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Fritz Lindengrün
Psyche Text: Fritz Lindengrün

Psychotherapie auf Krankenschein – Was zahlen WGKK, BVA und SVA?

Für viele Menschen sind die Kosten einer Psychotherapie abschreckend. Seit 2001 bezahlen die Wiener Krankenkassen die "Psychotherapie auf Krankenschein“ fast vollständig unter der Bedingung, dass eine ärztlich diagnostizierte psychische Störung vorliegt. Wir haben bei den Versicherungen der Selbstständigen SVA, der öffentlich Bediensteten BVA und der Wiener Gebietskrankenkasse WGKK nachgefragt, welche Kosten übernommen werden und welche Voraussetzungen für einen Kostenzuschuss gegeben sind.

Frau sitzt bei der Therapeutin auf der Couch und blickt traurig zu Boden. Die Therapeutin macht Notizen.
Manchmal kann eine Psychotherapie hilfreich sein.

Allgemeines zu Psychotherapie-Behandlung mit Kassenzuschuss

Eine Psychotherapie-Sitzung kostet in Wien zwischen 60 und 130 Euro. Diese kann jede/r, egal mit welchen psychischen Anliegen gegen Entgelt in Anspruch nehmen. Damit die Krankenversicherung die vollen Kosten bzw. einen Kostenzuschuss für die Therapie gewährt, muss der Klient zum Patienten werden. Was heißt das?

Internationale Klassifikation von Krankheiten

Die Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (ICD, englisch International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems) ist das wichtigste, weltweit anerkannte Klassifikationssystem für medizinische Diagnosen und wird von der WKO veröffentlicht und laufend aktualisiert. Psychische Störung Verhaltensstörung werden hier genau definiert nach ICD F00-F99 Kapitel V

Wird eine psychische Störung diagnostiziert, werden psychotherapeutische Behandlungen (unterschiedliche Methoden möglich) als wissenschaftlich fundierte und nachhaltige Behandlungsmethoden der "ärztlichen Hilfe" gleichgestellt und von den Krankenkassen in unterschiedlicher Höhe finanziell übernommen.

Wer bietet psychotherapeutische Behandlungen

Wie in der medizinischen Versorgung, gibt es auch bei psychischen Störungen die Möglichkeit von einem Kassenvertragsarzt/-therapeuten oder von einem Wahlarzt/-therapeuten behandelt zu werden.

  • Psychotherapie auf Krankenschein: Kassenvertragsarzt /-therapeuten
  • Kostenzuschuss auf Psychotherapie: Wahlarzt /-therapeuten

Voll finanzierten Psychotherapieplätze bei Kassenvertragspartnern sind jedoch rar und werden vorrangig an sozial bedürftige Menschen vergeben, auch auf den Schweregrad der psychischen Störung wird meist Rücksicht genommen (Entscheidung liegt beim Therapeuten). Mitunter muss man also bei diesen Vertragspartnern mit längeren Wartezeiten von mehreren Monaten rechnen. Für Kinder und Jugendliche ist es manchmal leichter, einen vollfinanzierten Therapieplatz zu bekommen.

Sind beispielsweise berufliche, schulische oder private Probleme der Grund für die Therapie, zahlen die Kassen keinen Kostenbeitrag.

Jetzt Petition unterzeichnen für: Psychotherapie auf Krankenschein für alle! Jetzt - Österreich!

Was zahlt nun die Wiener Gebietskrankenkasse, die Versicherungsanstalt öffentlich Bediensteter und die Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft und worauf ist bei der Antragstellung zu achten:

Was zahlt die Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK)?

Grundvoraussetzung für die Übernahme einer psychotherapeutischen Behandlung durch die Wiener Gebietskrankenkasse ist eine ärztliche Bestätigung (spätestens vor der zweiten Therapie-Sitzung), die dem PsychotherapeutenIn vorgelegt werden muss. Somit gibt es einen Kostenzuschuss nur bei Vorliegen einer psychischen Störung, die als Krankheit im sozialversicherungsrechtlichen Sinn angesehen wird. 

Wo können Sie psychotherapeutische Behandlungen in Anspruch nehmen?

Psychotherapeutische Behandlungen können Sie bei einem Vertragspartner der WGKK in Anspruch nehmen, oder bei einem Wahlarzt/-psychotherapeuten/in. Der Unterschied liegt ausschließlich in der Abrechnung (vergl. Kassenvertragsarzt und Wahlarzt). Vertragspartner der WGKK rechnen direkt mit der Kasse ab, es entstehen Ihnen keine Kosten. Bei Wahltherapeuten müssen Sie die Kosten vorab bezahlen und können dann die Honorarnoten bei der WGKK für einen Kostenzuschuss einreichen. Die WGKK behält keinen Selbstbehalt ein.

Vertragspartner der WGKK für Psychotherapie

  • Der  „Wiener Verein für ambulante Psychotherapie“ Tel: 01 402 56 96
  • Die „Wiener Gesellschaft für psychotherapeutische Versorgung“ Tel: 01 310 210 0
  • Außerdem einige  spezialisierte Einrichtungen (Drogenmissbrauch, Trauma, Essstörungen, Kinder, Multiple Sklerose-Patientinnen/-Patienten)

Darüber hinaus bietet die WGKK ihren Versicherten eine psychotherapeutische Ambulanz. Hier führen selbstständige Psychologen die Behandlung auf Kassenkosten durch.

Psychotherapie beim Wahltherapeuten oder im Spital

Für eine Psychotherapie beim sogenannten Wahltherapeuten kann Kostenzuschuss beantragt werden.

„Der Zuschuss für Psychotherapie beim Wahlarzt beträgt etwa 21,60 € pro einer Sitzung von 60 Minuten. Bei einem Facharzt für Psychiatrie ist der Kostenzuschuss abhängig von den erbrachten Leistungen.“ (WGKK, Abteilung Wahlarzt-Verrechnung, Stand 1.1.2017)

Auch hier muss eine ärztliche Untersuchung stattfinden (spätestens vor der zweiten Psychotherapie-Sitzung), damit die Krankenkasse zahlt. Die Honorar-Note des Wahltherapeuten muss der Krankenkasse vorgelegt werden. Die Kostenübernahme bei einer klinisch-psychiatrischen Behandlung, also in einem Spital, ist abhängig von den durchgeführten Untersuchungen und der Diagnose.

Achtung: Beachten Sie die Antragsfristen! Genaueres dazu finden Sie im Informationsblatt.

Informationsblatt und Vertragspartner der WGKK für psychotherapeutische Behandlungen

WGKK Onlineratgeber - Kostenerstattung

Was zahlt die Versicherungsanstalt öffentlich Bediensteter (BVA)?

Die Kosten einer Psychotherapie bei einem Vertragspartner der BVA werden weitgehend von der BVA übernommen. Der übliche Behandlungsbeitrag von 10 % ist vom Patienten im Nachhinein zu bezahlen (Gleichstellung mit ärztlicher Hilfe). Für einkommensschwache Patienten wird dieser Selbstbehalt reduziert oder gänzlich erlassen. 

„Damit der Behandlungsbeitrag nicht zu einer unzumutbaren Belastung für unsere Versicherten wird, hat die BVA vielmehr durch die Festsetzung eigener Richtlinien ein Netz für sozial Schwache gespannt. Dadurch ist es möglich, unter gewissen Voraussetzungen den Behandlungsbeitrag teilweise oder gänzlich nachzusehen. Anspruchsberechtigte Kinder, Waisen sowie Kinder, die infolge Krankheit oder Gebrechen erwerbsunfähig sind, sind vom Behandlungsbeitrag befreit.“ (DirRat Peter Fieber - BVA, Abteilungsleiter Unfallverhütung und Öffentlichkeitsarbeit)


Wird die Psychotherapie nicht bei einem Vertragspartner der BVA durchgeführt (freiberuflicher, zur selbständigen Berufsausübung berechtigter PsychotherapeutIn, entsprechend ausgebildeter Vertragsarzt ohne BVA-Vertrag für psychotherapeutische Leistungen), erhält der Versicherte einen Zuschuss. Die genaue Höhe des Zuschusses wird von der Art der Behandlung bestimmt z.B.:

Einzelsitzung
ab 25 Minuten – 23,34 €
ab 50 Minuten – 40,- €

Gruppensitzung
ab 45 Minuten –  9,34 €
ab 90 Minuten –  13,34 €

Der Versicherte muss der BVA und dem Psychotherapeuten/der Psychotherapeutin die Durchführung einer ärztlichen Untersuchung spätestens vor der zweiten Sitzung der Behandlungsserie nachweisen. Vor der elften Sitzung muss ein Bewilligungsantrag an die Versicherung gestellt werden. Hier gibt es keinen Zuschuss, die BVA rechnet direkt mit der jeweiligen Klinik direkt ab und kommt für entsprechende Leistungen auf.

Liste der Psychologen mit BVA Vertrag

Was zahlt die Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft (SVA)?

Die SVA hat verschiedene Vertragspartner in Österreich. Diese können Sie mit Ihrer E-Card aufsuchen. Die SVA übernimmt dann den Großteil der Kosten für die Sitzung. Der Patient bezahlt lediglich 20 % Selbstbehalt. Dies entspricht in Wien normalerweise 10,60 € pro Sitzung.

„Fachärztliche Behandlungen bei SVA-Vertragsärzten werden direkt mit der SVA verrechnet. Der Versicherte besucht den Arzt mit seiner E-Card. Im Nachhinein fällt für den Versicherten ein Selbstbehalt von 20 % an, es sei denn er ist entweder vom Selbstbehalt befreit oder er nimmt am SVA-Vorsorgeprogramm Selbständig Gesund teil und erreicht seine Gesundheitsziele, dann sind es für alle ärztlichen Leistungen nur 10 % Selbstbehalt.“ (Patricia Gassner, Pressesprecherin SVA)

Nach der ersten Psychotherapie-Sitzung ist eine Überweisung des Allgemeinmediziners oder Facharztes notwendig, um weitere Therapiesitzungen per E-Card zu besuchen. Ist der Psychotherapeut kein Mitglied eines Partnervereins der SVA, gewährt die Kasse einen Zuschuss von bis zu 22 Euro. Eine klinisch psychiatrische Behandlung ist einem Spitalsaufenthalt gleichgesetzt. Die SVA übernimmt daher die vollständigen Kosten der allgemeinen Gebührenklasse.

Die verschiedenen Krankenversicherungen bieten eine recht gute finanzielle Unterstützung für Menschen mit psychischen Krankheiten. Bei der SVA und der BVA fallen auch bei Kassenärzten Selbstbehalte an, bei der Wiener Gebietskrankenkasse nicht. Besonders wichtig ist es, die Antragsfristen einzuhalten und Honorar-Noten des Wahlarztes aufzubewahren. Denn in manchen Fällen erteilt die Krankenkasse auch Kostenzuschüsse.

Aktualisiert: 1.12.2017

Weiterführende Links:

Wiener Verein für ambulante Psychotherapie

Wiener Gesellschaft für psychotherapeutische Versorgung

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weitere Meinungen

Die Aussage "Auch hier muss eine ärztliche Überweisung an den Psychotherapeuten stattfinden, damit die Krankenkasse zahlt" ist falsch. Unter keinen Umständen ist eine ärztliche ZUWEISUNG zur Psychotherapie notwendig; falls um Refundierung angesucht wird, ist eine ärztliche UNTERSUCHUNG zum Ausschluss körperlicher Ursachen der Symptomatik notwendig, aber keine Beurteilung, ob Psychotherapie indiziert ist. Diese Einschätzung obliegt ausschließlich den PsychotherapeutInnen.

Außerdem wird in dem Artikel nicht klar zwischen dem Zuschuss zur Psychotherapie und den kontingentierten vollfinanzierten Kassenplätzen ("Psychotherapie auf Krankenschein") unterschieden, die bestimmte niedergelassenen PsychotherapeutInnen über die Vereine VAP und WGPV anbieten.

, 16.12.2015 um 21:06

Danke für Ihre Beiträge. Wir haben nochmals recherchiert und den Stundensatz im Artikel angepasst.
Beste Grüße
Fritz Lindengrün

, 08.12.2015 um 14:29

Ich bin nun seit 30 Jahren Psychotherapeutin (ausschliesslich) mit mehreren fachspezifischen Ausbildungen. Mein Honorar ist EUR 100.-. Ich weiss, dass oft auch 120.-/Sitzung verlangt wird. Um 50.-/Sitzung arbeitet man allenfalls unmittelbar nach der Ausbildung, doch auch da wird meist mehr verlangt. Ich kenne viele TherapeutInnen und deren durchschnittliche Honorarhöhe. Die obige Information bezüglich der Honorarhöhe ist also irreführend und erzeugt wahrscheinlich nur Verärgerung bei KlientInnen. Wer Kassenplätze anbietet, tut das aus sozialen Gründen. Die Kassenplätze sind seitens der Versorgungsvereine kontingentiert. (4 Plätze WGKK bei mir). Vom wirtschaftlichen Standpunkt aus gesehen ist es kaum möglich ein Ein-Personen-Unternehmen in Österreich mit 50.-/Sitzung zu betreiben, ohne in finanzielle Nöte zu kommen. Das ist die Realität.

, 08.12.2015 um 10:59

"Die verschiedenen Krankenversicherungen bieten eine recht gute finanzielle Unterstützung für Menschen mit psychischen Krankheiten" WTF?! Lieber Herr Lindengrün, vielleicht sollten Sie mal recherchieren was eine gute Psychotherapiestunde kostet (~100) da sind 20€ fast lächerlich. rechnen Sie mal, was das für nicht so finanzkräftige Menschen zB auf ein Jahr mit einer Sitzung pro Woche bedeutet: 100*50=5000€ bzw nach mit Zuschuss 'nur' 80*50=4000€

, 04.12.2015 um 02:06
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