Paragleiten

Paragleiten ist nichts für Warmduscher, aber auf jeden Fall empfehlenswert. Das Erlebnis ist unvergleichbar und vom Wind abhängig.

Paragleiten

Zeit, für einen Eintrag in mein Tagebuch…..

Dass ich im Spätsommer in Lackenhof war, mich dort verliebt und vieles Spannende erlebt habe, erwähnte ich bereits. Unter anderem war ich auch Paragleiten, bzw. Gleitschirmfliegen. Das ganze in der Tandemversion und wieder mit dem Ranger Ewald Kraushofer-Dietrich. Das ist der 7-Prozent-Körperfett-Typ aus dem Artikel Canyoning. Es gibt nichts Gefährliches, das Ewald nicht macht. Seine Leidenschaft ist jedoch das Drachenfliegen.

Dass ich großes Vertrauen zu ihm habe, erwähnte ich bereits in meinem Canyoning-Artikel. Und ich packte die Gelegenheit am Schopfe. Paragleiten ist eine Luftsportart, bei dem der Pilot in einem Gurtzeug unter dem Gleitschirm sitzt und ist mit eben diesem durch Leinen verbunden.

So wurde eine Zeit mit Ewald vereinbart. Ich war ein bisschen nervös, allerdings lang nicht so wie vor der Canyoning-Session. Die Freude über das Bevorstehende überwog zweifelsohne. Doch der Zeitpunkt war nicht entscheidend. Der Wind war das Problem. Ewald schnupperte wie ein Wild in alle Himmelsrichtungen, erkundigte sich bei der Bergstation und hatte vorab schon einen Blick ins Internet in Sachen Flugwetterberichte gemacht. Windstärke und Windrichtung sind entscheidend und man muss die Thermik-Entwicklung im Auge behalten. Paragleiten also nichts für Warmduscher, meine Lieben.

Der Rucksack, den Ewald schulterte war riesengroß. Der Gleitschirm, Gurtzeug, Helme und technische Hilfsmittel waren darin verstaut. Wir haben diesen Rucksack gemeinsam gepackt. Die Dinge wurden seinem abenteuerlich anmutenden Van entnommen. Darin roch es förmlich nach Angst und Überwindung.

Wir fuhren mit dem Sessellift den Berg hinauf. Während dieser Fahrt erzählte mir Ewald mit glänzenden Augen vom Drachenfliegen. Er erklärte mir, wie man lenkt und bremst und beugte sich bei dieser Vorstellung sehr, sehr weit über den Sesselliftbügel nach vorne. Nur beim bloßen Anblick hat es mir den Magen verkrampft, kann ich ja selbst nicht so wirklich hinunterschauen, weil ja ein bisschen Höhenangst vorhanden. Aber ich wollte jetzt Paragleiten und ich wollte wissen, wie sich das anfühlt, ich wollte mich überwinden, um danach vom Erfolg zu zehren.

Nach einer längeren Liftfahrt gingen wir noch eine Weile bergauf, fernab vom Wanderweg. Die paar Wanderer, die unterwegs waren, beobachteten uns argwöhnisch und interessiert. Ich tat so, als bemerkte ich es nicht, war aber schon ein bisschen stolz, kein normaler Wanderer zu sein.

Irgendwann erreichten wir die ideale Stelle und Ewald begann mit dem Auspacken. Akribisch genau wurde der fliederfarbene Gleitschirm (extra für mich?) aufgelegt. Dann galt es die Leinen zu entwirren und ordentlich aufzulegen. Ungeduldig darf man nicht sein. Alles braucht seine Zeit. Danach wird das Gurtzeug angelegt und Ewald erklärte mir den Ablauf und den Start. Jetzt wurde es ernst. Aber für Angst hat man keine Zeit. Man saugt die Erklärungen auf, wie ein nasser Schwamm. Man will sich ja nicht blamieren, nichts falsch machen und den reibungslosen Ablauf nicht behindern.

Mit Karabinern verkeilt standen wir hintereinander eine Weile am Berg und warteten auf den richtigen Wind. Ich stand vorne und musste den Berg hinunter rennen, als ob es um mein Leben ginge. Ich rannte und rannte, Ewald und der Schirm hinter mir und irgendwann verlor ich den Boden unter meinen Füßen und war in der Luft. Welch ein Gefühl. Doch das war es noch nicht. In diesem Moment muss man sich den Sitz im Gurtzeug richten und die Arme zwischen den Leinen durchschieben, um sich danach an Griffen anhalten zu können. Diese Griffe habe ich bis zur Landung nicht mehr losgelassen.

Ewald wollte mir die Möglichkeit einräumen selbst mit den Leinen zu lenken, doch ich konnte die Griffe nicht auslassen. Na, hat halt er für mich gelenkt, wie es eben manchmal so ist im Leben.

Es war richtig schön, ich wäre gerne noch länger geflogen und ich kann nur allen empfehlen, dies zu probieren. Der Genuss ist ein wesentlich höherer als beim Fallschirmspringen, das habe ich auch einmal versucht, da war ich allerdings noch sehr jung und brauchte das Geld oder war es der Kick, ich weiß es nicht mehr so genau!

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