1. Stadt Wien
  2. Wien
Mehr Wien
Artikel teilen
Kommentieren
News Text: Katharina Widholm

Kopftuchverbot in Kindergärten und Schulen

Das mögliche Kopftuchverbot an Kindergärten und Schulen in Österreich ist derzeit nicht nur in der Regierung ein brisantes Thema. Wir zeigen einige Gründe auf, warum muslimische Frauen ein Kopftuch tragen bzw. sich nach dem Hijab kleiden, werfen einen Blick in den Koran und sehen uns die häufigsten Argumente an, die für und gegen das Kopftuchverbot diskutiert werden.

Sechs Frauen, die eine Form von Kopftuch tragen
© 123rf | Die Regierung plant derzeit ein Kopftuchverbot in Kindergärten und Schulen

Selma ist elf Jahre alt und lebt mit ihren Eltern, Türken zweiter Generation, und vier Geschwistern in Ottakring. Sie unterscheidet sich im Kleidungsstil und Verhalten nicht wesentlich von österreichischen Kindern ihres Alters, ist aufgeweckt und neugierig. Noch muss sie die religiösen Pflichten einer muslimischen Frau nicht erfüllen, Kopftuch trägt sie auch noch keines. Sie weiß noch nicht, ob sie in Zukunft ein Kopftuch tragen wird. Ihre Eltern würden es sich wünschen. Vor allem der Vater, denn "er weiß, wie Männer denken", sagt er und glaubt seine Tochter im Hijab gekleidet in der Öffentlichkeit besser geschützt.

Während es vorrangig erwachsene Muslimas oder Mädchen im Teenageralter sind, die Kopftuch tragen, sieht man in Österreich auch vereinzelt Mädchen im Kindergarten- oder Volksschulalter mit Verschleierung. Doch das soll sich nun ändern, denn die Regierung plant ein Koptuchverbot in Kindergärten und Volksschulen.

Das Kopftuch im Islam

Peinlich genau wird auch bei den jungen Muslimas darauf geachtet, dass kein einziges Haar aus der meist zweiteiligen Kopfbedecktung hervorlukt. Die Auffassung, dass die Haare der körpereige Schmuck einer Frau sind, und deshalb einen Reiz darstellen, der verborgen werden muss, findet sich nicht nur im Islam: ultraorthodoxe Jüdinnen etwa tragen ab der Heirat in der Öffentlichkeit eine Perücke – den sogenannten Scheitel. Aber bei keiner Religion spielt dieses Kleidungsstück eine so große Rolle wie im Islam. Doch warum entscheiden sich viele Muslimas dazu, sich in der Öffentlichkeit ausschließlich mit Hijab zu zeigen?

Als „Hijab“ versteht man die islamisch konforme Kleidung von Frauen, die neben dem Koptuch auch andere Regeln beinhaltet, wie etwa, dass die Kleidung nicht körperbetont sein soll und Arme wie Beine bedecken sind. Die Entscheidung dafür kann folgende Gründe haben:

  • Die Frau will ihre Zugehörigkeit zum Islam signalisieren
  • Zeichen der Frömmigkeit
  • Zeichen der Bescheidenheit

Der umstrittenste Grund für das Tragen eines Hijabs besteht allerdings darin, dass die „moralischen Grenzen“ zwischen Mann und Frau erhalten bleiben sollen. Frauen können sich mit der "zurückhaltenden" Kleidung ihre Privatsphäre in der Öffentlichkeit erhalten und tun das ihre dazu, von Männern weniger als Sexualobjekte betrachtet zu werden.

Das Kopftuch im Koran

Oft hört man, dass im Koran an keiner Stelle erwähnt wird, dass sich Frauen verschleiern müssen. Bekanntlich unterliegen die Inhalte religiöser Schriften einer gewissen Interpretationsfreihelt. Was die Kleidungsvorschriften bei Frauen angeht, findet sich eine Stelle im Koran, wo es im Vers 24:31 etwa heißt: „Und sprich zu den gläubigen Frauen, dass sie ihre Blicke zu Boden schlagen und ihre Keuschheit wahren und ihren Schmuck (Zeenah) nicht zur Schau tragen sollen – bis auf das, was davon sichtbar sein darf, und dass sie ihre Tücher  (Khumur) um ihre Kleidungsausschnitte (Juyoob) schlagen.“

Da mit „Khumur“ ein Kopftuch oder ein langes Tuch gemeint wird, ist naheliegend, dass damit auch die Verhüllung des Haupthaares mitgemeint wird. Im selben Vers ist auch die Rede davon, dass sich Frauen unverhüllt nur Männern zeigen sollen, die keinen Geschlechtstrieb haben.

Kopftuchverbot in Kindergärten und Schulen

Die Regierung sieht nun vor, ein Kopftuchverbot an den österreichischen Kindergärten und Volksschulen durchzusetzen. Das Verbot soll unter dem Namen „Kinderschutzgesetz“ auf Schiene gebracht werden und wird von Bildungsminister Heinz Faßmann in erster Linie symbolisch verstanden. An dem geplanten Verbot scheiden sich die Geister, es gibt zahlreiche Befürworter, aber auch Gegenstimmen.

Argumente für das Verbot

Ein Argument für ein Kopftuchverbot von Mädchen unter zehn Jahren liegt darin, dass der Hijab, wie bereits erörtert, unter anderem dazu dient, die weiblichen Reize vor den Männern zu verdecken. Damit werden Frauen allerdings auch indirekt sexualisiert. Grundsätzlich wird der Hijab ab der Geschlechtsreife, also mit Eintritt der Regel getragen. Vorpubertäre Mädchen ein Kleidungsstück tragen zu lassen, welches getragen wird, um vor Männer eben nicht als Lustobjekt zu fungieren, ist deshalb nicht unproblematisch.

Argumente gegen das Verbot

Die Pläne der Regierung stoßen auch auf Kritik. So gibt es etwa die Befüchtung, dass ein Verbot das Entstehen von Paralellgesellschaften fördern könnte, da sich Eltern möglichwerweise dafür entscheiden, Kinder in spezielle Privatschulen zu schicken. Ein weiteres Argument ist, dass man dadurch die muslimische Community in Österreich verärgern könnte. Zudem werde mit zweierlei Maß gemessen und verletzt den Gleichheitsgrundsatz: denn andere religiöse Kleidungsstücke wie etwa die Kippa bei jüdischen Burschen werden außen vor gelassen. Verfassungsrechtlich sei ein Kopftuchverbot nur dann zulässig, wenn man es als religiöses Symbol interpretiert und infolgedessen müssten sämtliche religiöse Symbole in Schulen verboten werden. Das Koptuch als kulturelles Symbol könne man nicht verbieten, da von ihm keine Gefahr der Sicherheit ausgeht. Viele Stimmen sehen in dem kommenden Kopftuchverbot allerdings eine sinnlose Maßnahme, da tatsächlich nur sehr wenige vorpubertäre Mädchen in Österreich einen Hijab tragen.

Einige weitere Stellungnahmen dazu

Karl Nehammer - ÖVP Generalsekretär, 10.4.2018

Gudrun Harrer - Journalistin und Nahostexpertin, 14.4.2018

Puls4 - Im Namen des Volkes

Biber Magazin für "neue" Österreicher, Pro und Contra, 23.2.2018 

Beteiligen Sie sich am Beitrag, wir freuen uns:

Ein guter Tipp dabei? Teile es mit deinen Freunden.

Kommentar hinzufügen

Datenschutz *
Aufgrund der neuen Datenschutzgrundverordnung nehmen Sie bitte unsere Datenschutzerklärung zur Kenntnis. Wir versichern Ihnen, dass Ihre Daten ausschließlich zweckgebunden zur internen Bearbeitung (Posting-Kommentar) verwendet werden.

Bitte trage in das folgende Feld "Ja" ein, wenn Du damit einverstanden bist, dass die von dir angegebenen Daten elektronisch erhoben und gespeichert werden.

weitere Meinungen

Die Herren in der Politik haben keine Ahnung von der Realität.

, 12.05.2018 um 02:53
  1. Stadt Wien
  2. Wien