
Zeit, für einen Eintrag in mein Tagebuch ...
Es war Feiertag. Genauer gesagt der 8. Dezember, Maria Empfängnis. An diesem Feiertag haben seit 1995 die meisten Geschäfte geöffnet und erhoffen sich so einen zusätzlichen Umsatz.
Diesen Feiertag, war Nieselwetter, eigentlich Regenwetter. Es hatte 7 Grad Außentemperatur und es war bereits am Vormittag finster wie in einem Affenarsch. Die zwei brennenden Adventskerzen am Frühstückstisch hatten eine Menge zu tun, damit sie behagliche Adventstimmung zauberten. Schnee - von dem können wir Städter nur träumen und klirrende Kälte im Dezember, damit der Punsch besser schmeckt, die gibt's auch nicht so wirklich.
Dennoch - Weihnachten naht mit großen Schritten und es galt noch ein paar Geschenke zu besorgen. Speziell für meinen Sohn mit 14 Jahren und 8 Monaten. Quasi fast 15, und auf seinem gefälschten Schülerausweis 16 oder 17, so genau habe ich ihn mir dann doch nicht angesehen (Verdrängungstaktik - sehr zu empfehlen, speziell für Eltern pubertierender Kinder!) Mit über 1,90 m Körpergröße haben wir für bekleidungstechnische Bedürfnisse in der Kinder- und Jugendabteilung definitiv nichts mehr verloren.
Sein Wunsch war es, in den Peek & Cloppenburg zu gehen. Eine Firma, die es versteht, geschmackvolle Auslagen zu dekorieren und spritzige, um nicht zu sagen Lebensfreude vermittelnde Prospekte zu versenden. Mein Filius fühlt sich auf jeden Fall sehr angesprochen. Wir fuhren mit der U-Bahn, weil wir ja wussten, dass die Mariahilferstraße abgesperrt worden war. Ich hörte ein leises Murren. War F. ja in der Annahme, bei dem Sauwetter rasch und bequem - vor allem trocken - von A nach B geshuttelt zu werden. Nix da. Der Kampf um den einzigen gut funktionierenden Regenschirm in unserem Haushalt entfiel, da wir uns ja beide gemeinsam auf den Weg machten. Allerdings bevorzugte er eine Haube aufzusetzen (um seine fantastische Frisur zu schützen, was sonst?), als mit der Mutter knapp nebeneinander unter einem Schirm zu gehen. So stakste er schlacksig neben mir her und endlich erreichten wir sein Ziel. Ich hatte zwei freie Tage hinter mir, war ausgeschlafen und erholt - und gut wars.
Zuerst war ich positiv überrascht, denn allzu viel los war auch nicht. Schon voll, aber nicht so, dass man Klaustrophobieanfälle bekäme. Wahrscheinlich sind dann doch viele von dem schlechten Wetter abgehalten worden. Da nicht wirklich viele Kabinen zum Probieren frei waren, ermunterte ich F. die Jacke doch einfach hier und sofort zu probieren. Langsam stimmte er mir zu. Langsam zog er sich aus. Und langsam zog er sich die neue Jacke an. Viele lieben entschleunigte Menschen aber ich bin mir noch nicht ganz sicher. Dann ein prüfender Blick in den Spiegel. Nicht nur die Jacke wurde begutachtet, auch gleich das Gesicht und ob prinzipiell alles passt. „Ja, nicht schlecht". Langsam zog er sich die neue Jacke wieder aus. Und dann wusste er nicht so recht ob er sich seine Jacke wieder anziehen sollte. Nein, war ja warm im Geschäft. Das merkte ich auch in meinem Rollkragenpulli plus Wintermantel.
Wir kämpften uns von Stockwerk zu Stockwerk durch, weil - er wollte sie alle sehen. Die Marken der Superdesigner. F. steht drauf, dass seine Kleidung von einer bekannten Marke stammt. Von mir hat er es nicht. Mir ist es egal. Es muss gefallen, predige ich immer. Bis dato war es F. auch egal. Jetzt nicht mehr. Eigendynamik? Es dauerte ein paar Stunden und mir Energie. Es war nett, aber anstrengend. Und alles langsam. Reiß ab.
Ungeduldig wurde F. erst dann, als ich eine Viertelstunde überlegte, welche Winterstiefel ich für seinen Bruder nun nehmen soll. Er war hungrig (ganz schlecht), hatte (fast!) alles was er wollte und sehnte sich nach seinem Computer. Na dann.

Permanente Haarentfernung und Hautpflege