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Pauschalreise mit Mängel: Urlaub nicht verlaufen wie erhofft?

Voller Vorfreude geht es in den Urlaub, vor dem inneren Auge nehmen die attraktiv klingenden Wortgebilde der Werbung und die dazugehörigen Fotos plastische Gestalt an doch dann, einmal angekommen, löst sich Vorfreude auf in bittere Enttäuschung. Denn es ist es nicht so wie erwartet. So gar nicht. Gerade bei Pauschalreisen in der Hochsaison häufen sich die Beschwerden. Was man im Detail machen kann und inwieweit eine Entschädigung zu erwarten ist, darüber gibt Dr. Barbara Forster, Juristin beim Europäischen Verbraucherzentrum (EVZ) Auskunft.

Brücke die aufs Meer hinaus führt mit weißem Zaun
© Pixabay | Der Urlaub ist nicht so wie gedacht? Dokumentieren Sie die Mängel!

Die Tipps des EVZ betreffen vor allem europäisches Recht

Vertragspartner bei Pauschalreisen sind immer die Reiseveranstalter. Wer von der EU aus reist wird meistens über einen Veranstalter buchen, der auch in der EU seinen Sitz hat. Das hat den Vorteil, dass im Falle von Schwierigkeiten die reisende Person rechtlich besser gestellt ist. Liegt zum Beispiel das Hotel außerhalb der EU, ist aber nicht Teil der Pauschalreise, kann eine Rechtsdurchsetzung, insbesondere wenn diese außergerichtlich verlaufen soll, schwierig werden. Dr. Forster rät bereits vor der Buchung Hotelbeschreibungen kritisch zu lesen und auf Euphemismen zu achten. Verkehrsgünstig bedeutet auch viel Verkehr. Also laut. Meerseitig heißt nicht mit Blick auf Meer und könnte genauso gut die fensterlose Wand meinen.

Nun hat man aber alles kritisch gelesen, hat sich ausführlich informiert und sich das Hotel sogar auf Google Maps angesehen, aber: es passt einfach nicht. Die Lattenroste im Zimmer sind kaputt, oder zum Essen gibt es anstelle eines reichhaltigen Buffets ein trockenes Toastbrot ohne Butter. In solchen Fällen ist es wichtig, dass Mängel sofort gemeldet werden, denn so können Ansprüche auch später geltend gemacht werden. Beschwerden schriftlich zu deponieren wird ebenfalls empfohlen, denn eine schriftliche Kopie hat den Vorteil, dass sie später als Beweis vorgelegt werden kann. Man kann dies zwar über das Reisebüro tun, falls eines im Buchungsprozedere involviert war, aber das EVZ rät dazu, den Veranstalter direkt zu kontaktieren.

Pauschalreise genau dokumentieren

Ähnlich wie bei den schriftlichen Beschwerden lohnt es sich, alles zu dokumentieren, was mit dem Beschwerdefall zu tun hat. Dazu gehören Fotos von Mängeln oder Atteste und ärztliche Bescheinigungen im Falle einer Lebensmittelvergiftung. Vor allem wenn das eigene Wohlbefinden Schaden nimmt, kann auch Schmerzensgeld geltend gemacht werden. Daher ist eine akribische chronologische Dokumentation des Krankheitsverlaufs essenziel. Dr. Forster rät auch, dass die Beschwerde in irgendeiner Form gegengezeichnet oder bestätigt wird. Dadurch lässt sich später Nachweisen, dass man die Mängel adäquat angesprochen hat.

Fest steht, dass eine Verbesserung widriger Umstände vom Veranstalter kostenlos erfolgen muss. Dabei sollte man aber vorerst nichts in Eigenregie tun und alles mit dem Veranstalter absprechen. Dabei kann man auch dem Veranstalter eine Frist setzen, in welcher die Verbesserung stattfinden muss. Sollte innerhalb dieser Frist keine Verbesserung erfolgt sein, kann in Eigenregie gehandelt werden und die Mehrkosten können im Nachhinein eingefordert werden.

Vogelperspektive eine Strandes
© Pixabay | Mangelhafte Pauschalreisen sind kein Grund Geld zu verlieren.

Reisepreisminderung nach Rückkehr

Sollte während der Reise keine Verbesserung der Umstände stattgefunden haben, denken Sie daran so bald wie möglich nach der Heimkehr eine Beschwerde per eingeschriebenen Brief geltend zu machen. Berufen Sie sich dabei auf die Mängel und beziffern Sie den Betrag, den sie geltend machen wollen. Sie sind zwar nicht rechtlich bindend, aber die Frankfurter Liste oder die Zak-Reisepreisminderungstabelle sind ein guter Ansatz, um einen angemessenen Schadensersatz zu ermitteln.

Sind der Veranstalter oder ein Vertragspartner unterdessen für persönlichen Schaden, beispielsweise durch verdorbenes Essen, verantwortlich, kann Schadensersatz geltend gemacht werden. Schadensersatz kann auch für entgangene Urlaubsfreude geltend gemacht werden, sollten erhebliche Mängel den Urlaub derartig beeinträchtig haben. In allen Fällen haben Sie ein Anrecht auf Rückerstattung oder eine Geldleistung. Gutscheine müssen nicht akzeptiert werden.

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