
Zeit, für einen Eintrag in mein Tagebuch…..
Es ist so ein ähnliches Phänomen wie mit dem Orient, dem besten Stundenhotel Wiens. Keiner war jemals dort, aber alle kennen es. Mit der Volksmusik ist es ähnlich. Ein Andy Borg verdient sich dumm und dämlich, aber keiner hört offiziell seine Platten, keiner kauft seine Musik.
Er ist nur ein Beispiel von vielen und fällt mir deshalb ein, weil er den Musikantenstadl moderiert, das ist diese Sendung, die angeblich keiner schaut.
Nun gut. Ich bezeichne mich als Musikfreak. Ein Freak ist umgangssprachlich eine Person, die eine bestimmte Sache, zum Beispiel ihr Hobby (in meinem Fall die Musik) exzessiv, d.h. über ein normales Maß hinaus betreibt.
Ich habe mir bis vor ungefähr zwei Jahren wirklich keine Volksmusik gekauft. Gehört habe ich sie auf Kirtagen, auf Berghütten oder beim Apres Ski. Wenn ich Akkordeonklänge höre und dazu vielleicht noch Jodelklänge, wird mir warm ums Herz und ich werde zum Patrioten. Ich mochte auch immer schon die Tracht. Mittlerweile ist sie hipp geworden, weil ja auch neuerdings ein Oktoberfest das nächste jagt. Vor ein paar Jahren mussten etliche Trachtengeschäfte schließen und jetzt boomen sie. Schöne Entwicklung, eigentlich.
Aber nach Hubert von Goisern, der sowieso der Intelektuellste aus der Partie ist, waren die Seer (Wild´s Wasser, erschienen 2007) die nächsten, die mich fasziniert haben. Meine Freundin und ich waren sogar in der Stadthalle und es hat uns bei so manchem Lied die Tränen rausgedrückt. Nein, nicht weil sie schlecht gesungen haben. Lässt man sich auf diese Art von Musik ein, geht sie einem eben nahe.
Ich stelle fest: je älter ich werde, desto weniger Berührungsängste habe ich mit Volksmusik oder mit Schlagerklängen. Ich muss es vielleicht nicht beim Autofahren hören, oder am Strand. Es ist allerdings meist fröhliche Musik und animiert zum Tanzen und Mitsingen.
Nehmen wir das für mich frischeste Phänomen her: Andreas Gabalier. Mit seinem Lied „I sing a Liad für di“ wird er sich der Student wohl saniert haben. Das habe ich letzten August in Kärnten das erste Mal gehört (obwohl bereits im April 2011 erschienen) und nicht mehr aus dem Kopf gekriegt. Jetzt schon gar nicht mehr, weil ich es auf itunes gekauft, Freunden vorgespielt, dazu unzählige Male getanzt, auf der Wiesn in Wien gehört und in der Bettelalm (wo sonst) dazu getanzt habe.
Volksnahe Musik gab es immer schon. Es gibt herrliche Nummern von STS, zum Beispiel das Lied „Zeig mir dein Himmel“ oder von Georg Danzer „Ollas leiwaund“, Fendrich, Ambros und viele, viele mehr haben herrliche Nummern gesungen. Deutsche Texte, oft im Dialekt gesungen, die man versteht, mit denen man sich zum Teil identifiziert.
Na dann bin ich ja einmal neugierig, wann ich wieder mal in der Bettelalm mein Tanzbein schwingen werde. Die Musik ist lustig, die Leute normal und entspannt. Es gibt Männer, die gerne tanzen und es meistens auch können. Alles garantiert schnöselfrei. Zum Weiterempfehlen und Abschalten.
Nur nicht die Volksmusik. Stay tuned.

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