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Bundespräsidentenwahl Text: Romina Wallner

Die BP-Wahl und die Österreicher

Aller guten Dinge sind drei. Die österreichische Präsidentschaftswahl geht ebenfalls in die dritte Runde. Man könnte nun stundenlang darüber diskutieren, wie sehr das Urteil des VfGH der einen oder anderen Partei in die Hände spielt. Man könnte auch veranschaulichen, welcher Kandidat für welche Werte und welches politische Lager steht. Doch das wurde bereits zur Genüge breit getreten und auch der letzte politische desinteressierte Österreicher weiß nun, dass der eine Kandidat offenbar ganz links und der andere ganz rechts steht.

Die Österreich Flagge weht im Wind.
© Mikekilo74 (Own work) [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons | Die Fahne passt nicht ganz ins Bildformat, aber das "wird scho passen"!

Bundespräsidentenwahl im Konjunktiv

Der VfGH konnte keine offensichtliche Manipulation feststellen, das Urteil beruht rein auf dem Konjunktiv: Die Unregelmäßigkeiten HÄTTEN das Ergebnis beeinflussen KÖNNEN. Doch wie kommen solche Unregelmäßigkeiten überhaupt zustande? Die Antwort liefert eine dem Österreicher ur-eigene Mentalität – die „wird-scho-passen“-Mentalität. Der Österreicher nimmt es nicht immer ganz genau, sei es beim Kuchenrezept, wo man am Ende feststellt, dass man statt 250 g Butter nur 25 g verwendet hat oder bei der Steuererklärung, wo man angibt, dass die vielen Abende mit Freunden als Geschäftsanbahnungskosten abzurechnen sind. Dabei denkt jeder Österreicher: „Na geh. Wird scho´passen!“ Das ist durchaus keine schlechte Eigenschaft, schließlich weiß jeder, wie mühsam der Umgang mit „i-Tüpferl-Reitern“ und Pedanten sein kann. Erst recht wenn es um amtliche Dinge geht. Man sitzt beim Antrag auf seine Bachelor-Urkunde lieber einem „wird-scho-passen“-Österreicher als einem „hier-fehlt-aber-noch-ein-halber-ECTS-Punkt“-Österreicher gegenüber.

Österreichische Mentalität in Deutschland

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass die „wird-scho-passen“-Mentalität außerhalb von Österreich nicht existiert. Es gibt in Deutschland auch kein vergleichbares „Dat-wird-schon-klappen“. In unserem Nachbarland ist es nicht üblich Kulanz walten zu lassen, auch nicht bei Kleinigkeiten. Ein direkter Vergleich liefert eine Anekdote aus meiner Zeit in Deutschland. Für mein Studium musste ich ein Praktikum in einem Museum absolvieren, dafür benötigte das Museum ein polizeiliches Führungszeugnis von mir. Bei Recherchen im Internet stellte sich heraus, dass das Zeugnis ohne Ausnahme persönlich abgeholt werden muss, beantragen konnte man die Ausstellung aber per Telefon. Sofort versuchte ich eine kostengünstige Reise ins Heimatland zu organisieren. Als ich in der zuständigen Polizeidienststelle anrief, fragte ich auch nach einer Möglichkeit mir das Führungszeugnis vielleicht doch per Einschreiben zukommen zu lassen. Lachend wurde ich darauf verwiesen, dass man hier doch am Land ist und es kein Problem sei, wenn ein Familienmitglied das Zeugnis abhole. Also konnte meine Mutter mein Zeugnis abholen und mir bequem per Post zukommen lassen. Ein typischer Fall von „wird-scho-passen“.

Die Conclusio

Doch worauf möchte ich denn eigentlich hinaus? Auf die Tatsache, dass das Urteil des VfGH den Österreichern ihre eigene Mentalität vorhält, wobei dass doch ein unfassbar sympathischer Wesenszug von uns ist. Gerade das unterscheidet uns eben vom deutschen Nachbarn und zeigt uns, dass die Welt eben nicht untergeht, selbst wenn man mal etwas fünf Minuten zu spät abgibt oder man drei Euro über einer Bemessungsgrundlage liegt. Das ist alles in Ordnung, so lange es nicht ausartet und man bei wirklich wichtigen Dingen auf einen ordnungsgemäßen Ablauf achtet. Was bleibt ist die Frage, ob Richard Lugner in Anbetracht dessen nicht doch eine Alternative gewesen wäre?

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