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Fritz Lindengrün
Psyche Text: Fritz Lindengrün

Psychotherapie auf Krankenschein – Was zahlen WGKK, BVA und SVA?

Für viele Menschen sind die Kosten einer Psychotherapie abschreckend. Allerdings bezahlen die Krankenkassen die Therapie bei einer psychischen Krankheit fast vollständig. Wir haben bei der Versicherung der Selbstständigen, der öffentlich Bediensteten und der Wiener Gebietskrankenkasse nachgefragt, welche Kosten übernommen werden und wie man eine „Psychotherapie auf Krankenschein“ bekommt.

Frau sitzt bei der Therapeutin auf der Couch und blickt traurig zu Boden. Die Therapeutin macht Notizen.
Manchmal kann eine Psychotherapie hilfreich sein.

Allgemeines zur Psychotherapie-Behandlung

Eine Psychotherapie-Sitzung kostet in Wien zwischen 60 und 120 Euro. Krankenversicherungen übernehmen mittlerweile einen Großteil der Kosten. Allerdings nur, wenn die Psychotherapie bei einem ihrer Vertragspartnern durchgeführt wird. Mitunter muss man bei diesen Vertragspartnern aber zunächst auf die Warteliste.

Die Versicherung zahlt auch nur, wenn tatsächlich eine psychische Krankheit vom Arzt diagnostiziert wurde. Sind beispielsweise berufliche, schulische oder private Probleme der Grund für die Therapie, kommen die Kassen in weit geringerem Maße dafür auf. Je nach Krankenkasse ist auch der Selbstbehalt beziehungsweise Kostenbeitrag des Patienten unterschiedlich.

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Was zahlt die Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK)?

Die Wiener Gebietskrankenkasse übernimmt die kompletten Kosten einer Therapie bei einem ihrer Vertragspartner.

Vertragspartner der WGKK für Psychotherapie

  • Der  „Wiener Verein für ambulante Psychotherapie“
  • Die „Wiener Gesellschaft für psychotherapeutische Versorgung“
  • Außerdem einige  spezialisierte Einrichtungen (Drogenmissbrauch, Trauma, Essstörungen, Kinder, Multiple Sklerose-Patientinnen/-Patienten)

Darüber hinaus bietet die WGKK ihren Versicherten eine psychotherapeutische Ambulanz. Hier führen selbstständige Psychologen die Behandlung auf Kassenkosten durch.

Psychotherapie beim Wahlarzt oder im Spital

Für eine Psychotherapie beim sogenannten Wahlarzt kann Kostenzuschuss beantragt werden.

„Der Zuschuss für Psychotherapie beim Wahlarzt beträgt etwa 21 € pro einer Sitzung von 60 Minuten. Bei einem Facharzt für Psychiatrie ist der Kostenzuschuss abhängig von den erbrachten Leistungen.“ (WGKK, Abteilung Wahlarzt-Verrechnung)

Auch hier muss eine ärztliche Überweisung an den Psychotherapeuten stattfinden, damit die Krankenkasse zahlt. Die Honorar-Note des Wahlarztes muss ebenfalls der Krankenkasse vorgelegt werden.  Die Kostenübernahme bei einer klinisch-psychiatrischen Behandlung, also in einem Spital, ist abhängig von den durchgeführten Untersuchungen und der Diagnose.

Was zahlt die Versicherungsanstalt öffentlich Bediensteter (BVA)?

Die Kosten einer Psychotherapie bei einem Vertragspartner der BVA werden weitgehend von der Kasse übernommen. Der übliche Behandlungsbeitrag von 20% ist vom Patienten im Nachhinein zu bezahlen. Für einkommensschwache Patienten wird dieser Selbstbehalt reduziert oder gänzlich erlassen. 

„Damit der Behandlungsbeitrag nicht zu einer unzumutbaren Belastung für unsere Versicherten wird, hat die BVA vielmehr durch die Festsetzung eigener Richtlinien ein Netz für sozial Schwache gespannt. Dadurch ist es möglich, unter gewissen Voraussetzungen den Behandlungsbeitrag teilweise oder gänzlich nachzusehen. Anspruchsberechtigte Kinder, Waisen sowie Kinder, die infolge Krankheit oder Gebrechen erwerbsunfähig sind, sind vom Behandlungsbeitrag befreit.“ (DirRat Peter Fieber - BVA, Abteilungsleiter Unfallverhütung und Öffentlichkeitsarbeit)


Wird die Psychotherapie nicht bei einem Vertragspartner der BVA durchgeführt, erhält der Versicherte einen Zuschuss von bis zu 21,80€.

Die genaue Höhe des Zuschusses wird von der Art der Behandlung bestimmt z.B.:

Einzelsitzung
ab 25 Minuten – 12,72€
ab 50 Minuten – 21,80€

Gruppensitzung
ab 4 Minuten –  5,09€
ab 90 Minuten –  7,12€

Der Versicherte muss der BVA und dem Psychotherapeuten/der Psychotherapeutin die Durchführung einer ärztlichen Untersuchung spätestens vor der zweiten Sitzung der Behandlungsserie nachweisen. Vor der elften Sitzung muss ein Bewilligungsantrag an die Versicherung gestellt werden. Hier gibt es keinen Zuschuss, die BVA rechnet direkt mit der jeweiligen Klinik direkt ab und kommt für entsprechende Leistungen auf.

Was zahlt die Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft (SVA)?

Die SVA hat verschiedene Vertragspartner in Österreich. Diese können Sie mit Ihrer E-Card aufsuchen. Die SVA übernimmt dann den Großteil der Kosten für die Sitzung. Der Patient bezahlt lediglich 20% Selbstbehalt. Dies entspricht in Wien normalerweise 10,60 € pro Sitzung.

„Fachärztliche Behandlungen bei SVA-Vertragsärzten werden direkt mit der SVA verrechnet. Der Versicherte besucht den Arzt mit seiner E-Card. Im Nachhinein fällt für den Versicherten ein Selbstbehalt von 20 % an, es sei denn er ist entweder vom Selbstbehalt befreit oder er nimmt am SVA-Vorsorgeprogramm Selbständig Gesund teil und erreicht seine Gesundheitsziele, dann sind es für alle ärztlichen Leistungen nur 10 % Selbstbehalt.“ (Patricia Gassner, Pressesprecherin SVA)

Nach der ersten Psychotherapie-Sitzung ist eine Überweisung des Allgemeinmediziners oder Facharztes notwendig, um weitere Therapiesitzungen per E-Card zu besuchen. Ist der Psychotherapeut kein Mitglied eines Partnervereins der SVA, gewährt die Kasse einen Zuschuss von bis zu 22 Euro. Eine klinisch psychiatrische Behandlung ist einem Spitalsaufenthalt gleichgesetzt. Die SVA übernimmt daher die vollständigen Kosten der allgemeinen Gebührenklasse.

Die verschiedenen Krankenversicherungen bieten eine recht gute finanzielle Unterstützung für Menschen mit psychischen Krankheiten. Bei der SVA und der BVA fallen auch bei Kassenärzten Selbstbehalte an, bei der Wiener Gebietskrankenkasse nicht. Besonders wichtig ist es, die Antragsfristen einzuhalten und Honorar-Noten des Wahlarztes aufzubewahren. Denn in manchen Fällen erteilt die Krankenkasse auch Kostenzuschüsse.

Weiterführende Links:

SVA Onlineratgeber - Kostenerstattung
BVA FAQ – Kostenerstattung
WGKK Onlineratgeber - Kostenerstattung

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weitere Meinungen

Die Aussage "Auch hier muss eine ärztliche Überweisung an den Psychotherapeuten stattfinden, damit die Krankenkasse zahlt" ist falsch. Unter keinen Umständen ist eine ärztliche ZUWEISUNG zur Psychotherapie notwendig; falls um Refundierung angesucht wird, ist eine ärztliche UNTERSUCHUNG zum Ausschluss körperlicher Ursachen der Symptomatik notwendig, aber keine Beurteilung, ob Psychotherapie indiziert ist. Diese Einschätzung obliegt ausschließlich den PsychotherapeutInnen.

Außerdem wird in dem Artikel nicht klar zwischen dem Zuschuss zur Psychotherapie und den kontingentierten vollfinanzierten Kassenplätzen ("Psychotherapie auf Krankenschein") unterschieden, die bestimmte niedergelassenen PsychotherapeutInnen über die Vereine VAP und WGPV anbieten.

, 16.12.2015 um 21:06

Danke für Ihre Beiträge. Wir haben nochmals recherchiert und den Stundensatz im Artikel angepasst.
Beste Grüße
Fritz Lindengrün

, 08.12.2015 um 14:29

Ich bin nun seit 30 Jahren Psychotherapeutin (ausschliesslich) mit mehreren fachspezifischen Ausbildungen. Mein Honorar ist EUR 100.-. Ich weiss, dass oft auch 120.-/Sitzung verlangt wird. Um 50.-/Sitzung arbeitet man allenfalls unmittelbar nach der Ausbildung, doch auch da wird meist mehr verlangt. Ich kenne viele TherapeutInnen und deren durchschnittliche Honorarhöhe. Die obige Information bezüglich der Honorarhöhe ist also irreführend und erzeugt wahrscheinlich nur Verärgerung bei KlientInnen. Wer Kassenplätze anbietet, tut das aus sozialen Gründen. Die Kassenplätze sind seitens der Versorgungsvereine kontingentiert. (4 Plätze WGKK bei mir). Vom wirtschaftlichen Standpunkt aus gesehen ist es kaum möglich ein Ein-Personen-Unternehmen in Österreich mit 50.-/Sitzung zu betreiben, ohne in finanzielle Nöte zu kommen. Das ist die Realität.

, 08.12.2015 um 10:59

"Die verschiedenen Krankenversicherungen bieten eine recht gute finanzielle Unterstützung für Menschen mit psychischen Krankheiten" WTF?! Lieber Herr Lindengrün, vielleicht sollten Sie mal recherchieren was eine gute Psychotherapiestunde kostet (~100) da sind 20€ fast lächerlich. rechnen Sie mal, was das für nicht so finanzkräftige Menschen zB auf ein Jahr mit einer Sitzung pro Woche bedeutet: 100*50=5000€ bzw nach mit Zuschuss 'nur' 80*50=4000€

, 04.12.2015 um 02:06
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