1. Stadt Wien
  2. Wien
Mehr Wien
Artikel teilen
Kommentieren
Wien Umgebung

Bürgermeister Schwechat

Der Bürgermeister der Stadt Schwechat im Interview: stadt-wien.at hat mit Gerhard Frauenberger, Vorsitzender des Dialogforums Flughafen Wien-Schwechat und des Abfallwirtschaftsverbands Schwechat, über seine berufliche Laufbahn, politische Ämter und das Wohnen, Leben und Arbeiten in seiner Gemeinde gesprochen.

Bild vom Bürgermeister von Schwechat, Gerhard Frauenberger
Gerhard Frauenberger im Gespräch

Stadt Wien: Was waren die aus Ihrer Sicht die wichtigsten Stationen in Ihrem Leben?

GF: Nach dem Abschluss einer Lehre als Elektromechaniker besuchte ich die Meister-, später die Partei- und Gewerkschaftsschule. Danach wurde ich in der Personalvertretung der Wiener Linien tätig.
Bereits in meiner Jugend fühlte ich mich der Sozialdemokratie verbunden und trat 2000 erstmals ein Mandat an. 2002 wurde ich Vorsitzender des SPÖ Klubs, kurz danach Stadtrat für Kultur und Kinderbetreuungseinrichtungen in Schwechat. 2005 und 2010 wurde ich zum Vizebürgermeister gewählt und seit 25. 11. 2013 bekleide ich das Amt des Bürgermeisters, das mich zwar vor neue Herausforderungen stellt, mir aber auch viel Freude bereitet.

Stadt Wien: Welche  Beweggründe hatten Sie, in die Politik zu gehen?

GF: Ich bin in die Politik gegangen, um bei Richtungsentscheidungen mitzureden, um Menschen, die Hilfe benötigen, helfen zu können und um Lebensräume zu gestalten.

Stadt Wien: Auf welche Ihrer Initiativen bzw. auf welches Ihrer Projekte sind Sie besonders stolz?

GF: Auf den Radweg Wien-Schwechat-Flughafen-Fischamend, der im Endausbau bis zum Neusiedlersee im Burgenland reichen und damit drei Bundesländer – Wien, Niederösterreich und das Burgenland – verbinden wird...
Stolz bin ich darauf, dass ich schon nach drei Jahren Tätigkeit im Dialogforum Flughafen Wien-Schwechat dessen Obmanns und nach Ende meiner Amtszeit einstimmig und über alle Parteigrenzen hinweg wiedergewählt wurde.
Im Dialogforum ergreifen wir Maßnahmen zur Lärmreduzierung und versuchen, Wirtschaft und Lebensqualität in den Umlandgemeinden zu vereinbaren. Wir haben etwa ein Lärmschutzprogramm initiiert, das ab 54 dB einsetzt, und ein Bonus-Malus-System erarbeitet, dank dessen leisere Flugzeuge den Flughafen anfliegen. Eine Nachtflugregelung, die ihresgleichen in Europa sucht, geht auf eine Initiative des Dialogforums und der Mitglieder zurück.  
Doch nicht nur dem Dialogforum Flughafen Wien-Schwechat, auch dem Abfallwirtschaftsverband Schwechat stehe ich als Obmann vor - Recycling ist mein Steckenpferd geworden. Im Verband versuchen wir, energieautarke Abfallsammelzentren aufzubauen, wobei sich unsere Bürger in Zukunft beteiligen können - an den Photovoltaikzellen, was dann eine Rendite bringt.

Stadt Wien: Wofür ist denn der Abfallwirtschaftsverband Schwechat verantwortlich?

GF:
Wir betreuen in 15 Gemeinden 21 Abfallsammelzentren. Auf den Pultdächern dieser Abfallsammelzentren wollen wir nun Photovoltaikzellen installieren und haben dazu in Kooperation mit dem Land Niederösterreich Experten mit der Erstellung eines Gutachtens beauftragt.

Stadt Wien: Können Sie Erfahrungen, die Sie in Ihrer bisherigen beruflichen Laufbahn gesammelt haben, in Ihre Tätigkeit als Bürgermeister einbringen?
 
GF: Bei den Wiener Linien habe ich Erfahrungen im Umgang mit Personal und Kunden gesammelt, die ich für meine Tätigkeit als Bürgermeister nutzbar machen kann und konnte. Da ich an meinem Arbeitsplatz vor allem in den Bereichen Zugsicherung und Abfertigung der Anlagen tätig bin, bin ich auch offen für technische bzw. IT-Lösungen.

Stadt Wien: Wie gestaltet sich ein erfolgreicher Umgang mit Menschen?

GF: Wichtig ist gegenseitiger Respekt – das reicht vom Grüßen bis zu Offenheit und Ehrlichkeit dem anderen gegenüber.

Stadt Wien: Kommen wir zurück zu Schwechat... Was erwartet eine Familie, die plant, nach Schwechat zu ziehen?
 
GF: Hohe Lebensqualität: nicht allzu verdichtete Wohnbaugebiete, Grünoasen – und das, obwohl mehr als 1.000 Betriebe ihren Sitz in Schwechat haben und über 22.000 Personen beschäftigt sind! Für junge Familien besonders reizvoll ist wohl die Vollversorgung an Kindergartenplätzen und unser Bestreben, den Preis für Wohnen nicht über 25% des Familieneinkommens steigen zu lassen. Leistbares Wohnen ist für uns kein leeres Schlagwort; wir tun auch etwas dafür.

Stadt Wien: Wie steht es in Zeiten wie diesen um die Jobs in Schwechat?
 
GF: Auch an unserer Gemeinde ist die Wirtschaftskrise natürlich nicht spurlos vorübergegangen, aber unsere Arbeitslosenziffer ist weit niedriger als jene anderer Gemeinden. Wir bieten den hier ansässigen Betrieben – z.B. dem Flughafen, der OMV, Borealis oder der Brauerei Schwechat – Entwicklungsmöglichkeiten; uns ist es wichtig, dass Wirtschaftstreibende hier Platz finden und mit unserer Unterstützung in Schwechat Fuß fassen.

Stadt Wien: Wie unterstützen Sie Unternehmen, die nach Schwechat übersiedeln wollen, konkret?

GF: Wir helfen ihnen dabei, einen Platz zu finden. Dabei sind wir den Betrieben nicht nur bei der konkreten Grundstückssuche behilflich, sondern berücksichtigen ihre Bedürfnisse bereits in unserem Flächenwidmungsplan.
Sobald ein Standort gefunden ist, unterstützen wir die Betriebe darin, Baueinreichungen gesetzeskonform einzureichen, damit deren rasche Umsetzung nichts im Wege steht.

Stadt Wien: Wie steht’s um das Multiversum? Das ist ja nicht unumstritten...

GF: Ich habe mich nach Amtsantritt in die Materie eingelesen und erkannt, dass die Finanzierung ein Problem darstellen könnte. Von uns beauftragte Experten haben geraten, eine Förderung zu gewähren, um die Stadt Schwechat vor noch höherem finanziellem Schaden zu bewahren. Daher haben wir eine Umfinanzierung durchgeführt. Eine Eigentumsgesellschaft ist nun im Besitz der Immobilie.
Des Weiteren ist eine neue Geschäftsführung eingesetzt worden. Für einen Neustart war die Ernennung eines neuen Geschäftsführers sicherlich von Vorteil. Wir haben diese Position öffentlich ausgeschrieben und am 2. Mai hat der neue Geschäftsführer seine Stelle angetreten.

Stadt Wien: Welche Veranstaltungen sind im Multiversum geplant?
 
GF: In einem Expertenbericht wurde uns der Vollbetrieb als das wirtschaftlichste von drei Modellen empfohlen, d.h. der neue Geschäftsführer ist angehalten, die Wirtschaftlichkeit der Halle zu erhöhen. Dazu optimiert er momentan Personal- und Betriebskosten. Im Gemeinderat haben wir indes den Vorschlag eingebracht, einen Eventbeirat zu gründen, der dem Geschäftsführer beratend zur Seite stehen soll.
Wir wollen nicht nur negativ in den Schlagzeilen stehen; stattdessen wollen wir die Halle voranbringen und das gelingt am ehesten im Vollbetrieb, wie dem Wirtschaftlichkeitsbericht der Experten zu entnehmen ist.

Stadt Wien: Kommen wir zur letzten Frage des Interviews: Welche Wünsche haben Sie für die Zukunft?
 
GF: Es ist mir ein großes Anliegen, den etwa 1.400 Wohnraumsuchenden in Schwechat leistbares Wohnen bieten zu können.
Ich habe auch einen zweiten Wunsch, nämlich den, dass sich alle Fraktionen im Schwechater Gemeinderat die Ärmeln hochkrempeln und wir alle zusammen an einem Strang ziehen. Schwechat ist zwar eine der reichsten Gemeinden einnahmeseitig, aber da auch unsere Ausgaben sehr hoch sind, ist es mir wichtig, den Haushalt zu konsolidieren und die Finanzen wieder auf Vordermann zu bringen.
Nach drei Jahren, in denen wir den Gürtel enger schnallen, könnten wir uns wieder bewegen und neue Projekte anpacken.

Stadt Wien: Vielen Dank fürs Interview und alles Gute für die Zukunft.

Video
Beteiligen Sie sich am Beitrag, wir freuen uns:

Kommentar hinzufügen
CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz
Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
weitere Meinungen
Keine Kommentare
  1. Stadt Wien
  2. Wien