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Jürgen Weber
Sehenswürdigkeiten Text: Jürgen Weber

Synagoge Wien

Die Wiener Synagoge in der Seitenstettengasse im Ersten Wiener Gemeindebezirk wurde in ein Wohnhaus eingebaut und überlebte auf diese Weise gröbere Verwüstungen. Das bald 100-jährige Gebäude ist ein beliebtes Ziel für Besucher aus aller Welt und kann - nach Anmeldung - mittels Führungen auch besichtigt werden.

Innenraum der Synagoge in der Wiener Innenstadt von Lichtern in einem goldenen Farbton erleuchtet
© Wien Tourismus/János Kalmár | Synagoge Stadttempel

Einzige beinahe unversehrte Synagoge Wiens

Der bedeutendste Architekt des Wiener Biedermeier, Josef Kornhäusel, plante und erbaute den jüdischen Stadttempel von Wien 1825/26 und sogar die Inneneinrichtung und Kultgeräte entstammen seinen Entwürfen. Die Synagoge wurde damals in einen Wohnblock eingepasst, da nur katholische Gotteshäuser in Wien sichtbare Zeichen setzen sollten. Das erwies sich später sogar als Glück für die Seitenstettensynagoge, denn so konnte sie als einzige unter Wiens 130 Synagogen und Bethäusern die „Reichskristallnacht“ (9./10. November 1938) unversehrt überstehen. Die Gefahr eines Übergreifens eines Brandes auf andere Häuser wäre zu groß gewesen und so fiel sie den Schergen des Nationalsozialismus nicht zum Opfer. Die Wiener Hauptsynagoge entging zwar durch ihre enge Verbauung im Wohngebiet als einzige der Vernichtung, der Innenraum wurde aber dennoch entweiht, verwüstet und als Sammellager für die Wiener Juden missbraucht, die dann deportiert und anschließend im Holocaust ermordet wurden. Daran erinnert seit September 1988 eine dort enthüllte Gedenktafel in der Eingangshalle.

Kommet mit Lobgesang

Das Toleranzpatent von Kaiser Joseph II. ermöglichte es der jüdischen Glaubensgemeinschaft auch in der Wiener Innenstadt eine repräsentative Synagoge zu errichten, die Realisierung des Steitenstettentempels erfolgte aber erst nachdem Michael Lasar Biedermann und Isaak Löw Hofmann um 90.000 Gulden den Pempflingerhof (vulgo Dempfingerhof) in der heutigen Seitenstettengasse 1811 gekauft hatten. 1823 begann Joseph Kornhäusel mit einem Neubau und die feierliche Eröffnung erfolgte am 9. April 1826.  Über dem Eingangstor des Straßengebäudes steht auch heute noch der Psalm 100,4 EU: „bo'u sche'araw betoda chatzerotaw bitehilla“. In Übersetzung etwa: „Kommet zu seinen Toren mit Dank, zu seinen Vorhöfen [des Jerusalemer Tempels] mit Lobgesang!“.

Schützenswertes Kulturgut

Die Synagoge ist hinter einem fünfgeschossigen Mietshaus verborgen, verfügt über 14 Fensterachsen und eine klassizistische Fassade, in dem Einrichtungen der Israelitischen Kultusgemeinde untergebracht sind. Insgesamt hat die Synagoge etwa 700 Sitzplätze. Nachdem es in den Achtziger Jahren sogar zwei Terroranschläge auf die Synagoge gab, wir auch heute noch der Stadttempel, wie viele andere jüdische Einrichtungen in Wien auch, von der Polizei laufend bewacht.

Führungen

Tempelführungen können von  Montag bis Donnerstag um 11.30 und um 14.00 statt, ausgenommen jüdische, christliche oder staatliche Feiertage in Anspruch genommen werden. Keine Anmeldung erforderlich. Die Anzahl der TeilnehmerInnen ist auf 30 Personen beschränkt. Kontakt: E-mail: mally.shaked@gmx.at, Tel: 0676/ 6036697. Schulklassen werden vom Vermittlungsteam des Jüdischen Museums Wien betreut. Anmeldungen erforderlich. Führungen können um 9.00, 10.00 und 12.30 gehalten werden. Infos und Anmeldung: Kommunikation & Vermittlung, Hannah Landsmann, Jüdisches Museum Wien, Tel: 01-5350431-130

 

 

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