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Interieur & Design Text: Elisabeth Rauter

Mut zur Tapete - 5 Tipps für Selbermacher

Der Frühling zieht ins Land und erfreut uns mit prächtigen Farben und gehobener Laune. Die Temperaturen werden höher, die Hosen kürzer und ganz leise meldet sich der Trieb zum Nestbau im Hinterkopf und lockt mit vielen Ideen und Motivation. Warum also diese nicht nutzen und mal etwas Neues ausprobieren?

Hier sieht man die tapezierte Wand mit einer Pflanze im Vordergrund.
© Elisabeth Rauter | Die fertige Wand mit grünem Beiwerk

Zu Hause wird es hin und wieder Zeit für einen Tapetenwechsel – in diesem Fall im wahrsten Sinne des Wortes. Im mutigen Selbstversuch haben wir es gewagt, uns selbst die Hände schmutzig zu machen und mehr Farbe in unsere Wände und somit unser Leben zu bringen.

Schritt 1 - Die passende Tapete

Dieser Schritt nimmt die wahrscheinlich meiste Zeit in Anspruch, das Sortiment ist riesig. Positiver Nebeneffekt dieses Umstandes: Es ist für jeden Geschmack etwas dabei – von der Raufasertapete bis zu den buntesten, ausgefallensten Mustern oder entzückenden Tapeten für das kleine Reich des Nachwuchses. Man sollte nur nichts überstürzen und sich beim Stöbern genügend Zeit lassen um die richtige Tapete zu finden. Es gibt eine sehr hohe Vielfalt an diversen Arten der Tapeten.

Die Möglichkeiten hier sind anscheinend grenzenlos. Man kann das Internet konsultieren und sich die Tapete einfach liefern lassen, sich in jedem nur erdenklichen Baumarkt umsehen oder sich an darauf spezialisierte Geschäfte wenden.

Nachdem – in unserem Fall – all diese Möglichkeiten vorerst wohl doch erschöpft waren, entschlossen wir uns dazu auf die neuen Kollektionen des Frühlings und Sommers zu warten. Dieser Plan wurde durch Zufall durchkreuzt, als eine wie zufällig erscheinende Werbeanzeige am Rand des Bildschirmes angezeigt wurde. Schnell war klar – diese Tapete wird’s. Auch die Wahl der Farbvariante war schnell geklärt, da der männliche Teil des Haushaltes sich schwer auf die Ausführung in rosa eingeschossen hatte. Zusätzlich war die Tapete unserer Wahl auch noch preislich vergünstigt – Es schien wie ein Wink des Schicksals.

Es handelt sich um eine Vliestapete, da diese am einfachsten zu verarbeiten sind und auch nach langer Zeit leicht abziehbar. Sie sind formstabil, nicht empfindlich gegenüber UV-Licht und Tapeziertisch braucht man auch keinen.
Aber: Wie funktioniert das eigentlich? Die Vorstellung war, dass diese ganze Aktion ja nur zu Unzufriedenheit führen kann, aber man sollte ja alles einmal ausprobiert haben, oder?

Schritt 2 - Der Tapetenrechner - wie viele Rollen Tapete werden gebraucht

Dafür wird die Wand ausgemessen und grob berechnet, wie groß die zu tapezierende Fläche ist. Hier kann es sehr hilfreich sein, einen ‚Tapetenrechner‘ aus dem Internet zu Rate zu ziehen, wie etwa jenem, der auf der Website der Baumarktkette Hornbach angeboten wird. Hier wird auch erklärt wie der Rechner funktioniert und es gibt Infos zu kryptisch klingenden Worten wie Rapport.

Tipp

Achten Sie beim Kauf darauf, dass die Tapetenrollen jeweils aus derselben Produktionscharge stammen, ansonsten könnte es zu kleinen Abweichungen in Farbe oder Muster kommen. Die Nummer der Charge ist auf jeder Rolle vermerkt.

Und: Lieber eine Rolle mehr mitnehmen als eine zu wenig. Beim Selber Machen kann ja immer was daneben gehen oder man kann sich ja verrechnet haben.

Nun stellte sich die nächste Frage: Was braucht man denn so an Hilfsmitteln für dieses Projekt?

Schritt 3 - Tapezieren Einkaufsliste

Nach dem Konsultieren zahlreicher Quellen aus dem Internet – inklusive einer einschlägigen Folge des Klassikers „Ein echter Wiener geht nicht unter“ - und dem Austausch einiger teils spöttischem teils lustigem Geplänkels seitens des Elternhauses fühlten wir uns bereit, die Heiligen Hallen der Heimwerkerfreunde unsicher zu machen.

Auf unserer Liste standen folgende Dinge:

  • Grundierung für den Untergrund
  • Tapetenkleister (angepasst an die jeweilige Tapete)
  • Spezieller Eimer zum Anrühren (mit Markierungen an der Seite)
  • Cutter-Messer
  • Maßband
  • Rührholz
  • Tapeten-Roller zum Auftragen des Kleisters
  • Pinsel für die Ecken
  • Tapezierbürste zum ersten Andrücken
  • Silikonroller und Nahtroller gegen die Luftblasen
  • Fassadenspachtel bzw. Trapezflächenspachtel bzw. Beschneidelineal (Also eines davon)
  • Abdeckpapier für den Boden

Dank der freundliche Hilfe eines Mitarbeiters konnten wir alle Utensilien unserer Liste finden und schwer bepackt aber freudestrahlend den Baumarkt verlassen.

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Schritt 4 - Vorbereitung und Grundierung

Damit der Kleister hält, muss auch der Untergrund richtig beschaffen sein. Aus diesem Grund entschieden wir Laien uns für das Auftragen eines speziellen Tapetengrunds, was den positiven Nebeneffekt des Ausweisens mit sich brachte. Damit verschwand nicht nur der ehemalige Orange-Ton der auserwählten Mauer sondern auch so manch anderes Zeichen dafür, dass die Wohnung belebt war und ist.

Aufnahme während des Grundierens (erster Durchgang), noch scheint der Untergrund durch, wie etwa hier ein mit Buntstift gemaltes Batman-Symbol.
© Elisabeth Rauter | Die Geister der Vergangenheit verblassen.

Nach zweimaligem Überstreichen sind die Altlasten kaum noch zu sehen und es bildet sich eine recht raue Oberfläche, die mehr Gripp für den Kleister bietet und die Saugfähigkeit der Wand regulieren soll. Der Grund muss anständig austrocknen können, genauere Instruktionen sind den Etiketten am Eimer zu entnehmen. In unserem Fall überbrückten wir die sechs bis acht Stunden Wartezeit mit einer ausgiebigen Mütze Schlaf.

Tipp

Tapetengrund ist recht dünnflüssig und somit kleckerfreudig. Es empfiehlt sich also nicht im Lieblingsoutfit ans Werk zu gehen.

Und: Viele Tapeten sind sehr dünn beschaffen. Wenn man nicht will, dass die Farbe des Untergrundes durchscheinen kann, solle man sich überlegen, die Nahtstellen in einem passenden Farbton vorzustreichen – vor allem bei dunklen Tapeten. Ansonsten bietet sich wieder weißer Tapetengrund an.

Schritt 5 – Der Tapetenkleber, die Silikonwalze und viele Blasen

Unsere erste Handlung des Tages war das Aktivieren der Kaffeemaschine und das gemeinsame Behirnen der weiteren Herangehensweise. Als nächstes widmeten wir uns dem Anrühren des Klebers, denn dieser sollte – laut Verpackung – fünf Minuten stehen gelassen werden. (An dieser Stellen nur keinen falschen Stress aufkommen lassen, denn der Kleber ist angerührt circa zehn Tage haltbar.)

Eine große Stütze bei unserem Vorhaben war eine Videoanleitung aus dem Internet, die Sie hier selbst ansehen können.

Tipp

Man sollte mit dem Einfallswinkel des Lichtes (sprich: weg vom Fenster) tapezieren.

Die Wartezeit kann dazu genutzt werden die Bahnen der Tapete in die richtige Länge zu bringen. Hier ist es wichtig zu beachten die Teile jeweils 5-10 cm länger anzuschneiden, als die Wand hoch ist.

An dieser Stelle ein wichtiger Hinweis: Wir haben nur eine ‚freistehende Wand‘ tapeziert. Wenn man über Ecken, Kanten oder ‚Hindernisse‘ wie etwa Fenster, Türrahmen oder Steckdosen hinweg- oder vorbeitapezieren will, muss man anders an die Sache herangehen.

Bewaffnet mit Jogginghose und Pinsel und nach Ablauf der vorgegebenen Zeit wurde sich auf die Trittleiter geschwungen, um den Kleber aufs obere Ende der Wand zu bringen. Nachdem auch der Bereich um die Sesselleisten eingestrichen war, wurde es Zeit die Walze auszupacken und mit ihr den Kleister aufzutragen.

Es wird aber immer nur der Untergrund von einer bis maximal zwei Bahnen der zukünftigen Tapete gleichzeitig mit dem dickflüssigen Schleim eingestrichen.

Der Fehler der uns hierbei unterlief, wurde erst später ersichtlich: Mit dem Kleber sollte nicht gespart werden – ganz im Sinne der Bedeutung des Wortes ‚zukleistern‘. Stolz, dass wir die erste Bahn an die Wand gebracht hatten konnten wir so auch wieder zusehen, wie sie sich wieder löste und der Schwerkraft ihren Tribut zollen wollte.

Also: Tapete wieder vorsichtig herunternehmen, mehr Kleister auf die Wand pappen und von vorne beginnen: Die Tapete mit einigem Überstand anlegen und oben andrücken damit sie hält.

Tipp

Beim Anlegen der Tapete ist man bei der Arbeit zu zweit klar im Vorteil.

Als nächstes wird nachgesehen, ob die Tapete bündig zur jeweiligen Kante verläuft und Zentimeter für Zentimeter kontrolliert und angedrückt. Danach nimmt man die Tapezierbürste zur Hand und drückt die Tapete so mit wischenden Bewegungen an die Wand. Da dies nicht blasenfrei passiert, kommt nun die Silikonwalze zum Einsatz, mit deren Hilfe die Luft an die Ränder gedrückt wird. Hier muss man aufpassen dass man mit der Walze nicht über den Rand der Tapete drückt!

Um die Kanten der Stoffbahn gleichmäßig festzudrücken gibt es den Nahtroller, der prinzipiell aussieht wie die bereits verwendete Silikonwalze, nur viel kleiner ist. Damit wird nur der Bereich der Naht schön fest an den Kleister gedrückt und wirft – mit etwas Glück und Kleister – keine Wellen.

Jetzt kann man die überstehenden Enden mit Cutter-Messer und Spachtel vorsichtig entlang der Kante zur Decke abgeschnitten werden. Der Spachtel dient hier als Schablone, damit die Schnitte gerade werden.

Tipp

Um die Tapete noch leicht zu verrücken, kann man mit der flachen Hand leicht draufschlagen.

Video

Diese Prozedur wird so oft wiederholt, bis man am Ende der Wand angekommen ist. Wenn man Glück hat, ist die Wand genau so breit, dass man die letzte Bahn nicht zuschneiden muss, aber die Wahrscheinlichkeit dafür ist dann doch eher gering.

Nach dem Ausmessen und Zuschneiden der letzten Tapetenbahn wurde schnell klar, dass wir uns wohl leicht verkalkuliert hatten, was die Breite dieser angeht, weswegen wir uns kurzerhand dazu entschlossen, den Rand einfach schon an der Wand nachzubearbeiten und mit dem Cutter-Messer zu verkürzen, was einiges an Fingerspitzengefühl und Geduld verlangte. Warum einfach, wenn es doch kompliziert auch geht?

Schritt 6 – Vliestapete schnell und einfach abziehen

Es war vollbracht. Und das erstaunlicherweise ohne große Katastrophen und Streitigkeiten, sondern ganz im Gegenteil – es wurden schon Pläne für die nächste Tapezier-Aktion geschmiedet. Als nächstes kommt das Schlafzimmer dran.

Fazit unseres Selbstversuches: Wir hatten auffallend wenig Rückschläge zu verzeichnen und es war eindeutig einfacher zu bewerkstelligen als wir uns anfangs gedacht hatten. Der zeitliche Aufwand war auch eigentlich geringer, als wenn wir die Wand einfach ausgemalt hätten. Aber der Effekt ist großartig. Das Wohnzimmer sieht ganz anders aus. In Kombination mit der neuen hellbeigen Wandfarbe wirkt der Wohnraum riesig, frisch und freundlich. Die bunte Tapete bringt genau das richtige Maß an Pepp mit, um dem Ganzen einen letzten Schliff zu geben.

Nun wurden natürlich zahlreiche Bilder durch die Weiten des Internets gejagt um mit unserer neuen Errungenschaft anzugeben. Ein guter Freund gab uns noch den Tipp, wir könnten doch die Reste als stylischen Tischläufer auslegen und er hatte wirklich Recht. Der Mann hat eben einfach Geschmack.

Seitdem die Tapete auf der Wand ist, verging bisher nicht ein Tag an dem nicht entweder mein Herzblatt oder aber ich staunend und bewundernd vor ebendieser Wand gestanden haben und unser Werk zum gefühlt hundertsten Mal bewundert haben. Wahrscheinlich werden wir noch länger Freude an unserer neuen Deko haben, aber selbst wenn nicht, lässt sich Vliestapete schnell und einfach wieder abziehen und wir können uns mit Esprit und Elan in ein neues Projekt stürzen, um unseren Wohnraum noch schöner und persönlicher zu gestalten.

Hier noch eine Auswahl an Adressen, wo man in ganz Europa schöne Tapeten erstehen kann:

Erica Wakely
London, Großbritannien

Jane Churchill
London, Großbritannien

Manuel Canovas
Paris, Frankreich

Markus Benesch
München, Deutschland

Tapetenagentur
Köln, Deutschland

Maxalot
Barcelona, Spanien

Sandberg Tyg & Tapet AB
Ulricehamn, Schweden

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