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Schloss Wilhelminenberg

Infos zum Schloss Wilhelminenberg in Wien. Vom Beginn seiner Geschichte bis heute.

© HeinzLW | Schloss Wilhelminenberg in Wien

Im Westen von Wien

Im Jahre 1780 kaufte der russische Botschafter in Wien, Fürst Demeter von Gallitzin, einen großen Teil des bisher als Predigtstuhl bekannten Hügels, der zuvor dem Feldmarschall Graf Lacy gehört hatte. Er ließ sich bis 1785 hier ein Sommerschloss errichten, das von einem großen Park mit Springbrunnen und drei Teichen umgeben war. Gallitzins prächtige Residenz wurde in Wien sehr bewundert. Der Botschafter war für seine großartigen Feste berühmt. Bald sprach man vom Predigtstuhl nur mehr als Galiziberg. Als Fürst Gallitzin 1793 starb, wurde er zuerst vor dem Schloss bestattet, aber nach acht Jahren nach Russland überführt. Sein Erbe, Galicin Nikolaus Petrovits Graf Romanzow (Rumjanzow), hatte für das Schloss nicht viel übrig, so dass die Anlagen langsam verfielen. Zu den rasch wechselnden Besitzern der nächsten Jahre gehörten 1802 Franz von Langhendon, 1810 Anton Freiherr von Hochberg und Hammersdorf, 1812 Johann Karl Malanotti und 1816 Georg und Simon Sina, bis 1824 der aus Frankreich emigrierte Fürst Julius Montléart und seine Gattin Maria Christine das Schloss erwarben. Sie hatten zuvor im Czerninpalais in der Favoritenstraße gewohnt, übersiedelten aber nach einer großzügigen Renovierung in das Schloss am Gallitzinberg. Sie erwarteten sich durch die gute Waldluft Besserung für das Leiden ihres jüngsten Kindes. 1838 erfolgte der Zubau zweier Seitentrakte, wodurch das Gebäude wesentlich vergrößert wurde. Da der 75-jährige Fürst nach dem Tode seiner Frau die 27-jährige Prinzessin de la Tremoille geheiratet hatte, die Hochzeit aber nur um sechs Wochen überlebte, kam es ab 1865 zu einem langwierigen Rechtsstreit um das Erbe.

Schließlich wurde es versteigert, wobei der einzige Sohn des Fürsten, Prinz Moritz Montléart, das Schloss zugeschlagen bekam. Er schenkte es seiner Gattin Wilhelmine. Diese erwies sich der Gemeinde Ottakring und deren Armen gegenüber als äußerst großzügig. Auch die Errichtung des Wilhelminenspitals geht auf eine Spende ihrerseits zurück. Nach ihrem Tod erbte Erzherzog Rainer, der mit ihrer Enkelin verheiratet war, 1895 das Schloss. Er ließ das schon etwas baufällige einstöckige Gebäude abreißen und an seiner Stelle zwischen 1903 und 1908 durch die Architekten Eduard Frauenfeld und Ignaz Sowinsky das heutige, etwas unproportionierte Gebäude im Neo-Empirestil errichten. Als Erzherzog Rainer 1913 starb, wurde sein Neffe Erzherzog Leopold Salvator neuer Schlossherr. Er wurde 1918 enteignet. Das Schloss kam an den Kriegsopferfonds, der hier ein Lazarett und Rekonvaleszentenheim für lungenkranke Soldaten einrichtete. 1922 erwarb der Zürcher Bankdirektor Wilhelm Ammann das Schloss, behielt es aber nur wenige Jahre. Schließlich kaufte 1927 die Gemeinde Wien das Gebäude und benützte es als Kinderheim. 1934 zogen die Wiener Sängerknaben ein. Sie lebten hier bis 1938, als es von den Nationalsozialisten beschlagnahmt wurde. Während des Zweiten Weltkrieges war es ein dem Wilhelminenspital angegliedertes Heereslazarett. Nach 1945 diente Schloss Wilhelminenberg wieder als Erholungs- und dann als Kinderheim. Letzteres wurde 1977 endgültig geschlossen. 1987 erfolgte eine Generalsanierung. Das damals etablierte Gästehaus hat sich mittlerweile in ein 4-Stern-Hotel verwandelt.

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Das Schloss liegt am Ostabhang des Gallitzinberges und bietet eine herrliche Aussicht über Wien. Es ist eine langgestreckte zweigeschossige Anlage, die von hohen Mansarddächern bedeckt ist. An den sechsachsigen Mitteltrakt schließen sich einstöckige fünffenstrige Verbindungstrakte an, die zu weit vorspringenden, ebenfalls fünfachsigen Seitenpavillons führen. Der Mittelbau ist beidseitig von ornamental geschmückten Giebeln bekrönt. Im Erdgeschoß ist ihm an der Bergseite eine – heute verglaste – Wagenauffahrt vorgelagert. Ihre Säulen stützen einen großen Balkon. Auch der Mittelrisalit der Ostseite ist mit einem monumentalen, auf toskanischen Säulen ruhenden Balkon versehen. Die Risalite werden durch breite Riesenpilaster mit floralen Kapitellen gegliedert. Auch in den Fensterlunetten findet sich kräftiger floraler Neo-Empire-Dekor. Im Inneren befinden sich im Bereich des Mittelrisalits zwei Säle, wobei der westliche mit einer Kassettendecke und einem Neo-Empire-Fries ausgestattet ist. Der gartenseitige Saal öffnet sich durch hohe Rundbogentüren zur Terrasse. Er ist mit bemerkenswertem neobarockem Stuck versehen. Seitlich geschwungene Treppen führen von der großen Gartenterrasse in den ehemaligen Landschaftspark hinab. Er ist nicht mehr erhalten. Von den romantischen Parkbauten sind noch eine „römische Ruine“ und ein klassizistischer Rundtempel vorhanden. Letzterer markiert den höchsten Punkt des 16. Wiener Gemeindebezirks. Unweit des Schlosses steht ein 1887 errichtetes neugotisches Mausoleum, in dem Wilhelmine und ihr Gatte Moritz von Montléart bestattet wurden. Auf dem ehemaligen Parkgelände hat sich nach dem Zweiten Weltkrieg eine biologische Station der Akademie der Wissenschaften angesiedelt.

Ort/Adresse: 1160 Wien, Savoyenstraße 2

Besichtigung: im Rahmen des Hotel- und Restaurantbetriebes möglich

Text + Bilder: www.burgen-austria.com

 

 


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