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Digitale Welt

Entwicklung von Telefon und Internet

Anfang der 70er Jahre wurde in Wien ein großes Bauvorhaben in Angriff genommen:Neben den beiden zentralen Vermittlungsämtern Schillerplatz und Börseplatz sollte ein drittes sogenanntes Hauptbereichsamt entstehen. Als Bauplatz bot sich ein im Eigentum der Post- und Telegraphenverwaltung stehendes Grundstück an, auf dem schon das Fernmeldetechnische Zentralamt und die Fernmeldezentral-Bauleitung untergebracht waren. Dieses Grundstück lag innerhalb des Arsenals, eines ehemaligen militärischen Gebäudekomplexes im dritten Wiener Gemeindebezirk.

© Telekom Austria |

1972-1999: Das Festnetz verbindet die Welt

Der Spatenstich zum neuen Hauptbereichsamt Arsenal, in dem auch eine Auslandsvermittlungsstelle, ein Ortsamt, ein Verstärkeramt, das Fernschreib- und Datenübertragungsamt sowie der funktechnische Dienst und diverse Lager untergebracht waren, erfolgte am 15. Oktober 1973. Nach fünfjähriger Bauzeit wurde das FZG (Fernmeldezentralgebäude) Arsenal am 8. September 1978 feierlich eröffnet. In den Jahren 1977 und 1978 beschloss die Post- und Telegraphenverwaltung, bis Mitte der 80er Jahre ein neues System für die Wählvermittlung in Österreich einzuführen. Einerseits mussten einige Ämter wegen Überalterung und Abnutzung erneuert werden, andererseits wollte man die neuesten Technologien nutzen. 1983 wurden die ersten Feldversuchsanlagen für das neue digitale Telefonsystem OES (Österreichisches Elektronisches System) im Wiener Arsenal vorgestellt und zum Testen übergeben. Das digitale Telefonsystem in den Wählämtern Krugerstraße und Dreihufeisengasse wurde 1985 implementiert. Zum Jahresende konnten die Wienerinnen und Wiener bereits digital telefonieren. Die Vorteile des digitalen Systems für die Anwender sind vielfältig: Durch Wandlung von Signalen in digitale Form können diese einfacher und exakter bearbeitet und transportiert werden. Auch bei langen Transportwegen und nach vielfacher Bearbeitung sind Fehler und Verfälschungen, zum Beispiel Rauschüberlagerungen, gering. Weiters wurden neue Dienste wie Anrufweiterschaltung, Anklopfen und Dreierkonferenz möglich.

Flächendeckende Versorgung

Ende 1996 war in der Fernnetzebene der landesweite Systemtausch schon so weit gediehen, dass die letzten analogen Einrichtungen abgeschaltet werden konnten. Auf Ortsnetzebene dauerte es noch einige Jahre länger, in Wien wurden am 24. Dezember 1999 die letzten analogen Teilnehmer auf digitale Ämter umgeschaltet. Die Umstellung auf das Digitalnetz war damit zu Weihnachten 1999 abgeschlossen. Und ein weiteres historisches Datum fällt in
dieses Jahr: Mit rund 4,2 Millionen Festnetzanschlüssen konnte erstmals eine flächendeckende Versorgung erreicht werden – jeder österreichische Haushalt verfügte über einen Festnetz-Anschluss.

ISDN – ein gemeinsames Netz für viele Dienste

Noch während der Umstellung auf das digitale System, ab 1992, fiel der Startschuss für ISDN. ISDN bedeutet Integrated Services Digital Network, übersetzt: Integriertes Sprach- und Daten-Netz. Es handelt sich hierbei um ein digitales Übertragungsprinzip, das eine viel höhere Übertragungsgeschwindigkeit erlaubt. Die Innovation: Alle Telekommunikationsdienste für Sprach-, Text-, Bild- und Datenkommunikation laufen bei ISDN über einen Teilnehmeranschluss, also über eine Rufnummer. Zudem können je zwei Endgeräte gleichzeitig betrieben werden, zum Beispiel ein normales Telefon und ein Faxgerät. Die Nachfrage nach ISDN war von Anfang an sehr groß, speziell Firmen wollten von der schnellen Datenübertragung profitieren. Mit nur einem ISDN Multianschluss konnten sie bis zu 30 analoge Amtsleitungen bei ihren Nebenstellenanlagen ersetzen. Doch auch im Privatkundenbereich kamen immer mehr Kunden auf den Geschmack und orderten ISDN Basisanschlüsse.

In das Jahr 1996 fällt ein wichtiger Punkt für die weitere Entwicklung des österreichischen Telekommunikationsmarktes: Die Ausgliederung der Post und Telekom Austria (PTA) aus der Bundesverwaltung. Bis zu diesem Zeitpunkt war die Telefonie rund hundert Jahre in staatlicher Hand gewesen, nun jedoch war für Festnetzverkehr kein natürliches Monopol mehr gegeben. Diese neue Marktsituation erforderte eine gänzlich neue Art der Regulierung. Statt den Monopolaufsichtsbehörden gründete man neue, weitgehend unabhängige Regulierungsbehörden. Sie sollten als Vermittler zwischen alteingesessenen Monopolisten und neuen Telekommunikationsunternehmen auftreten. In Österreich nahm die Telekom-Control (TKC) auf der Grundlage des Telekommunikationsgesetzes von 1997 am 1. November 1997 ihre Tätigkeit auf und zeichnet seit diesem Zeitpunkt für die hoheitlichen Aufgaben des Fernmeldewesens verantwortlich. Ab 1998 war das Telefonfestnetz für neue
Anbieter geöffnet. Im Juli desselben Jahres wurde der Geschäftsbereich Telekommunikation“ der PTA zur eigenständigen Tochtergesellschaft Telekom Austria AG. Die Wurzeln des Internets stecken im militärischen Bereich, und zwar im Arpanet der 1958 gegründeten militärischen US-Forschungsbehörde Arpa (Advanced Research Projects Agency). Das Arpanet war eine rein wissenschaftliche Einrichtung, deren Forschungsergebnisse in militärische Zwecke einflossen. Das System wurde im universitären Bereich und für militärische Zwecke ständig weiterentwickelt.

„Ja, wir sehen das O!“

1969 war das eigentliche Geburtsjahr des Internets: Vier Computerzentren wurden innerhalb des Arpanets verbunden – die kalifornischen Universitäten in Santa Barbara und Los Angeles, das Stanford Research Institut und die Universität von Utah. Am 10. Oktober 1969 erfolgte dann die erste Kommunikation zwischen Rechnern in Stanford und Los Angeles. Der Programmierer Leonard Kleinrock versuchte von Los Angeles aus die ersten Schritte: „Wir tippten also das L ein und fragten am Telefon ‚Seht ihr das L?‘ ‚Wir sehen es‘, war die Antwort. Wir tippten das O ein und fragten ‚Seht ihr das O?‘ ‚Ja, wir sehen das O!‘ Wir tippten das G ein … und die Maschine stürzte ab.“ Obwohl der erste Versuch mit einem Systemabsturz endete, gilt für viele Experten der 10. Oktober 1969 als das wahre Geburtsdatum des Internets. 1974 wurden die ersten Rechner außerhalb der USA an das Arpanet angeschlossen. 1983 waren bereits 4.000 Rechner am Netz.

Die Geburt des World Wide Web 1991 machte Tim Berners-Lee vom Europäischen Kernforschungslabor CERN in Genf sein Hypertext- System öffentlich. Damit wurde es möglich, durch „Links“ genannte Querverweise auf Informationen zuzugreifen, die auf ganz anderen Rechnern gespeichert waren. Die Dokumente bekamen auch eine eigene Adresse, die spätere „URL“ (Uniform Resource Locator) – somit war das World Wide Web geboren. Der Durchbruch kam um 1995, als erstmals benutzerfreundliche Browser auf den Markt kamen, sodass das Internet auch für Laien zugänglich wurde. Die Ausbreitungsgeschwindigkeit des neuen Mediums stellte alle bisherigen Technologien in den Schatten.

Auch in Österreich verfolgte man die Entwicklung des Internets aufmerksam. Bereits am 10. August 1990 wurde die Universität Wien als erster österreichischer Knoten mit einer permanenten Leitung an das weltweite Internet angeschlossen. Zu diesem Anlass ließ das EDV-Zentrum der Universität Wien verlautbaren: „Die enorme Bedeutung dieser neugeschaffenen Kommunikationsmöglichkeiten (…) für die österreichische Wissenschaft kann nicht hoch genug eingeschätzt werden.“ Welche Bedeutung das Internet auch außerhalb der Wissenschaft erlangen sollte, konnte man sich damals jedoch noch nicht vorstellen.
Bereits im März 1991 hatten sieben österreichische Universitäten über die Universität Wien einen Zugang zum Internet. Der Web-Zugang wurde von den Benutzern begeistert angenommen: Die Auslastung der Datenleitung zum CERN in Genf erreichte fallweise bereits die 100%-Marke. Gegen Ende des Jahres 1991 trafen sich Vertreter mehrerer europäischer akademischer und kommerzieller Netzwerke und gründeten unter dem Namen „Ebone“ ein Konsortium, um das Management, den Betrieb und die Finanzierung der Internet-Verbindungen in Europa gemeinsam wahrzunehmen. 1993 wurde die Universität Wien an das Ebone-Backbone-Netz angeschlossen.

Ein Netz für Wissenschaft und Forschung

Seit 1992 betreibt der Zentrale Informatikdienst der Universität Wien im Auftrag des BMBWK auch das österreichische Wissenschaftsnetz ACOnet. Das nationale Hochleistungs-Backbone-Netz stellt allen österreichischen gemeinnützigen Einrichtungen der Forschung, Bildung und Kultur IPServices und den Zugang zu internationalen Netzen zur Verfügung. Telekom Austria war und ist Technologiepartner bei Errichtung und Betrieb des ACOnet.

Erste Internet-Angebote

Die Post- und Telegraphenverwaltung (PTV) bot ab 1995 zusammen mit ihren Partnern (Radio Austria und Spardat) verschiedene Internet-Pakete für Geschäfts- und Privatkunden an. Der offensive Einstieg in den Online-Markt erfolgte im November 1995 mit der Zugangsplattform „Highway 194“, die Datenübertragungsraten bis 34 Mbit/s und die Zuschaltung unterschiedlichster Online- und Informationsdienste ermöglichte. Im Mai 1996 wurde der neue Online-Dienst der Post und Telekom Austria (PTA) – A-online – mit vielen
neuen Leistungsmerkmalen auf den Markt gebracht. Der Siegeszug des Internets in Österreich hatte begonnen.

Text + Bilder: Telekom Austria

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