage aufwerfen, ob dieses Preissystem nicht zum Scheitern verurteilt ist, gibt es auch Beispiele, die das Gegenteil beweisen. So verfolgen das Deewan und das Café Gagarin diese Preispolitik auch aktuell noch:

Wiener Deewan

Eines der ersten Lokale die das „Zahl soviel du willst“-Modell in ihre Verkaufsstrategie aufnahmen, ist das Deewan in der Liechtensteinstraße. Das Restaurant bietet Gerichte aus der pakistanischen Küche an. Es gibt eine täglich wechselnde Anzahl an 5 Currygerichten, von denen 3 vegetarisch oder vegan sind, und zwei Fleisch beinhalten. Es handelt sich dabei um ein All you can eat-Buffet. Für Take Aways werden unterschiedliche Preise je nach Menge berechnet. Doch für Gäste die im Lokal essen gilt, dass sie den Preis selbst bestimmen können. Dieses Konzept besteht seit 2005 und schreibt seitdem schwarze Zahlen. So wurden im ersten Jahr annähernd 30.000 Euro eingenommen und 2012 rund 41.000 Euro.

Wiener Deewan

Liechtensteinstraße 10

1090 Wien

Website

Facebook

 

Café Gagarin

Beim Café Gagarin in der Garnisongasse handelt es sich um ein „kollektivgeführtes Lokal“, was konkret bedeutet, dass es keine Hierachie unter den Mitarbeitern gibt und jeder über das gleiche Maß an Verantwortung und Mitspracherecht verfügt. Während die Preise für die Getränke durchwegs erschwinglich sind, führt das Gagarin auch einen wöchentlich wechselnden Tagesteller im Angebot, bei dem der freie Preis gilt, die Gäste sich also entscheiden können, wieviel sie bereit sind zu zahlen. Der Beweggrund hinter der Entscheidung, das Zahl soviel du willst“-Prinzip einzuführen, beruht auf der Annahme, dass die Einnahmen durch die unterschiedlichen finanziellen Möglichkeiten der Menschen am Ende ausgewogen sind. Das Speiseangebot ist durchwegs vegetarisch oder vegan, die Produkte sind überwiegend fairtrade und bio. Außerdem finden immer wieder Veranstaltungen statt, die man auf der Facebookseite oder der Homepage einsehen kann.

Café Gagarin

Garnisongasse 24

1090 Wien

Website

Facebook

 

 

 

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