1. Stadt Wien
  2. Freizeit
  3. Kinoprogramm
Mehr Freizeit
Artikel teilen
Kommentieren
Kino Text: Melanie Gerges

Fahrenheit 11/9: Wie konnte das passieren?

Michael Moore kehrt zurück – und in klassischer Moore-Manier mit einem großen Knall. Seine neue Dokumentation widmet er dem Aufstieg und Werdegang Donald Trumps und geht der Frage nach: „Wie zum Teufel konnte das passieren?"

Donald Trump bei einer Rede
© Polyfilm Verleih | Moores neue Doku widmet sich Donald Trumps politischer Laufbahn

Fahrenheit 11/9: Kritik

„Hoffentlich macht er nie einen Film über mich“, sagt Donald Trump 1998 mit einem Lächeln. Dass er – Michael Moore – ihm rund 20 Jahre später eine seiner Dokumentationen widmet, wusste Trump in der Talkshow von Roseanne Barr nicht. Denn wie sich das Leben des Immobilien-Moguls und einstigen Reality-TV-Stars verändern wird, kam für viele überraschend.

Dass aus der „Lachnummer“ der US-Präsidentschaftswahl 2016 später der mächtigste Mann der Welt wird, hat Moore als einer der wenigen bereits früh vorhergesagt. Das verleiht seiner Dokumentation „Fahrenheit 11/9“ eine ganz besondere Note. Denn in dieser rekonstruiert er den Werdegang von Trump sowie die Hintergründe und Motivation seiner Wählerschaft. Dabei wird klar: Diese Motivation liegt schon viel weiter zurück als 2016, lässt sich unter anderem in der Wasserkrise in der amerikanischen Stadt Flint aus dem Jahr 2014 oder der Unterbezahlung zahlreicher Lehrer verankern.

amerikanische Flagge
© Polyfilm Verleih | Moore widmet sich in seiner Doku auch der Zukunft Amerikas

Moore beginnt, wo es für viele schon quasi vorbei war: Am Wahlabend 2016 inklusive voreiliger Siegesfeier der Demokraten. Es entsteht eine Montage, die im Dokumentations-Genre herausragend und beeindruckend ist, schafft sie doch einen packenden Moment, der sich durch den gesamten Film durchzieht.

"Das System ist kaputt"

Wie der Name des Films schon verrät, hat der Film einiges mit Moore’s Kultdokumentation „Fahrenheit 9/11“ (2004) über die Affäre Bush gemeinsam. Ein Unterschied wird aber deutlich: 2018 gibt es für Michael Moore nicht mehr die eine Lösung, den einen Feind oder die eine Partei, die alles retten könnte. „Das System ist kaputt“, betont er und zeigt auf, dass die Wahl einer anderen Großpartei nicht länger die Lösung aller Probleme bedeutet. Denn auch ein Barack Obama, so Moore, ist mit Schuld an der derzeitigen Misere des Landes.

Sie haben Lust auf Kino aber noch nicht den passenden Film?

Lesen Sie unsere Filmkritiken zu den letzten Kinostarts: Polaroid oder "Phantastische Tierwesen 2".

Vielmehr liegt ein möglicher Ausweg in den Entscheidungen der Jugend. Das zeigt Moore auch anhand der Überlebenden des Schulmassakers in der Stoneman Douglas High School, die heute gegen die herrschenden Waffengesetze in Amerika demonstrieren. Sie schaffen kleine – und vielleicht auch große – Revolutionen und Änderungen und trauen sich, gegen das Establishment aufzubegehren. Manchmal, meint Moore, brauche es einen Trump, damit es danach besser werden kann.

Polemisch aber faktenorientiert

Zugegeben, Moores Herangehensweise an diese – sowie frühere Projekte – ist sehr polemisch und seine Montagen schlagen für einige hin und wieder vielleicht über das Ziel hinaus. Aber wer Moore’s Stil und Herangehensweise mag, wird über die Vergleiche mit dem Nationalsozialismus und dementsprechende Montagen nicht verwundert sein.

Denn das ist eben typisch Moore. Er zeigt offen seinen Standpunkt, fürchtet sich nicht davor, ganz klar seine Meinung in eine Dokumentation einzuflechten, verliert dabei aber nie die Zahlen und Fakten aus den Augen. Er spricht für die kleinen Bürger, hat aber gleichzeitig keine Angst davor, auch sie an den Pranger zu stellen.

Beteiligen Sie sich am Beitrag, wir freuen uns:

Ein guter Tipp dabei? Teile es mit deinen Freunden.

Kommentar hinzufügen

Datenschutz *
Aufgrund der neuen Datenschutzgrundverordnung nehmen Sie bitte unsere Datenschutzerklärung zur Kenntnis. Wir versichern Ihnen, dass Ihre Daten ausschließlich zweckgebunden zur internen Bearbeitung (Posting-Kommentar) verwendet werden.

Bitte trage in das folgende Feld "Ja" ein, wenn Du damit einverstanden bist, dass die von dir angegebenen Daten elektronisch erhoben und gespeichert werden.

weitere Meinungen
Keine Kommentare
  1. Stadt Wien
  2. Freizeit