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20.Bezirk-Brigittenau Text: Gerhard Frey

Die Geschichte von Wien-Brigittenau

Vom Augebiet, den Örtchen Brigittenau und Zwischenbrück bis zur Stadteingliederung des 20. Wiener Gemeindebezirkes. Eine bewegte Stadtgeschichte.

Brigittenauer Brücke vom Donauturm aus gesehen.
© Wladyslaw Sojka | Der 20. Bezirk mit Brigittenauer Brücke und Millenium Tower

Geschichtliches zum Ortsteil Brigittenau

An der Stelle des späteren Ortes Brigittenau befand sich ein Augebiet nördlich dem heutigen Augarten. Das umliegende Gebiet wurde Schottenau, später Wolfsau genannt und war ein Teil des Unteren Werds (alte Bezeichnung für Inseln). Hier wurde an der heutigen Forsthausgasse 1645-1651 von Filiberto Lucchesi die Brigittakapelle erbaut, die 1695 erneuert und 1902/03 restauriert wurde. Der Sage nach (Brigitta - oder Kugelsage) soll Erzherzog Leopold Wilhelm, der Befehlshaber der kaiserlichen Truppen, und Bruder des Kaisers, von einer schwedischen Kanonenkugel, die in sein Zelt einschlug, nicht getroffen worden sein. Als Dank stiftete Ferdinand III den Bau der Brigittakapelle. Die Wolfsau wurde ab 1670 Brigittenau genannt.

Später richtete man hier einen kaiserlichen Fasangarten ein, der unter Josef II. für die Bevölkerung geöffnet wurde. Bald entstanden einige gut besuchte Gasthäuser. Seit 1775 wurde alljährlich der überaus beliebte Brigittakirtag, unter Beteiligung sämtlicher Volksschichten, abgehalten. Der Andrang wurde schließlich so stark, dass in der Gegend des so genannten "Strohecks" (nahe der Brigittabrücke = heutige Friedensbrücke) eine Schiffsbrücke über den Donaukanal errichtet werden musste, um den Verkehr leichter zu bewältigen. Franz Grillparzer hat in der Novelle "Der arme Spielmann" diesen unglaublichen Trubel beschrieben. Nicht selten kamen 60.000 bis 80.000 Besucher zu dem Kirtag, der am ersten Sonntag nach dem Julivollmond begangen wurde; der so genannte Nach-Kirtag zog oft noch mehr Menschen an. Nach der Revolution 1848 wurde der Brigittakirtag verboten.

1846 begann man mit der Rodung der Auen und mit dem Bau von Fabriksgebäuden, auch Küchengärten für den kaiserlichen Hof wurden angelegt.

Die Geschichte von Zwischenbrücken

Die kleine Gemeinde Zwischenbrücken lag an der 1439 erwähnten hölzernen Jochbrücke, der Taborbrücke, die die sich etwa in der Diagonale der heutigen Nordbahnbrücke und Floridsdorfer Brücke (Wasserparkseite) befand. Ihren Namen leitet die Ortschaft von ihrer späteren Lage "zwischen den Brücken" ab. Durch die Donauregulierung 1875 verschwand ein Teil des Siedlungsareals zusammen mit dem mittleren Donauarm. Die dem Schutzpatron der Brückenbauer geweihte Nepomuk-Kapelle im Außeren Zwischenbrücken wurde 1875 mit der Fertigstellung der Donauregulierung abgetragen.

1850 wurden die Orte Brigittenau und Zwischenbrücken als Teile des 2. Bezirks (der Leopoldstadt) nach Wien eingemeindet. Besonders seit 1860 wurde die Brigittenau vom Süden her rasch verbaut und 1900 - zusammen mit Zwischenbrücken - zum 20. Wiener Gemeindebezirk gemacht. In der Ersten Republik wurde eine Reihe von Gemeindebauten errichtet. Der Großkomplex am Engelsplatz, 1930 - 1933 nach Plänen von Rudolf Perco erbaut, wurde nach dem Zweiten Weltkrieg noch wesentlich erweitert.

Als "Wahrzeichen" des Bezirks gilt neben der Brigittakapelle die 1867-1873 von Friedrich Schmidt erbaute Brigittakirche, ein neugotischer Backsteinbau mit zwei Fassadentürmen und vorgelagerter Halle.

1220 Wien Brigittenau - Bezirksinfo

Brigittenauer Bad

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Chronik von Brigittenau

11. Jh. Das Land gehörte den Babenbergern. Leopold III. der Heilige (1096 oder 1075 - 1136) schenkte Teile der Donauauen dem von ihm gegründeten Kloster St. Maria zu Nivenburg (heute Klosterneuburg). Das Stift Klosterneuburg verschenkte, verkaufte oder verpachtete das Land weiter. Die Besitzer wechselten häufig.

13.Jh. Das Inselgebiet, das durch zahlreiche Donauarme gebildet wurde, bezeichneten die Wiener als den Werd' (= Inseln). Erstmals wurde dieser Name in einer Chronik aus dem 13. Jh. erwähnt. Die ersten Ansiedler waren Jäger, Fischer und Holzfäller, später Gärtner und Wirte. 

1460 entstand der erste und einzige feste Brückenübergang über die damals unregulierte Donau. die Schlagbrücke (heute: Schwedenbrücke). 

1529 Erste Türkenbelagerung, schwere Kämpfe auf den Donauinseln. 

1536 und 1540 erhielten jene Wiener, deren Häuser in der Türkenzeit zerstört worden waren, Im Werd unentgeltliche Baugründe. 

1618 bis 1648 30jähriger Krieg 

1645 zog der schwedische Feldherr Leonhard Torstenson mit seinem Heer nach Wien und stand am 9.April vor der Wolfsschanze. Vier Tage lang tobte der Kampf um die Donauinsel. Entstehung der Brigittasage. 

1651 wurde die von Kaiser Ferdinand III. gestiftete Kapelle vom italienischen Baumeister Filiberto Lucchesi erbaut und der schwedischen Heiligen Birgitta (Brigitta) geweiht. (= Brigittakapelle) 

1657 hieß bereits ein Teil der Wolfsau Brigittenau. 

1670 wurde der Name "Brigittenau" erstmals urkundlich erwähnt. - Frühere Bezeichnungen waren: Im Werd, Schottenau, Wolfsau. 

1683 Zweite Türkenbelagerung, schwere Kämpfe an der Wolfsschanze und der Gegend der heutigen Friedensbrücke, die Brigittakapelle wurde von den Türken zerstört. 

1688 bis 1698 Verlegung der Wolfsbrücke stromabwärts in die Durchlaufau. Errichtung der großen Taborbrücke. Immer wieder wurden die Straßen verlegt. Die Hauptstraße führte nicht mehr durch die Wolfsau, sondern durch die Durchlaufau "Zwischen den Brücken" nach Norden. 

1695 wurde die Brigittakapelle wieder errichtet. In ihrer Nähe stand ein Jägerhaus, älter als die Kapelle selbst. 

1732 errichtete das Hof- und Landjägeramt eine Fasanerie in der Brigittenau. 

1769 Erbauung der Johann Nepomuk Kapelle in der Nähe der Taborbrücke. 

1810 gab es bereits eine Kunstblecherei, etwas später ein Dampfsägewerk und eine Feuerspritzenfabrik. 

1828 Entstehung des Colosseums, einer Vergnügungsstätte in der alten Brigittenau. 

1830 Eisstoß und große Überschwemmungen 

1834 Entstehung des Universums 

1838 wurde die Kaiser Ferdinands-Nordbahn über die Donau zum ,Nordbahnhof' verlängert. 

1840 fuhr die erste Pferdebahn vom "Alten Tabor"' entlang der heutigen Jägerstraße zum Colosseum. Doch schon zwei Jahre später verschwand aus finanziellen Gründen dieses Beförderungsmittel. 

1846 Rodung des Auwaldes, im Norden des Bezirkes entstanden Gärtnereien (danach benannt die Vorgartenstraße), die sich bis in die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts hielten. Der Siedlungskern der Brigittenau war nördlich des heutigen Wallensteinplatzes. 

1848 Oktoberrevolution in deren Verlauf am 9.11.1848 Robert Blum in der Brigittenau hingerichtet wurde. 

1849 entstand im Bezirk die erste Gummifabrik Österreichs. 

1850 kam der Ort Brigittenau zu Wien und bildete mit der Leopoldstadt den zweiten Wiener Bezirk.

1862 große Überschwemmung 

1867 Spatenstich zum Bau der Brigittakirche 

1870 tat Kaiser Franz Joseph den ersten Spatenstich zur großen Donauregulierung. Die von Ing. Hellwag erbaute Nordwestbahn bekam ihren Endbahnhof an der Stelle des ehemaligen Universums, nahe dem heutigen Tabor. 

1871 Bau der Nordwestbahnbrücke und der Brigittabrücke (Friedensbrücke) 

1873 Bau der Nordbahnbrücke, Bau des Nordwestbahnhofes war beendet. 

1874 Bau der Franz Josephs-Brücke (heute Floridsdorfer Brücke) Einweihung der Brigittakirche. 

1875 Ende der Donauregulierung - die Donau floss in einem neuen Bett. Die Überschwemmungsgefahr war gebannt. Der Donaudurchstich war für das Wachstum des Bezirkes entscheidend. An Stelle der Nußdorfer Wehranlage war das "Schwimmende Tor" von Freiherr Wilhelm v. Engert. 

1886 wurde die Dampftramway "Wien - Stammersdorf" eröffnet. Sie fuhr durch die Jägerstraße, Strom- und Marchfeldstraße über die nur 6m breite "Kaiser Franz Josephs-Brücke", wie die Floridsdorfer Brücke damals hieß. 1910 wurde der Dampfbetrieb eingestellt und es fährt seit damals der elektrische 31er. 

1897 Eröffnung der ersten elektrischen Straßenbahn in Wien, die sogenannte "Transversallinie". Sie verband die Endpunkte der Nord-, Nordwest-, Franz-Josephs- und Westbahn und führte entlang des Augartens und Wallensteinstraße über die Brigittabrücke (heutige Friedensbrücke). Diese Linie war die Vorgängerin des heutigen 5ers. 

1898 Im Gasthaus "Ockermüller" wird der Grundstein zur Selbständigkeit gelegt, die Brigittenau strebte eine eigene Verwaltung an. (1960 wurde das Gasthaus abgetragen).- Das "Schwimm-Tor" wurde durch die Schemerl-Brücke, dem heutigen Nußdorfer Wehr, ersetzt. 

1900 Am 24. März wurde die Brigittenau von der Leopoldstadt getrennt und zum 20. Wiener Gemeindebezirk erklärt. 

1903 29. Juni: Die renovierte Brigittakapelle wird geweiht. 

1906 Eröffnung des Amtshauses auf dem Brigittaplatz. 

1907 wurde der Bahnhof Wexstraße in Betrieb genommen. Zu dieser Zeit gab es die Linien 3, 34 und V, sowie die Dampftramway bis 1910. 

1910 fuhr der elektrische 31er. 

1911 Bau des Gasbehälters in der Forsthausgasse und Bau des Döblinger Stegs. Gründung der ersten Sascha Filmgesellschaft AG in der Vorgartenstraße. Errichtung der Schiffsbautechnischen Versuchsanstalt. 

1912 wurde der Bau der Versicherungsgesellschaft in der Webergasse 2 - 6 fertiggestellt. 

1913 Grundsteinlegung zum Umbau der Kaiser Franz Josephs-Brücke (heutige Floridsdorfer Brücke) Eröffnung des Hannovermarktes. 

1926 entstand in der Webergasse das Unfallkrankenhaus unter der Leitung v. Dr. Lorenz Böhler. Errichtung des modernsten Filmateliers Europas in der Pappenheimgasse. 

1938 Die ersten deutschen Truppen kommen über die Floridsdorfer Brücke in die Brigittenau. 

1944 16. Juli, erster amerikanischer Bombenangriff auf Wien, schwere Schäden im Bezirk. 

1945 totale Zerstörung der Allerheiligenkirche bei einen Bombenangriff. Beschädigt wurden u. a. das Bezirksamt, Brigittakirche, Leyschule u. viele andere Gebäude im Bezirk. Die Floridsdorfer Brücke wurde von den abziehenden deutschen Truppen am Ende des Weltkrieges gesprengt. Die Brigittenau wurde von russischen Soldaten besetzt. Sie halfen den Wienern bei der Instandsetzung der Floridsdorfer Brücke. Am 29. April nahm die Sanitätsstation Gerhardusgasse ihren Betrieb wieder auf, der Transport wurde mit Pferdewagen durchgeführt. 

1946 Wiederaufbau des Döblinger Stegs und der Brigitta-Brücke. 19. Mai - Eröffnung der Floridsdorfer Brücke, sie wird in "Malinowsky-Brücke" umbenannt. 

1947 Eröffnung der Volkshochschule in der Raffaelgasse. Gründung des Brigittenauer Heimatmuseums, untergebracht in einem Klassenzimmer der Volkshochschule. 

1949 bis 1950 Bau der neuen Allerheiligenkirche 

1962 Eröffnung der Wiener Schnellbahn, Haltestelle Traisengasse. 

1963 Baubeginn der Gürtelbrücke, 1964 Eröffnung 

1967 Eröffnung der Volksschule Spielmanngasse 

1973 Errichtung des Dr. Adolf Schärf-Heimes 9. November: Eröffnung des neuen Lorenz-Böhler-Unfallkrankenhauses in der Donaueschingenstraße. 

1977 Eröffnung des neuen Gebäudes der Allgemeinen Unfallversicherung in der Adalbert-Stifter-Straße . Spatenstich zum Neubau der Floridsdorfer Brücke. 

1978 Eröffnung der neuerrichteten Floridsdorfer Brücke. 

1979 Neubau des TGM in der Wexstraße 

1980 Spatenstich für den Bau der 6. Donaubrücke, der "Brigittenauer Brücke". Ein nach Tradition bestehendes Volksfest, der "Brigitta-Kirtag" wurde in diesem Jahr wieder ins Leben gerufen. 

1982 Eröffnung der Brigittenauer Brücke. 

1983 Eröffnung des Brigittenauer Hallenbades 

1989 Eröffnung von Volksschule, Kindertagesheim und Sanitätsstation in der Treustraße / Gerhardusgasse. 

1994 Das Brigittenauer Heimatmuseum bekam eine eigene Heimstätte in der Dresdner Straße 79 

1996 Eröffnung der U-Bahn-Linie U 6 durch die Brigittenau nach Floridsdorf. 

2000 Der Millenniumstower wird eröffnet.


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