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Jürgen Weber
Sehenswürdigkeiten Text: Jürgen Weber

Hofburg Leopoldinischer Trakt

Der Leopoldinische Trakt der Hofburg ist nicht nur einer der ältesten, sondern auch einer der größten des Hofburg-Ensembles und wurde nach seinem Erbauer Kaiser Leopold I. benannt. Italienische und österreichische Baumeister arbeiteten sechs Jahr an der Verwirklichung des Herzstücks der Hofburg, um nach einem Großbrand wieder von vorne beginnen zu müssen.

Hofburg: Leopoldinischer Trakt, Blick auf die Michaelerkuppel, Balustrade mit Engerln
© WienTourismus/Manfred Horvath | Der Leopoldinische Trakt der Hofburg mit Michaelerkuppel

Vom feurigen Einzug des Kaiserpaares...

Einer der größten und ältesten Teile der Hofburg ist der nach seinem Erbauer benannte Leopoldinische Trakt. Sein Namensgeber, Leopold I., ließ im Jahr 1657 einen eigenen repräsentativen Palast erbauen, nachdem die Pläne der italienischen Baumeister Burnacini und Luchesi fertig und höchstselbst von ihm genehmigt worden waren. Der Trakt, der zwischen der alten Burg und dem Amalientrakt den zukünftigen Burghof nach Südwesten gegen die Vorstädte Wiens hin begrenzen sollte, wurde in sechs Jahre vollendet und so konnte Leopold mit seiner ersten Gemahlin Margarita Teresa von Spanien feierlich einziehen. Allerdings brannte derselbe Teil nach seiner Fertigstellung bis auf seine Grundmauern ab und musste später nochmals wiederaufgebaut werden.

...zum bequemeren Ausbau durch die Maria Theresia

Leopolds Enkelin Maria Theresia wählte später genau diesen Teil der Hofburg als Winterresidenz, nachdem sie im Sommer Schloss Schönbrunn den Vorzug gab. Die gerne als „Landesmutter“ titulierte Kaiserin erweiterte den Leopoldinischen Trakt um die „Bellaria“, deren Name auch  heute noch vielen Wienbesuchern ein Begriff ist. Da die scheue Fußgängerin nämlich ungern per pedes ihre Strecken zurücklegte, baute sie kurzerhand vom Vorplatz der Burg, dem heutigen Heldenplatz, eine Rampe steil hinauf auf die Krone des Burgwalls, der den Platz im Westen begrenzte und senkrecht zum Leopoldinischen Trakt, an dessen schmale Westseite anstoßend, in der Richtung auf die „Vorstadt“ verlief.

Die Bellaria

So konnte sie sehr bequem die „Bellaria“, einen auf dem Wall fußenden Vorbau des Traktes, erreichen, dessen Eingang in der Höhe des zweiten Stockwerks lag und direkt in die kaiserlichen Appartements führte. Die noch  heute „Bellaria“ genannte Straße hat also ihren Namen nach jenem luftigen und mit einem großen Balkon versehenen Anbau der Burg und die Straße und ihre Fortsetzung, die Burggasse, erinnern bis heute daran, dass hier der einzige von außen her direkt zur Burg führende Zugang verlief.

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Luxus und Komfort für die Herrschaften

Den kleinen Komfort, den sich die Kaiserin mit der „Bellaria“ gegönnt hatte, wurde durch die damals herrschenden hygienischen Verhältnisse aber durchaus gewissermaßen konterkariert: In der ganzen Burg gab es keine einzige Toilette und kein Badezimmer.  Dafür aber immerhin eine ordentliche Heizung, denn die herrlichen Barocköfen des LeopoldinischenTraktes, Meisterwerke der Keramik, reichten in den überhohen Räumen der kaiserlichen Appartements vom Boden bis zur Decke und setzen auch heute noch sichtbare Zeichen.

Restaurierung und Sanierung

Selbstverständlich wurden im Rahmen der Sanierungsmaßnahmen nach dem Zweiten Weltkrieg eine Zentralheizung für den nunmehrigen Sitz des Bundespräsidenten der Zweiten Republik anstelle der freigewordenen Holzheizgängen errichtet. Die Burg wird seither zwar nicht mehr mit Holz geheizt – die Zentralheizung erwies sich als wesentlich billiger – dafür kann sich der nunmehrige Präsident aber über großzügige WC-Anlagen freuen.

Geheimtipp:

Eine weitere Besonderheit des Leopoldinischen Traktes ist die am Westende gelegene, der Bellaria benachbarte, „Josephskapelle“, die sich hinter einem vermeintlichen Wandschrank verbirgt. Der Besucher blickt in eine geräumige Kapelle hinab, mehr Kirche schon, die, mehrere Stockwerke hoch, in den Leopoldinischen Trakt eingebaut ist. Die „Schranktür“ war ein Maria Theresia vorbehaltener Zugang zum Oratorium, von dem aus sie, ohne ihre Wohnung zu verlassen, die Messe mitfeiern konnte. Von außen kann man die Kapelle an ein paar höheren Scheiben erkennen, ohne aber zu erahnen, was sich dahinter verbergen könnte. 


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