Prater Hauptallee

Die Prater Hauptallee bietet für jeden etwas. Läufer, Radfahrer, Mütter mit Kinderwägen, Spaziergänger - eine Erholungsoase mitten in Wien!

Prater Hauptallee

Zeit, für einen Eintrag in mein Tagebuch……

 

Ich habe einen Arzttermin in der Ausstellungsstraße. Der Tag ist ein herrlicher Sommertag, die Luft klar und windstill, getränkt in Vogelgezwitscher.

 

Zu schön um danach nach Hause zu fahren und zu arbeiten. Also betrete ich den Prater beim Haupteingang, genau an dem relativ neu kreierten, umstrittenen Kulissenplatz. Er gefällt mir nicht und ich denke mir, dass in jeder Stadt die Touristen die Deppen sind. Es ist früher Vormittag und nur vereinzelt Menschen zu sehen. Die, die im Gastgewerbe eben dort arbeiten und eine Hand voll kreischender, kichernder Kinder, die sichtlich einen Schulausflug starten. Eine müde Crew eines Cateringunternehmens lädt gerade die Reste einer Party in einen Bus mit fetter Werbeaufschrift.

 

Überhaupt. Der Prater wirkt skurril am frühen Vormittag. Die Ruhe vor dem Sturm, alles in Vorbereitung. Ich steche durch, zur Prater Hauptallee. Ich entdecke ein kleines Café mit chilliger Musik. Sade klingt aus den futuristischen Bose-Boxen. Erstklassiger Sound, klare Klänge. Ich trage Urlaubsstimmung in mir. Dann ist auch noch der Espresso gut. Das Glück ist mir hold.

 

Gierig habe ich mich in die Sonne gesetzt, doch schon bald muss ich in den Schatten wechseln. Die Sonne hat unglaubliche Kraft, so wie die Prater Hauptallee. Ich recke meinen Hals und schaue, ob ich Ernst Molden mit dem Fahrrad sehe, aber der liegt wahrscheinlich im Stadionbad. Dafür sehe ich eine Mutter mit riesiger Oberweite, die laufend ihren modernen, sportlichen Kinderwagen vor sich herschiebt. Sie besteht fast nur aus Busen und der wippt ordentlich auf und ab. Sie läuft an mir, in kürzeren Abständen mindestens drei Mal vorbei.

 

Ich sehe einen alten Fiat Cinquecento in creme. Das Auto bleibt drei Meter neben dem Lokal stehen, direkt vor der Prater Hauptallee. Nur mit großer Mühe schafft es ein mindestens 150 kg schwerer Mann, sich aus dem für ihn eindeutig zu kleinen Auto zu hieven. Er keucht und ächzt laut. Es ist im egal, dass man ihn beobachtet. Das Zusammenspiel sehr kleines Auto – irrsinnig dicker Mann amüsiert ein wenig.

 

An das Lokal grenzt eine Wiese. Auf dieser Wiese betreiben drei Frauen Yoga. Man kann kaum erkennen wer die Lehrerin ist. Eine der Damen ist mindestens 70 Jahre alt. Sie ist mollig, aber prall und turnt im Badeanzug. Sie hat sehr helle haut und ist voller Sommersprossen. Außerdem ist sie für ihr Alter sehr beweglich. Respekt. Zwei von den drei Damen setzen sich nach Absolvieren ihrer Übungen ins Lokal. Die 70-jährige schaut fröhlich und zufrieden aus. Sie bestellt sich ein riesiges Brioche und beißt mit Vergnügen verdient hinein. Ich freu mich ihr zuzuschauen, denn heutzutage isst kaum mehr jemand voller Lust und Leidenschaft.

 

Es kommen zwei Männer im Anzug. Stolz setzen sie sich unter einen Sonnenschirm und besprechen sichtlich Geschäftliches.

 

Viele Menschen fahren mit dem Fahrrad vorbei, einige ältere Menschen schleifen ihre Nordicstecken hinter sich her, andere laufen, gut ausgerüstet. Mütter mit Kinderwägen dominieren. Dazwischen ein Vater mit seinen Zwillingsmädchen. Beide Kinder lutschen an einem Eis. Sie sind gleich gekleidet und guter Dinge.

 

Eine ungefähr 30-jährige sperrt fürsorglich ihr Fahrrad ab und gönnt sich einen Cafe-Latte im Lokal. Sie ist sehr dünn und hat kurzes, hellblond gefärbtes Haar. Sie hat eine schöne Tätowierung am Fuß. Sie wirkt entspannt.

 

Die Musik, das Wetter, die Atmosphäre tun mir gut. Ich merke wie es mich ebenso entspannt und ich beschließe es in belde zu wiederholen.

 

Wien ist herrlich. Ab in die Prater Hauptallee!

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