Ausstellung: KHM nimmt Tizians "Christus mit der Weltkugel" in den Fokus

Christus mit der Weltkugel des Künstlers Tizian
© KHM-Museumsverband |

In der 25. Ausgabe seiner "ANSICHTSSACHE" widmet sich das Kunsthistorische Museum Tizians Christus mit der Weltkugel.

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Im Fokus der Ausstellungsreihe Ansichtssache des Kunsthistorischen Museums Wien steht jeweils ein außergewöhnliches Bild der Gemäldegalerie, das aus Platzgründen nur selten gezeigt werden kann oder aufgrund von jüngeren Forschungsergebnissen zu einer erneuten Betrachtung einlädt. 

In ihrer 25. Ausgabe präsentiert die Gemäldegalerie nun die bedeutenden Resultate zu dem religiösen Bild Christus mit der Weltkugel (1520/1530). Lange Zeit als Werkstattbild beurteilt, untermauern die jüngsten Forschungsergebnisse die These, dass es sich um ein eigenhändiges Werk des Meisters Tizian handelt. 

ANSICHTSSACHE #25

Der Wiener Salvator Mundi – Tizians Christus mit der Weltkugel in neuem Licht

Wann: Bis 16. Oktober 2022
Wo: Kunsthistorisches Museum Wien

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag 10 – 18 Uhr
Donnerstag 10 – 21 Uhr

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Das Kunsthistorische Museum Wien verfügt nach dem Museo del Prado in Madrid über die zweitgrößte Sammlung von Gemälden eines der berühmtesten Maler des 16. Jahrhunderts: Tiziano Vecellio (um 1488–1576). Im Rahmen eines mehrjährigen Forschungsprojektes konnte der gesamte Tizian-Bestand wissenschaftlich und technologisch eingehend untersucht werden.

Lange Zeit als Werkstattbild beurteilt, untermauern die jüngsten Forschungsergebnisse zum Christus mit der Weltkugel die These, dass es sich um ein eigenhändiges Werk des Meisters handelt. 

Immer wieder befasste sich Tizian, der für seinen unkonventionellen Zugang zu traditionellen Kompositionen berühmt ist, mit Salvator Mundi-Darstellungen. Diese haben in der niederländischen Malerei des 15. Jahrhunderts ihren Ursprung und zeigen mit einem segnenden Christus, der in der linken Hand eine mit einem Kreuz bekrönte Kugel hält, eine zentrale Figur des christlichen Glaubens.

Der Wiener Christus ist dagegen ein Beispiel für eine religiöse Neuinterpretation innerhalb dieser Bildtradition: Die Hand des "Retters der Welt" liegt auf einer einfachen transparenten Glaskugel ohne das übliche Kreuzzeichen. Die erhobene Hand im Segensgestus fehlt. Eine hebräische Inschrift auf dem Gewand lässt Rückschlüsse auf einen – vorerst unbekannt bleibenden – christlichen Auftraggeber zu, der mit der Ideenwelt der jüdischen Geheimlehre, der Kabbalah, sympathisierte. 

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Im Rahmen des vom Fonds für wissenschaftliche Forschung (FWF) geförderten Projektes wurden alle Gemälde aus dem Tizianbestand mit Hilfe von Röntgen- und Infrarotaufnahmen durchleuchtet und maltechnisch eingehend untersucht. Dabei wurde unter der Wiener Christusdarstellung eine Maria mit Kind-Komposition entdeckt, die große Ähnlichkeit mit frühen Madonnendarstellungen Tizians aufweist und zudem Hinweise auf die charakteristische Arbeitsweise Tizians gibt.

Wurde das Gemälde bisher zeitlich um das Jahr 1530 eingeordnet, lassen die neuen Erkenntnisse eine frühere Datierung ab den 1520er Jahren zu. Das auf einen Auftraggeber zugeschnittene Bildkonzept spricht für die Idee des Meisters. Die individuelle Handschrift Tizians kommt ebenso in den Details wie in einer „ökonomischen“ Arbeitsweise und der Qualität des maltechnischen Aufbaus deutlich zum Vorschein.  
 

Übrigens: Zu jeder Ansichtssache erscheint eine Broschüre.  Alle Publikationen aus der Reihe finden Sie im Online-Shop des Kunsthistorischen Museums. Dort können Sie außerdem Tickets für die Ausstellung bzw. den Eintritt ins Museum direkt online kaufen.

Frühere restauratorische Eingriffe, etwa Retuschen, die sich mittlerweile farblich verändert haben bzw. nachgedunkelt sind, erschweren allerdings eine definitive Zuschreibung. Um die originale Malerei besser lesbar zu machen und letzte Klarheit hinsichtlich der Frage zu bringen, ob der Wiener Christus mit der Weltkugel tatsächlich von der Hand des Meisters stammt, müssen weiterführende aufwändige Restaurierungsarbeiten am Gemälde vorgenommen werden.  

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