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Jürgen Weber
Theater & Kabarett Text: Jürgen Weber

Das Wiener Burgtheater: Highlights im Dezember

Das Burgtheater gehört zu den besten deutschsprachigen Theaterbühnen. Das Repertoire im Dezember reicht von Klassikern wie Shakespeare und heimischer Autoren bis hin zu einer fulminanten Inszenierung Georg Büchners Danton und einer literarischen Aufarbeitung des Ersten Weltkriegs durch eine Bühnenadaption von Karl Kraus' "Die letzten Tage der Menschheit". Ein Ausblick auf Spielplan und Programm im Dezember 2014.

"Die Reise nach Petuschki" nach Wenedikt Jerofejews "Poem"
© Georg Soulek/ Burgtheater | "Die Reise nach Petuschki" nach Wenedikt Jerofejews "Poem"

Revolution am Burgtheater

Dass in der Aufführung von Georg Büchners Dantons Tod „aus künstlerischen Gründen“ - wie es in der Beschreibung dazu auf der Homepage des Burgtheaters heißt - geraucht wird, mag darauf hindeuten, daß wir auch heute noch in unsicheren Zeiten leben und das Stück, das Büchner 1835 geschrieben hat, nichts von seiner Aktualität eingebüßt hat. Denn der Krieg des Menschen gegen den Menschen – sei es in politischen Systemen oder in privaten Beziehungen – wurde auch in den letzten Jahrzehnten nicht weniger blutig geführt als zuvor, im Zeitalter der Französischen Revolution, in der „Dantons Tod“ spielt. Auch Joachim Meyerhoff, in der Rolle des Danton bei der Aufführung des Burgtheaters (5.12., 6.12. 10.12. 26.12.) zu sehen, weist auf die Aktualität des Stoffes hin: „Der Begriff Revolution war schon fast aus meinem Wortschatz verschwunden. Und dann? Im gesamten arabischen Raum Revolutionen, die jedes Mal mit so großen Hoffnungen begannen.“ Jan Bosses Inszenierung an der Burg weist weit über den Rahmen hinaus und liefert viele Ansätze zur Neuinterpretation dieses bereits klassischen Stoffs.

Die Liebe in Zeiten des Schneesturms

Etwas friedlicher wirkt die Produktion des Burgtheaters am Akademietheater im Dezember dann bei der Aufführung der „Schneekönigin“ (6.12., 8.12., 15.12.,16.12. 23.12. 26.12. 31.12.) frei nach dem Märchen von Hans Christian Andersen. Das Familienstück ab 7 Jahren entführt in die Welt der Trolle und auf die Spuren von Kay, die Gerda mit jedem Rückschlag mutiger werden läßt, denn hoch im Norden wartet die größte Herausforderung auf sie: Kays zu Eis erstarrtes Herz zu erwärmen. Die Schneekönigin erwächst ihr dabei als unbesiegbarer Gegner, doch wer weiß, ob die Liebe nicht doch stärker ist?

100 Jahre „Nie wieder Krieg!“

Im Jubiläumsjahr des Kriegsausbruchs 1914 wurde auch Karl Kraus‘ „Die letzten Tage der Menschheit“ (1.12., 8.12., 19.12., 28.12.) neu inszeniert und als Bühnentext dem theaterbegeisterten Publikum des Burgtheaters zugänglich gemacht. Der während des Ersten Weltkriegs entstandene „Angsttraum“ des Herausgebers der „Fackel“, Karl Kraus, montiert dokumentarisches Material, Feldpostbriefe und Zeitungsmeldungen und konzentriert sich dabei vor allem auf das Hinterland (Wien, Berlin), also das Leben hinter der Front, der Heimat der Journalisten, Drückeberger und Kriegsgewinnler und anderer Profiteure. 100 Jahre nach dem Attentat von Sarajevo wird das Burgtheater zu einer Krausschen „Versuchsstation des Weltuntergangs“, wie er selbst einst Wien und Österreich bezeichnet hatte. Eine gute Gelegenheit sich des Grauens zu erinnern und auch 100 Jahre später „Nie wieder Krieg!“ zu skandieren.

Identitätssuche in der Finsternis

Zum 70. Geburtstag des Schriftstellers Peter Turrini zeigt das Burgtheater „Bei Einbruch der Dunkelheit“ (2.12., 11.12., 15.12., 25.12., 30.12.) in dem es um den Besuch auf einem Kärntner Landgut geht. Kunstsinnige Konversation, die zuverlässig nirgendwo hinführt, wird gepflegt aber viel mehr noch die Gunst der scharfen Stiche, denn nur wer sich wirklich gut kennt, weiß mit Worten Wunden zu reißen und das gelingt am besten in der Familie. Wenn die Dunkelheit über den Garten hereinbricht, darf jeder sein, der er schon immer sein wollte, so das selbsterfundene Spiel der Protagonisten, doch bald wird daraus bitterer Ernst. „Alle Figuren meines Stückes wollen eigentlich zueinander, aber sie schaffen ununterbrochen das Gegenteil“, so Turrini selbst über „Bei Einbruch der Dunkelheit“.

William Shakespeare und andere Klassiker an der Burg

Neben weiteren Stücken heimischer Autoren wie etwa Ferdinand Raimund, Johann Nestroy, Elfriede Jelinek oder Thomas Bernhard steht auch William Shakespeare mit gleich drei verschiedenen Klassikern auf dem Spielplan des Burgtheaters im Dezember. In „Was ihr wollt“ (20.12., 31.12.) geht es um das sagenhafte Königreich Illyrien, in dem niemand arbeitet und man allein für die Muße lebt: Musik, Trinken, Liebe und vor allem Melancholie gehören zu den Lebensinhalten der Protagonisten, bis plötzlich Schiffbrüchige die traute Harmonie durcheinanderwirbeln. Der Klassiker „Hamlet“ (13. 12.) in der Übertragung von August Wilhelm Schlegel gehört ebenso wie „König Lear“ (4.12., 12.12.) zu den Pflichtterminen am Burgtheater im Monat Dezember.

Ein kleiner Geheimtipp

Als Geheimtipp am 8.12. und 29.12. am Burgtheater zu sehen ist „Die Reise nach Petuschki“ nach dem russischen Autor Wenedikt Jerofjew. In der Regie von Felicitas Braun wird die Reise in einem Zug zu einer Irrfahrt zu sich selbst, in der sowohl Goethe als auch Schiller ein Rolle spielen, die nur von der des Wodka noch übertroffen wird. Das 1969 entstandene „Poem“ Jerofjew war in der Sowjetunion verboten und feiert als Theaterstück seit der Wende immer wieder seine Neueinterpretation, am Burgtheater durch Jasna Fritzi Bauer und Daniel Sträßer mit der Musik von Robert Zimmermann und Kostümen von Aleksandra Kica.

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