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Kino Text: Melanie Gerges

Ich war noch niemals in New York: Das Musical auf der großen Leinwand

Es ist eines der erfolgreichsten deutschen Musicals aller Zeiten. Jetzt kommt Ich war noch niemals in New York mit den Hits von Udo Jürgens auch ins Kino. Aber ist das Musical wirklich für die große Leinwand geeignet?

Ich war noch niemal in New York Filmausschnitt
© UPI | "Aber bitte mit Sahne" darf auch 2019 nicht fehlen

Ich war noch niemals in New York Kritik

Ist das die neue Stufe der Remakes? Nach Aladdin, König der Löwen und bald auch Cats (Kinostart ist Ende Dezember) bekommt jetzt auch Ich war noch niemals in New York eine Neuauflage auf der großen Leinwand. Dabei war es hier nur eine Frage der Zeit. Denn das Musical mit den Hits von Udo Jürgens gehört seit seiner Uraufführung 2007 zu den erfolgreichsten deutschsprachigen aller Zeiten und konnte weltweit mehr als sechs Millionen Zuschauer anlocken.

Die Neuauflage im Kino wurde aber ein bisschen verändert. Zwar geht es namentlich um die selben Figuren, ihre Geschichten und Entwicklungen sind jedoch abgeändert. So erfährt die ehrgeizige Fernsehmoderatorin Lisa Wartberg (Heike Makatsch), dass ihre Mutter Maria nach einem Sturz in der Wohnung ihr Gedächtnis verloren hat. Alles, woran sie sich erinnern kann ist „New York“. Kurzerhand beschließt die ältere Dame deshalb, aus dem Krankenhaus zu flüchten und per Kreuzfahrtschiff die Reise nach New York anzutreten, in der Hoffnung, dass sie dort die Antworten auf all ihre offenen Fragen erhält.

Beim Versuch, die Mutter (Katharina Thalbach) aufzuhalten, landen auch Lisa und ihr Stylist Fred (gespielt von Michael Ostrowski) auf dem Schiff und müssen unfreiwillig mit auf eine Reise, die vor Liebesdramen nur so strotzt. Denn jede der drei Hauptfiguren wird in eine Romanze verwickelt. Lisa mit dem perfektionistischen Axel (Moritz Bleibtreu), der ein Geheimnis um seine Ehefrau hütet. Fred verliebt sich in den Schiffszauberer Costa und Maria schwärmt für Otto (Uwe Ochsenknecht), den sie scheinbar aus ihrer Vergangenheit kennt.

Ich war noch niemal in New York Filmausschnitt
© UPI | Das Wort Kitsch bekommt hier eine neue Stufe

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Schmalz und Schunkeln zu den Songs von Udo Jürgens

Alleine bei dieser kurzen Zusammenfassung wird klar: Ohne eine kräftige Portion Kitsch geht in diesem Musical gar nichts. Denn neben übersättigten Farben, großen Gesten und noch größeren Musikeinlagen ist dieser Film ein einziger overload an Emotionen, Schmalz und Schunkelmomenten.

Den Film aufgrund seines Kitschfaktors zu verurteilen wäre allerdings zu einfach. Denn für eine ganz bestimmte Zielgruppe ist Ich war noch niemals in New York vermutlich der Inbegriff des perfekten Musicals: Jene Menschen, die mit der Musik von Udo Jürgens groß geworden sind, sie heute noch gerne im Auto oder unter der Dusche mitsingen die Bühnenfassung lieben und der Meinung sind, dass „Mamma Mia“ noch ein bisschen mehr Schmalz vertragen hätte.

Für alle anderen könnte der Film allerdings zur Herausforderung werden. Denn wer bei „The Winner takes it all“ von Meryl Streep nicht zumindest ein bisschen emotional wurde, wird bei der Interpretation von „Illusionen“ vermutlich aus dem Augenrollen nicht mehr herauskommen – sofern er es überhaupt bis dahin schafft.

Logikfehler und oberflächliche Szenen

Denn wer vom Kitsch in dem Film nicht in den Bann gezogen wird, dem fallen die ein oder anderen Logikfehler auf. In welchem Jahr spielt der Film etwa? Die Outfits lassen nicht auf 2019 vermuten, Lisas Smartphone allerdings schon. Und wie alt ist Maria eigentlich? Sie singt zwar „mit 66 Jahren fängt das Leben an“, nachdem sie ihre jetzt 45-jährige Tochter aber sehr jung – vermutlich mit 17 Jahren und blonden Haaren – bekommen hat, geht sich das rein rechnerisch nicht ganz aus.

Hin und wieder fehlt Ich war noch niemals in New York bei den ganzen Sahnetörtchen und vorbeischwimmenden Delfinen zusätzlich das gewisse Etwas. Eine Vertrautheit, die auf der Bühne so spielerisch entsteht, eine Dynamik, die die Geschichte greifbarer und nachvollziehbarer macht. Denn durch dieses Übertriebene, das Kitschige und die nicht enden wollende Opulenz wirkt das Geschehen oberflächlich, unrealistisch und zweidimensional. Gleichzeitig baut Regisseur Philipp Stölzl in diese oft starr wirkende Dynamik einen gewissen Charme ein, indem das Musical sich selbst und sein Genre nicht allzu ernst nimmt und über das ein oder andere Klischee auch scherzen kann – was die Dichte an Klischees angenehm ausgleicht.

Letztlich ist Ich war noch niemals in New York ein großartig choreographiertes Feel-Good-Musical, das der ideale Einstieg für einen Mädelsabend oder Musicalnachmittag ist. Zu viel Ernsthaftigkeit kann man dabei nicht erwarten aber der Drang zum Mitsingen und hin- und Herschunkeln ist garantiert – und das ist doch manchmal auch mehr als  genug!

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