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Bundespräsidentenwahl Text: Christian Kaserer

Wahlhelfer: Die wahren Opfer der Pfuscher

Glosse eines Wahlhelfers zur erneuten Bundespräsidentenwahl: Als die Entscheidung der Richter bekanntgegeben wurde, die Bundespräsidentenwahl sei zu wiederholen, ging ein Raunen durch das Land. Die Linken witterten einen Putschversuch, dem 34er-Jahr ähnlich, die Rechten sahen erneut eine Chance die Macht zu ergreifen. Auch außerhalb der Landesgrenzen wusste man nun, was der Österreichische Weg – das Pfuschen – war und alle Chefredakteure des Landes sahen sich genötigt, ihre realitätsfernen Meinungen in ganzseitigen Kommentaren kund zu tun. Bei all dem Brimborium vergaß man jedoch darauf, dass die Gruppe der Schuldigen, also die Wahlhelfer, auch jene Gruppe ist, die am meisten zu leiden hat. Was tut man ihnen nur an?

Wahlhelfer bei der Stimmauszählung zu einer deutschen Bundestagswahl
© Bundesarchiv, B 145 Bild-F074410-0036 / Munker, Georg / CC-BY-SA 3.0 | Wahlhelfer: Die wahren Opfer der verpfuschten Bundepräsidentenwahl.

50 Euro Salär und rabiate Wähler

Für einen lächerlichen Salär von nur 50 Euro schleppt man sich um 6.00 Uhr Früh an einem Sonntag in eine Schule, einen Kindergarten und ähnliche Einrichtungen, die man nach der Kindheit eigentlich nie wieder betreten wollte, und baut Wahlkabinen auf. Schnell bemerkt man dann beim Zählen der Wahlzettel, dass deutlich zu wenig vorhanden sind und bekommt erklärt, dass dies eine bewusste Entscheidung des Staates sei, da man sowieso nicht so viele Wähler erwarten würde und somit Geld und Papier gespart werden könne. Politikverdrossenheit pragmatisch betrachtet.

Mehrfach beginnt man sich im Laufe des langen Tages zu fragen, wie diese wahllos zusammengewürfelten Menschen im Sprengel nur die Hüter der Demokratie sein können. So bezieht die Magistratsangestellte bei der Ausgabe der Wahlzettel ihre Freude daraus, alle drei Minuten bei WhatsApp mit ihren Kollegen die abgegebenen Stimmen zu vergleichen. Ihr begeistertes Lachen darüber, dass sie knapp in Führung liegt, wäre beinahe lustig, wenn es nicht so traurig wäre, dass das der Höhepunkt ihrer Woche ist.

Beeindruckend auch, dass die von der SPÖ gestellte Pensionistin es im Laufe des Tages immer wieder dutzende Male schafft, die fortlaufenden Nummern im Wählerverzeichnis nicht zu finden.

Spätestens als ein älterer Mann schreiend den Raum betrat, von den „wertlosen Wapplern“ die Mitteilung seines Wahllokals verlangte und meinte, der Hofer würde mit dieser „Bagage“ schon noch aufräumen, konnte man sich über den von den NEOS gestellten Wahlleiter allerdings freuen. Obschon er die meiste Zeit außerhalb des Sprengels, mit seinen Kolleginnen quatschend, verbrachte und trotz seines drei Burger umfassenden Mittagessens, wovon er sogar eine Hand Pommes für andere entbehren konnte, hatte er noch genug Energie die Situation zu klären und mit seinem umfassenden Volumen wieder für Ordnung zu sorgen. Die NEOS können eben mit allen.

Während die Hofer-Seite mit Aggression und spitzen Kommentaren aufwartete, fielen Van der Bellen – Anhänger spätestens damit auf, dass sie Rosen an die Wahlhelfer verteilten und Küsse anboten. Naheliegend auch, dass diese Dame jenen Wahlzettel ausfüllte, der mit psychedelischen Mustern bemalt war. Ein Schelm übrigens wer ein seltsames Demokratieverständnis bei jenen Leuten vermutet, die ihr Kreuzchen beim Ingenieur machten und bei „Name des Wahlwerbenden“ ihren eigenen Namen auf den Wahlzettel schrieben. Bananenrepublik scheint wohl doch passend zu sein.

All dies und wohl noch viel mehr erwartet die Wahlhelfer am 2. Oktober. Erneut ein verlorener Sonntag, erneut die Langeweile, erneut die frechen Wähler. Was tut man den Pfuschern nur an?

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