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Wald im Stadion: Ein Kunstprojekt das polarisiert

Der Künstler Klaus Littmann hat zusammen mit dem Landschaftsarchitekten Enzo Enea einen Wald mitten in das Klagenfurter Wörthersee Stadion gepflanzt. Die Vorlage dazu stammt von Max Peintners Bleistiftzeichnung aus den Jahren 1970/71. Jetzt ist es tatsächlich Realität geworden.

Stadion von oben bei Nacht mit beleuchtetem Wald
© Unimo | Das Stadion bei Nacht

Kunstevent als Mahnmal gegen den Klimawandel

Die Wirkungen des anthropogenen Klimawandels werden immer spürbarer. Das war der initiale Gedanke, der Klaus Littmann dazu motivierte „Die ungebrochene Anziehungskraft der Natur“ vom Blatt in die Realität zu holen. 300 Bäume wurden dafür benötigt, einige davon bis zu sechs Tonnen schwer, um einen mitteleuropäischen Mischwald mitten in Klagenfurt anzulegen.

Dabei wurde auch die Art des Waldes ganz bewusst gewählt. Rodung und kommerzieller Forstbetrieb in Form von Monokulturen sorgen seit Jahren für einen Rückgang von Mischwäldern in ganz Europa. Nadelbäume wie Fichten und Kiefern sind aufgrund ihres Wachstums und ihrer Beschaffenheit ein beliebtes Baumaterial. Die Folge ist eine überproportionale Neubepflanzung mit Nadelbäumen.

Der gebürtige Schweizer und international anerkannte Künstler Klaus Littmann fand nun im Klagenfurter Stadion die passende Stätte für die Realisierung der seit knapp 50 Jahren bestehenden Idee. Anfang der 70er Jahre fertigte der aus Tirol stammende Architekt und Maler Max Peintner eine Bleistiftzeichnung an, die Littmann derart faszinierte, dass er an der Realisierung bis heute festhielt. Gemeinsam mit dem renommierten Landschaftsarchitekten und Baumspezialisten Enzo Enea wurde der Wald mit 300 Bäumen in 10.000 Arbeitsstunden umgesetzt.

„Wir nutzen die Natur, aber wir respektieren sie nicht. Wir schmücken uns mit ihr, aber wir schützen sie nicht. Für mich als Landschaftsarchitekt ist FOR FOREST ein Statement für den Erhalt des Waldes in seiner ursprünglichen Form und Vielfalt." so Enzo Enea.

Klaus Littmann erklärt in diesem Video das Projekt For Forest:

Ein Wald im Stadion: Kritik und Kontroversen vorprogrammiert

Das Projekt brauchte jedoch einige Zeit, bis es schließlich umgesetzt werden konnte. Kritik gab es vor allem Aufgrund der Befürchtung, für das Projekt seien Steuergelder verwendet worden. Dies wurde jedoch entschieden verneint. Allein durch Sachspenden, Sponsorbeiträge und Mäzenen hat das Projekt seinen Weg nach Klagenfurt in das Wörthersee Stadion gefunden.

Tribühne vor dem Wald im Stadion
© Gerhard Maurer | Bäume statt Fußball in Klagenfurt

Eine zweite Welle der Empörung flammte auf als klar wurde, dass die Bäume für das Projekt nicht aus der Umgebung besorgt werden können, sondern aus den Nachbarländern antransportiert werden mußten. Grund dafür war, dass die für den Mischwald typischen Baumarten in verschulter Form (zur Wiederverpflanzung geeignet) in Österreich nicht verfügbar waren.

Und dann erreichte der Lavanttaler Bundesliga Fussballklub WAC auch noch die Europa League. Sie wären gerne für die großen Spiele nach Klagenfurt ausgewichen, nun finden diese in Graz statt.

Doch nicht nur Fußballfans ärgerten sich, sondern auch die FPÖ wendete sich strikt gegen das Projekt. Mit ungefähr 28 Aussendungen und zahlreichen Posts auf Facebook wurde For Forest schwer unter Beschuss genommen. Dennoch, bei der Eröffnung letzte Woche waren unter den Gästen auch einige der Kritiker zu sehen, die sich dem Anblick dann doch nicht verwehren konnten.

Besuch der Kunstintervention in Klagenfurt

Wer aus diesem Anlass der Kärntner Landeshauptstadt einen Besuch abstatten möchte, findet bei Springer Reisen, offizieller Reisepartner von For Forest  spezielle Angebote, auch für Gruppen und VIP Reisen.

Über die Website von For Forest werden auch nahegelegene Hotels empfohlen, vielleicht nehmen ja einige das Projekt zum Anlass und bleiben gleich für ein paar Tage länger in Klagenfurt. In diesem Fall können sich Interessente über die Webpage der Kunstaktion auch gleich über weitere Attraktionen und Reiseziele in der Umgebung informieren.

Freier Eintritt und spannende Side-Events

Littmanns Installation ist temporär angelegt und kann bis zum 27.10.2019 besucht werden und das bei freiem Eintritt. Zusätzlich finden täglich um 15 Uhr und 17 Uhr Führungen statt, ebenfalls kostenlos, Mindestanzahl 15 Personen.

Darüber hinaus finden in Kooperation mit der Forstlichen Ausbildungsstätte Ossiach des BFW und der Kammer für Land und Forstwirtschaft in Kärnten sowie dem Kärtner Forstverein Workshops für Schulklassen statt.

Aber auch für künstlerisch-ästhetische Unterhaltung ist in diesen Tagen in Klagenfurt gesorgt. Der Terminkalender ist derzeit voll mit allen möglichen Kunstaustellungen, Performances und Lesungen, die mal mehr, mal weniger in direkten Zusammenhang mit dem Projekt For Forest stehen.

Mehr dazu:

Projekt For Forest

CNN, 6.9.2019: Forest grows in the middle of a football stadium

NZZ, 5.9.2019: Bäume bald nur noch in Museen? Schweizer realisieren riesige Waldinstallation im Stadion in Klagenfurt

BBC, 9.9.2019: Austrian football stadium hosts forest as dystopian vision comes to life

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