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Politik Text: Katharina Widholm

Für Düringer G!lt nur das Chaos!

Roland Düringer betrachtet sein Politprojekt G!LT eher als künstlerische Aktion denn als politische Partei. In erster Linie möchte er Nicht-Wähler von sich überzeugen. Was genau er damit bezweckt und wie er dieses Projekt umsetzen will, erfahren Sie hier.

Roland Düringer
© @soulpictures.at | Roland Düringer hat die Partei G!LT ins Leben gerufen

Bei der Nationalratswahl im Herbst 2013 lag die Wahlbeteiligung bei 75%. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass 25% der Wähler auf den Gang zur Urne verzichteten.

Ein Viertel Nichtwähler - eigentlich sollte das ein gefundenes Fressen für die Parteien sein. 25% ungenütztes Wählerpotential. Die Politikverdrossenheit der Österreicher ist nicht zu verleugnen. 

Vor allem drei Personen scheinen es sich angesichts dieser Entwicklungen zur Aufgabe gemacht haben, die Nicht- und Weißwähler des Landes zu mobilisieren. Zum einen sind das Sebastian Kurz, Chef der "Neuen Volkspartei", vormals ÖVP, sowie Peter Pilz, die beide vorgeben, sich vom altbewährten Parteienkonstrukt loslösen zu wollen und stattdessen "Bewegungen" ins Leben gerufen haben, in denen Experten und Koryphäen aus vielerlei Bereichen vertreten sind, anstatt Berufspolitiker und Sesselklebern.

Vom Kabarett und Film in die Politik

Der dritte im Bunde ist Roland Düringer, seines Zeichens Kabarettist, Schauspieler, Buchautor und Aussteiger. Er will bei der kommenden Wahl im Herbst mit einer eigenen Liste antreten, die er "G!LT" getauft hat und mit der er vor allem Nichtwähler anspricht.

Dass Persönlichkeiten aus der Unterhaltungsindustrie vermehrt vom Scheinwerferlicht der Politik angezogen werden, ist ein Phänomen, das nun seit einigen Jahren anhält und immer bizarrere Formen annimmt. 

Ein Vorreiter ist hier etwa in Italien Beppe Grillo, Blogger und Komiker, der 2013 mit seiner Bewegung MoVimento 5 aus dem Stand bei den Parlamentswahlen über 25% erreichte und somit strittstärkste Kraft wurde. Grillo weigerte sich jedoch, nach dem Wahlsieg tatsächlich auch politische Verantwortung zu übernehmen und verursachte damit eine Pattsituation im Parlament. 

In Deutschland schaffte es die Satirepartei DIE PARTEI bei der Europawahl 2014 ein Mandat im EU-Parlament zu erhalten. Nach Brüssel wurde daraufhin Satiriker und TV-Persönlichkeit Martin Sonneborn geschickt, Gründer der Partei, ehemaliger Chefredakteur der Titanic. Als Vorhaben gab er an, bei parlamentarischen Abstimmungen abwechselnd für "Ja" und "Nein" stimmen zu wollen und gibt in seiner Funktion als EU-Abgeordneter regelmäßig ironische Interviews.

Doch den Vogel abgeschossen hat definitiv Donald Trump: Der US-Präsident war vor seinem Aufenthalt im Weißen Haus als Baulöwe, Adabei-Mensch und Host einer Reality-Show bekannt und vor allem durch seine Hau-Drauf-Mentalität berüchtigt. Leute, die darauf gehofft hatten, "The Donald" würde schon staatsmännischer auftreten, wenn er erst sein Amt als Commander-In-Chief antreten, würde, wurden bitter enttäuscht.

Düringers Partei G!LT: Refugium für Nichtwähler?

Was bezweckt Roland Düringer nun genau mit seiner Liste? Im Grunde geht es hier eher um den Wahlprozess, als um die politische Arbeit, die danach folgen soll. Düringer prangert an, dass man nach einer Wahl so tun würde, als wären die immerhin 25% Nichtwähler nicht vorhanden und dass man bei den Auswertungen der Wahlbeteiligungen so tun würde, als würde es sich um 100% der Wähler handeln. Damit hat er nicht unrecht: addiert man die Prozentsätze, die die jeweiligen Parteien an Wählerstimmen erhielten, erhält man tatsächlich 100%, wobei es sich dabei jedoch nicht um die gesamte wahlberechtigte österreichische Bevölkerung handelt, sondern um jene Wählerschaft, die in den Wahlkabinen erschienen sind und eine gültige Stimme abgegeben haben. Die Nicht- und Weiß-Wähler, oder die, die ungültig gewählt haben, werden außen vor gelassen.

Düringer will diesen Menschen nun gewissermaßen ein politisches Refugium geben. Wer sich mit keiner der zur Wahl stehenden Parteien ausreichend identifizieren kann, hat die Möglichkeit, Düringers Bewegung anzukreuzen. Auf diese Weise sollen auch diese Menschen in Wahlstatistiken repräsentiert werden. 

Düringers Plan

Zumindest eine Sache hat Roland Düringer Beppe Grillo voraus: Er sagt bereits vor der Wahl, dass er nicht gedenkt, selbst politisch tätig zu werden. Da er jedoch eine Liste vorlegen muss, für die tatsächlich auch Leute kandidieren will er folgendermaßen vorgehen: 

Ungefähr 50 Leute har Düringer vorab ausgewählt, die für G!LT antreten wollen. Beim Auswahlverfahren soll es keine Rolle spielen, welche Ausbildung oder Fähigkeiten die Kandidaten haben. Sollte es Roland Düringer tatsächlich schaffen, bei der Wahl die 5%-Marke zu knacken und einige Mandate im Nationalrat zu ergattern, so hat er ganz klare Vorstellungen, welche Rolle die Mandatsträger von G!LT auszufüllen haben: Sie sollten nicht etwa Sachpolitik betreiben und Reden vorm Plenum halten sondern in erster Linie einfach anwesend sein und auf diese Weise den Anteil der Nichtwähler im Nationalrat repräsentieren.

Auch über die Nutzung des Gehalts, das die Mandatsträger erhalten werden, hat Düringer eine fixe Vorstellung: 8.583€ brutto verdient ein Nationalratsabgeordneter im Monat. Das sind 4.891,64 € netto. Wer nun aber überlegt, für Düringers Liste zu kandidieren, in der Hoffnung, in den nächsten 5 Jahren für ein stattliches Gehalt eine ruhige Kugel schieben zu können, wird leider enttäuscht: Lediglich 1.700 € dürfen die Mandatsträger von Düringers Liste für sich selbst behalten, der Rest soll wohltätigen Zwecken zugute kommen. Ob das nicht populistisch sei, wurde Düringer in einem Fernsehinterview gefragt. Natürlich, war die Antwort. Aber das soll auch so sein.

In den neuesten Umfragen scheint G!LT nicht einmal auf. Angesichts der turbulenten tagespolitschen Entwicklungen, in der die Volkspartei mit Sebastian Kurz in allen Umfragen an erster Stelle sind, sowie Peter Pilz mit einer eigenen Liste antritt, darf angezweifelt werden, ob Düringers Bewegung es tatsächlich in den Nationalrat schafft. Originell ist das Vorhaben jedoch allemal.

 

Weitere Interviews mit den Spitzenkandidaten

Die Nationalratswahl 2017 im Überblick

 

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