Sommerloch

Das Sommerloch ist medientechnisch gesehen eine nachrichtenarme Zeit, für Eltern und Kindern ist das Sommerloch eine Herausforderung.

Sommerloch

Zeit, für einen Eintrag in mein Tagebuch ...

Wir sind mittendrin im Sommerloch. Die Bezeichnung der Massenmedien, besonders der Tagespresse und der Nachrichtenagenturen, für eine nachrichtenarme Zeit.

Arm an Nachrichten auch nicht wirklich. Weil Nachrichten gibt es trotzdem, unwichtiger sind sie halt. Dinge, die sonst niemanden interessieren, werden zu Topthemen aufgebauscht, ausgeschmückt oder verändert. Pimp up the News. Das Callgirl von Silvio Berlusconi und deren aufgezeichneten heißen Telefonate, Top-Sportler, die medial vernichtet werden und auf diese Art und Weise die durchschnittliche österreichische Seele wiedergespiegelt wird, die Hormonbehandlung von Madonna, die Schauspielerin X im Bikini und die Frage, ob sie jetzt nun Speckröllchen hat oder doch im zweiten Monat schwanger ist, Schweinegrippe oder aber nur Angina und so weiter und so fort.

Das Sommerloch bedeutet aber auch „schulfrei". Über zwei Monate erholen sich die Kinder von der anstrengenden Schule und nerven was das Zeug hält. Sie lernen nicht Mathematik oder Deutsch, sondern üben sich in der mehr oder weniger richtigen Streitkultur zu Geschwistern, lernen ihr Schlafverhalten umzustellen, schätzen den Fernseher, können endlich stundenlang im Internet surfen, langweilen sich in Lerncamps jeglicher Art, schätzen Großmutters Kochkünste und geben ihr ganzes Geld für Wasserbomben aus. Kinder von geschiedenen Eltern haben in der Regel zwei Wochen mehr Urlaub. Die Seele sicher nicht. Eltern wissen zum Teil nicht, wo sie ihre Kinder während der Ferien unterbringen sollen. In Italien haben sie drei Monate Sommerferien - es könnte also noch schlimmer sein.

Wer im Sommerloch Geburtstag hat, feiert oftmals alleine. Es gibt Kinder, die werden heuer 9 und haben noch nie eine Geburtstagsparty zum Geburtstag gemacht. Ich grüße Moritz an dieser Stelle. Aber auch Erwachsene trommeln nur mühsam ein paar Freunde für eine feucht-fröhliche Runde zusammen. Manche Bezirke ähneln wiederum einer Geisterstadt. Man ist am Land, im Zweithaus und besucht im Dirndl den sommerlichen Kirtag. Geschäfte haben geschlossen, die Bäder dafür offen. Lokale ohne Gastgarten müssen auf Regenwetter hoffen.

Urlaubszeit - die schönste Zeit! Bekanntlich die höchste Scheidungsrate nach Urlauben. Paare kleben zusammen - oft der Hitze wegen - und freuen sich auf den Alltag und ein paar Stunden für sich. Freundschaften zerbrechen oder aber neue werden geknüpft.

Die Einschaltquoten von Fernsehsendungen sinken und es werden mehr Bücher gelesen. Leute helfen zusammen und geben sich Tipps in Sachen Gelsen- oder Wespenplagen. Putzfrauen machen auch Urlaub und man hat im Sommerloch Arbeit wie noch nie. Kühlschränke geben ihren Geist auf und Ventilatoren sind ausverkauft. Die Balkonblumen zählen ihre letzten Tage und haben entweder Läuse, gelbe oder gar keine Blätter mehr. Die  Kastanienbäume herbsteln, weil die sind längst von der Miniermotte befallen.

Am Passamt steht man Schlange und die Hausärzte sind im Urlaub. Die Papiergeschäfte füllen ihre Lager auf und haben die Ruhe vor dem großen Sturm. Im Friseur unter der Trockenhaube kollabieren alte Menschen.

Also ich freue mich auf den Herbst!

Meinung posten

Jetzt einen Kommentar schreiben!

CAPTCHA Bild zum Spamschutz
Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
*
  • Keine Kommentare
 
Stadt-Wien.at auf Facebook
Stadt-Wien.at auf Twitter