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Digitale Welt

Vom Telefon zur Telekommunikation

Hatten sich bisher das Telefon und der Zuspruch zu dem neuen Dienst sehr rasch entwickelt, so hinterließen die Jahre der Weltwirtschaftskrise (1929 –1933) ihre Spuren natürlich auch im Fernmeldebereich. Viele Menschen konnten sich das Telefon nicht mehr leisten; andere gaben ihren Einzelanschlusszurück und begnügten sich mit einem „Vierteltelefon“.

© Telekom Austria | Heute von hohem Nostalgiewert: Telefon mit Wählscheibe!

1927-1972: Die Entwicklung zum Massenmedium

Um den Rückgang der Anschlüsse aufzuhalten, gewährte die Post- und Telegraphendirektion nicht nur Nachlässe bei neuen Telefonanschlüssen, teilweise verzichtete sie sogar ganz auf Einschaltgebühren. Dank dieser Maßnahmen konnte man 1937 schon wieder positiv in die Zukunft blicken: In Wien gab es immerhin 135.321 Anschlüsse, und auch in den Landeshauptstädten hielt die rasche Entwicklung an: So zählte man in Graz etwa 7.992 Anschlüsse, in Linz 5.174 Anschlüsse, in Innsbruck 4.626 Anschlüsse und in Salzburg 3.674 Anschlüsse.

Schwierige Zeiten

Während des Zweiten Weltkrieges wurden alle postalischen Belange, darunter auch das Telefonwesen, von Berlin aus gesteuert. Ein eigenes Gesetz behandelte die „Überleitung der österreichischen Post- und Telegraphenverwaltung auf das Deutsche Reich (Deutsche Reichspost)“. Am Anfang des Zweiten Weltkrieges gelang es der Reichspost zunächst, sowohl die zivile als auch die militärische Nachfrage an Telefonanlagen zu befriedigen. Die militärischen Erfolge führten sogar bis 1942 zu einem weiteren Netzausbau. Der
Zusammenbruch des Fernsprechsystems setzte sukzessive mit der Bombenoffensive der Alliierten im Sommer 1943 ein. Dabei war die Zerstörung der Nachrichteninfrastruktur lediglich eine Begleiterscheinung der Angriffe. Das Fernnetz wurde immer wieder großen Reparaturarbeiten unterzogen, während das Ortsnetz nur insofern instand gehalten wurde, wie es die Kriegsführung unbedingt erforderte. Private Anschlüsse waren schon 1943 kaum mehr zu gebrauchen. Zudem wurden die Telefonzentralen und Verstärkerämter in Österreich während der Kriegsjahre stark in Mitleidenschaft gezogen. Obwohl
man gegen Ende des Krieges die Fenster der Wahlämter zugemauert hatte, waren die Schäden enorm: Alleine das damals 2.737 Kilometer lange Kabelnetz wies rund 9.600 Schadstellen auf.

Der Wiederaufbau des Telefonnetzes nach 1945 gestaltete sich schwierig. Österreich war in Besatzungszonen eingeteilt, mitunter wurden technische Einrichtungen der österreichischen Post- und Telegraphenverwaltung einfach abgebaut, verschiedene Kabel wurden auch beschlagnahmt. Da fast kein Material für den Wiederaufbau der zerstörten Fernmeldetechnischen Einrichtungen vorhanden war, musste notgedrungen auf Improvisationen zurückgegriffen werden. Es war nicht weiter ungewöhnlich, dass Telefondrähte einfach über Bäume und Straßenlaternen zum nächsten funktionierenden Schaltpunkt gespannt wurden. Die damaligen Arbeitsbedingungen sind aus
heutiger Sicht kaum vorstellbar: So mussten mit Werkzeug und Material beträchtliche Entfernungen zurückgelegt werden. Oft war man dabei zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs, in manchen Fällen konnten die spärlich verkehrenden Autobusse genutzt werden. Um das rasche Auffinden von funktionstüchtigen Fernsprechstellen zu ermöglichen, wurden zudem eigene „Straßenrettungsdienstkarten“ aufgelegt. Trotz der schwierigen Umstände war der Aufbau des Telefonsystems in kurzer Zeit äußerst erfolgreich. Schon im Jahr 1945 gab es in Wien wieder 33.364 Telefonanschlüsse, ein Jahr später waren es immerhin 85.976 Anschlüsse. Ende des Jahres 1946 zählte man in ganz Österreich 172.376 Anschlüsse.

Ein einheitliches Wählsystem

Ende des Zweiten Weltkrieges war der Ortsverkehr in den größeren Städten automatisiert, also auf Wählbetrieb umgestellt. Rund 75% aller Fernsprech- Hauptanschlüsse Österreichs befanden sich in diesen Städten. Dabei kamen insgesamt neun verschiedene Wählsysteme zum Einsatz. So gab es unter anderem das „Wiener“, das „Grazer“ oder auch das „Badener“ System sowie die Systeme „29“, „34“ und „40“. Diese mit der Zeit gewachsene Vielfalt war nicht nur störend, sondern auch unrentabel: Für die unterschiedlichen Wählsysteme benötigte man eine Vielzahl verschiedener Telefonzentralen. Daher war es notwendig, ein einheitliches System einzuführen. Im April 1949 erließ das Fernmeldetechnische Zentralamt eine Richtlinie für das neue, landesweit einheitliche Wählsystem 48. Darin wurden bereits recht genau, wenn auch mit Freiraum für neue Entwicklungen, die Grundzüge des neuen Systems beschrieben. In kurzer Zeit entwickelten heimische Firmen das neue Wählsystem, bereits im April des Jahres 1950 konnte das erste nach dem neuen System arbeitende Wählamt in Betrieb genommen werden. Dieses Ortsnetz, das sich in Eferding in Oberösterreich befand, wartete mit einer absoluten Innovation auf: Erstmals konnte man sich darin auch in das benachbarte Linzer Netz einwählen. In den Jahren darauf kam es zu zahlreichen Weiterentwicklungen des Systems 48. Das System war ein großer Erfolg und kam speziell im ländlichen Gebiet sehr lange zum Einsatz.

Neue Entwicklungen fanden aber nicht nur im Inland, sondern auch bei der internationalen Telefonie statt. 1954 wurde in Oberösterreich eine Übersee-Telefoniestation errichtet. Auf Kurzwellen- Basis wurden damit eine Linie nach New York und jeweils zwei Linien nach Argentinien und Brasilien betrieben. Zur selben Zeit fanden auch schon Verlegungsarbeiten eines Transatlantikkabels statt. Durch dieses Kabel konnte eine wesentlich bessere Verbindung erzielt werden, da es nicht von Wettereinflüssen abhängig war. Wegen der
besseren Übertragungsgüte war aber auch die Sprachverständlichkeit deutlich höher als beim Kurzwellenfunk. Die fernen Kontinente rückten endgültig in hörbare Nähe, als zu Beginn der 70er Jahre schließlich die ersten Satelliten am Himmel zu „schwirren“ begannen. Anfangs hatte man bei der neuen Technologie noch mit „Kinderkrankheiten“ zu kämpfen, so traten etwa während der Gespräche Echoerscheinungen auf. Dabei hörte man seine eigenen Worte mit einer kurzen Verzögerung im Hörer erneut. Dieses Problem konnte jedoch rasch gelöst werden.

Erdefunkstelle Aflenz

Kommunikation über das Weltall
1971 wurde der Beschluss gefasst, eine eigene Erdefunkstelle in Österreich zu errichten. Den idealen Standort fand man nach einer mehrjährigen Suche in Graßnitz, in der Gemeinde Aflenz-Land in der Steiermark. Dort wurde mit Gesamtinvestitionen von rund 650 Millionen Schilling eine allen technischen Anforderungen gewachsene Erdefunkstelle mit vier Antennen gebaut, die Datenströme über das Weltall an Satelliten und von dort aus in alle Welt übermitteln. Star-Architekt Gustav Peichl sorgte mit einem wegweisenden Konzept dafür, dass die Erdefunkstelle auch in architektonischer Hinsicht „state of the art“ war und ist.

Selbst wählen nach nah und fern

Parallel dazu wurde die Vollautomatisierung weiter vorangetrieben: Am 14. Dezember 1972 wurde auch Karlstein/Thaya in Niederösterreich als letzte Ortschaft in den Selbstwählfernverkehr integriert. Die Telefonteilnehmer konnten ab diesem Zeitpunkt alle ihre Gesprächspartner innerhalb Österreichs selbst anwählen. Damit war auch die Zeit des Fräuleins vom Amt endgültig vorbei. Allerdings war zu diesem Zeitpunkt die Bezeichnung schon lange irreführend, denn das letzte Fräulein vom Amt, das in Österreich Verbindungen durchstöpselte, war ein Mann.

Darüber hinaus funktionierte die Selbstwahl von Ferngesprächen bald auch international: Ab 1964 waren Telefongespräche mit Selbstwahl in die Bundesrepublik Deutschland, aber auch in die Schweiz und nach Italien möglich. Schon 1971/1972 wurde die noch heute bekannte Vorwahl „00“ für internationale Gespräche eingeführt, ab 1979 konnten die Teilnehmer
laufend neue Destinationen auch im Interkontinentalverkehr anwählen.
Diese Innovation der Post- und Telegraphenverwaltung wurde gut angenommen: Von 1953 bis 1972 stieg die Zahl der Telefonanschlüsse von 275.580 auf 1,16 Millionen. Zum hundertjährigen Jubiläum der Telefonie in Österreich 1981 zog die Post- und Telegraphenverwaltung folgende Bilanz: „Zur Zeit sind zwar schon etwa 2,3 Millionen Österreicher Besitzer eines Fernsprech-Hauptanschlusses, doch ist die Nachfrage weiterhin steigend; es wird demnach noch viel zu tun sein, bis die „Warteliste“ – obwohl ständig sinkend – endgültig der Vergangenheit angehört ...“

Text + Bilder: Telekom Austria

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