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Abg. z. NR Adelheid Fürntrath - Moretti

Theresia Zierler im Interview mit der Bundesvorsitzenden von Frau in der Wirtschaft, Abg. z. NR Adelheid Fürntrath - Moretti

•    Immer mehr Frauen wagen den Schritt ins Unternehmertum, wie hoch

      ist der Unternehmerinnenanteil in Österreich?

In Österreich gibt es rund 130.000 Unternehmerinnen. Somit wird jedes dritte Unternehmen von einer Frau geführt. Im internationalen Vergleich ist das ein absoluter Spitzenwert. Europaweit liegen wir damit auf Platz drei. Der Anteil an weiblichen Neugründungen steigt ebenso rasant und betrug im Jahr 2010 bereits 53 Prozent.

•    Gibt es spezielle Sparten, die von Frauen dominiert werden?

Die meisten weiblichen Mitgliedschaften gibt es in den Sparten Gewerbe und Handwerk, mit einem Frauenanteil von 47 Prozent, gefolgt vom Handel sowie der Tourismus- und Freizeitwirtschaft. Schlusslichter bilden die Sparten Transport und Verkehr sowie die Industrie.

•    Im EPU Bereich finden sich viele Unternehmerinnen - warum nicht
      auch in größeren Betrieben?


Das stimmt, Frauenbetriebe sind tendenziell kleiner als Männerbetriebe. Der hohe Anteil an Ein-Personen-Unternehmen spiegelt sich auch in der Umsatzgröße wider. 96 % der Frauenbetriebe setzen pro Jahr nicht mehr als 1 Mio. Euro um. Rund ein Fünftel der Frauen führt ihr Unternehmen im Nebenerwerb. Frauen definieren aber auch Erfolg anders als Männer. Sie wollen nicht um jeden Preis wachsen, sondern ein gutes Einkommen erwirtschaften, bei gleichzeitig ausgewogener Work-Life-Balance. Die wichtigsten Gründungsmotive sind für Frauen: selbstständiges Arbeiten, eigene Ideen umsetzen und flexible Zeiteinteilung.

•    Frau in der Wirtschaft unterstützt Unternehmerinnen. Was bieten Sie
      konkret an?


Frau in der Wirtschaft ist DIE Servicestelle und DAS Netzwerk auf Bundesebene sowie in den neun Landesorganisationen. Eine wichtige Aufgabe sehen wir in der Vernetzung von Unternehmerinnen. Bei spannenden Veranstaltungen, die auf die jeweiligen Zielgruppen zugeschnitten sind, können Frauen von erfolgreichen Unternehmerinnen lernen und Kontakte für neue Geschäftsbeziehungen knüpfen. Oder sie erwerben sich in maßgeschneiderten Fortbildungsprogrammen aktuelles Business-Wissen.
Dass wir auch über politische Durchsetzungskraft verfügen, haben wir bereits mehrmals bewiesen. Die Betriebshilfe oder die steuerliche Absetzbarkeit der Kinderbetreuung etwa wurden ja zuerst von FiW gefordert.

•    Eine wichtige Maßnahme ist die Betriebshilfe (wann und wie kommt

     diese zum Einsatz?)

Die Betriebshilfe entstand durch eine Initiative von Frau in der Wirtschaft und ist seit gut einem Jahrzehnt ein verlässliches Sicherheitsnetz für Unternehmerinnen, die dringend Hilfe brauchen.  Vor allem für Kleinstunternehmerinnen und Kleinstunternehmer sind Mutterschaft, Krankheit oder Unfall eine enorme Herausforderung. Wenn niemand anderer da bzw. leistbar ist, der den Betrieb in der Zwischenzeit weiterführt, dann kann das existenzbedrohend sein. Die Betriebshelfer sind „rettende Engel“, die dann einspringen, wenn Unternehmerinnen bzw. Unternehmer krank sind und ihren Betrieb nicht weiterführen können. Als erfahrene Fachkräfte oder ehemalige Unternehmer sorgen die Betriebshelfer dafür, dass der Betrieb offen, die Kunden zufrieden und die Geschäfte im Laufen bleiben.  Dieser Einsatz ist für die Betroffenen mit keinerlei Kosten verbunden.
 
•    Worauf sind Sie als Bundesvorsitzende von Frau in der Wirtschaft
      besonders stolz?


Wir haben in Österreich eine Vielzahl an Spitzenfrauen – Tag für Tag leisten unsere Unternehmerinnen Außergewöhnliches. Unser Können stellen wir täglich unter Beweis – auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten haben wir Tatkraft und Durchhaltevermögen bewiesen. Darauf bin ich stolz.

•    Ihre Vision für die österreichische Unternehmerin?

Eine EU-Studie zeigt, dass in Österreich der Wunsch, selbstständig tätig zu sein, geringer ausgeprägt ist als im europäischen Durchschnitt. Leider ist es noch nicht bei allen Entscheidungsträgern angekommen, dass die gesamte Wirtschaft vom Mut und der Einsatzbereitschaft unserer Unternehmerinnen und Unternehmer lebt. Was ich mir daher wünsche, ist ein unternehmerfreundlicheres Klima in unserem Land.
Unternehmerinnen im Besonderen benötigen natürlich eigene Rahmenbedingungen, etwa was die Öffnungszeiten von Kinderbetreuungseinrichtungen betrifft. Damit wir unsere Forderungen umsetzen können, braucht es auf jeden Fall mehr Frauen in politischen Funktionen, die unsere Anliegen wieder und wieder einfordern.





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