Sponsion

Eine Sponsion ist ein feierlicher, bewegender Anlass. Nicht nur für die Absolventen, auch für deren Familien und Freunde.

Sponsion

Zeit, für einen Eintrag in mein Tagebuch…….

Die Tage war ich auf einer Sponsion an der Hauptuniversität Wien. In Österreich versteht man unter einer Sponsion die Verleihung des akademischen Grades eines Magisters, einer Magistra, eines Diplomingenieurs, eines Bachelor sowie eines Masters.

Die Voraussetzung der Sponsion ist ein erfolgreicher Abschluss des jeweiligen Studiums mit Diplomprüfung und das Verfassen einer entsprechenden Diplomarbeit. Verliehen wird der Titel durch den Rektor der Universität.

Soweit die Information. Nun ist es so, dass man sich nicht all zu oft auf Sponsionsfeiern aufhält, befindet man sich ja schon über seiner eigenen biologischen Lebensmitte und die Kinder sind noch nicht ganz soweit. Die, die im familiären Umfeld oder im engeren Freundeskreis studiert haben, haben es schon eine ganze Weile hinter sich gebracht.

Nicht so die speziellen Ausnahmen. Das sind die, die neben Familie, Kindern, Sport und Haushalt ein Studium in Angriff nehmen und es dann – nach wirklich harter Arbeit, Entbehrungen und Kampf mit dem inneren Schweinehund – tatsächlich abschließen. So auch meine Freundin, die in zwei Wochen 40 wird, zwei Kinder, einen Ehemann hat und nicht zu vergessen – einen Haushalt hat. Hoppla -  Haustiere auch vorhanden – und die machen eine Menge Arbeit, ich weiß wovon ich schreibe (zumindest in diesem Fall).

Ich nahm in meinem Leben schon an einigen akademischen Feiern teil. Skurril ist es aber jedes Mal. Es waren sicher an die 20 Absolventen, samt ihren Familien und Freunden aufgefescht wie bei einer Hochzeit. Nicht alle natürlich. Und aufgefescht ist nicht gleich aufgefescht. Die Mutter eines frischen Magisters war in einem kleinen Schwarzen (eine Konfektionsnummer zu klein) mit gefährlichem  Rücken-Spitzeneinsatz, Spitzenstrümpfen, weinroten, hochhackigen Lackpumps samt dazupassendem (oder sagen wir aus dem gleichen Material) kleinen, weinroten Lacktäschchen mit Goldkette, live dabei.

Dazwischen nervöse Väter in zu großen Anzügen mit Hobbykameras, die die bestmöglichste Platzierung ihrer selbst suchten um die Nachkömmlinge zu verewigen.

Eine Frau hinter mir tippte exakt eine Stunde lang – so lange eben die Sponsionsfeier dauerte – an ihrem Handy herum und war demnach nur körperlich anwesend.

Omas schupften kleine, brüllende Babys hin und her und ich hoffte inständig, dass sie doch den Raum verließen, damit alle Beteiligten den Rektor verstehen, der wirklich sehr gut gesprochen hatte. Ich bin jetzt wirklich kein Kinderhasser, aber es gibt Momente im Leben, wo Babygeschrei nicht hinpasst. Man muss den frischgebackenen Akademikern Respekt zollen und sei es durch Verlassen des Raumes, wenn man ein brüllendes Kleinkind in Händen hält.

Die Absolventen mussten sich kurz vorstellen und den Titel ihrer Diplomarbeit ins Mikrophon sprechen. Nur ein Drittel hat es laut und deutlich und langsam kundgetan. Unter anderem eine Biologie-Magistra, die sich für das Lehramt entschieden hat. Na Gott sei Dank, sie kann laut und deutlich sprechen und kann auf die Jugend losgelassen werden. Aber nicht alle haben das drauf.

Dazwischen herrliche Musik vom kleinen Streicherorchester, das ganze Spektakel im großen Festsaal, bedeckt durch das herrliche Mittelbild „Triumph des Lichtes“ des Künstlers Franz Matsch, umrahmt von Fakultätsbilders von Gustav Klimt.
Zwei Standbilder zeigen Rudolph IV, immerhin der Begründer der Universität Wien und Kaiserin Maria Theresia, in deren Regierungszeit eine weitreichende Reform umgesetzt worden ist.

Brötchen im Stil der Siebziger Jahre und ein Gläschen Sekt rundeten nicht den Triumph des Lichtes, jedoch den Triumph jedes einzelnen Exstudenten ab.
Viel Glück für die Zukunft! Denn: Nichts ist naturgemäßer als Tugend und Bildung – ohne sie hört der Mensch auf, Mensch zu sein (Erasmus von Rotterdam).

 

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